Abschied vom „richtigen“ Wort: Student / Studierende

[Entwurfsstatus seit Dezember 2014.]

Zähneknirschen. Krrkrrkrr… „Was sagt der Fuchs?“ fragt ja nicht nach dem eigentlichen Tierlaut, sondern nach der Lücke in unserer Onomatopoesie. Wikipedia sagt, die Jagtsprache kenne zumindest das keckern des Rotfuchses – k-k-k-k -, aber so richtig haben wir zwischen „Wau-wau“, „mjau“ und „Iah“ keine richtige Idee, wie wir sagen sollen, was der Fuchs sagt.

Aktiver und passiver Wortschatz sind eher begrenzt. Und Worte wandeln sich. Wir verlieren einige, und gewinnen neue hinzu. Und, wichtig, Worte wandeln ihre Bedeutung sowohl im Wandel der Zeit als auch durch ihre Kontexte und Sprecher_innen. Will ich richtig verstanden werden, muss ich heute andere Worte verwenden als vor 50 Jahren. Auch wenn die Inhalte die gleichen bleiben sollten.

Schön ist, dass wir dort alle mitdenken, mithandeln und mitgestalten können. Und dass es grundsätzlich kein „falsch“ gibt, sondern nur Miss- oder Unverständlichkeiten. Grundsätzlich kannst Du deinen Tisch Diether nennen und deine Stühle nach den Beatles-Mitgliedern, aber Menschen die dies nicht wissen, werden vielleicht irritiert sein, wenn Du ihnen sagst „Setz dich doch an Diether.“

Du weißt, wohin es heute geht. Es gibt Menschen, die haben das Gefühl – und können das mit Untersuchungen untermauern -, dass wenn von Studenten gesprochen wird, Studentinnen eben nicht mitgemeint sind. Es gibt gute Gründe, einfach beide zu nennen, wobei wir in eine weitere potenzielle Falle tappen: Was ist mit denen, die sich nicht zugehörig fühlen, wenn wir von Irgendwassen und Irgendwasinnen sprechen? Die weder Frau noch Mann sind? Und warum sollten wir überhaupt Menschen, die sich durch ihre Tätigkeit – das Studieren – auszeichnen, geschlechtlich markieren müssen?

Vielleicht hätten wir dieses Problem nicht, wären die Übergänge vom Alt- zum Mittel- und Neuhochdeutschen anders verlaufen und *-in nicht zur Universal-Feminisierung geworden…

Jedenfalls gibt es sicherlich gute Gründe, von Studenten zu schreiben und zu kritisieren, dass Genus und Sexus nicht auseinander gehalten werden, aber dies ändert ja nichts an der Tatsache, dass Menschen diese nicht auseinander halten können. Das Menschen zuerst an „männliche Studenten“ denken, und an Menschen, die ein Studium nachgehen.
Eine Sprache, die sich auf Wortherkunft und „das sollte eigentlich das heißen“ beruft, und nicht anerkennt, wie Worte verstanden werden – und sich danach richtet – ist – finde ich – keine geeignete Sprache.

Vielleicht gibt es in 10 Jahren ein besseres Wort. Vielleicht krankt „Studierende“ tatsächlich an vielen stellen (ja, das tut es). Aber es funktioniert eben an anderer Stelle deutlich besser. Fühlt sich besser an. Richtiger. So, als ob man es besser verstehen könnte.

Wir wählen die Worte so, dass wir richtig verstanden werden. Wenn eine ungrammatikalische, eine unsaubere, eine vielleicht sogar falsche Wortwahl uns verständlicher macht, dann sollte diese vorgezogen werden.

Deshalb ziehe ich für die Bezeichnung von Menschen, die strebsam lernen an beispielsweise einer Universität, und die nicht ausschließlich Männer oder Frauen sind, das Wort Studierende vor. Möchte ich die vielfältigen Geschlechter zusätzlich betonen, so schreibe ich gerne auch von „Student_innen“, spreche ich diese Menschen an, so sage ich „Studentinnen und Studenten“. Weil Kontext, Sprecher_in und Zeit bestimmen, wie ich glaube am besten verstanden zu werden.

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