hjärterum, stjärterum, kisserum (320)

Neulich abends ging ich doch noch raus. Es war ein kalter Abend, ich vergrub die Finger tief in meinen Taschen. Spontan wählte ich nicht den gewohnten Weg, der trotz der späten Uhrzeit noch voller Menschen war. Zwei, drei Pärchen, ja, aber das waren mir schon zu viele an diesem Abend. Ich wollte allein sein. Musste allein sein. Also bog ich ab, eine Treppe runter, vorbei an krummen Häusern. Plötzlich saust um eine Ecke ein Kater. Ich hatte gerade eine Zigarette aus meiner Brusttasche gekramt und war dabei, sie mir anzuzünden, in der Hoffnung, die selbstzerstörerischen Schwaden würden mir den ein oder anderen noch kommenden Moment in Rauch aufgehen lassen. Der Kater, flink aber doch rundlich, strahlte in orangenem Fell in die Nacht hinaus. Ich steckte meine Zigarette und das mühsam gesuchte Feuerzeug weg und betrachtete ihn. Er sah mich an, blickte dann hier und dort hin, setzte sich aber auf seine Hinterpfoten. Er war jetzt hier, ich war jetzt hier. Ich tat es ihm gleich, hockte mich halb hin, machte mich klein um ihn nicht zu erschrecken, und sprach in leisen Worten schwedisch mit ihm.
Auffordernd und doch vorsichtig hielt ich ihm meine Hand hin, wieder schweigend. „Ska jag klappa dej?“ sagte sie (meine Hand spricht noch nicht so gut Schwedisch).
Doch der rote Kater war abgelenkt, blickte in die eine, dann in die andere Richtung. Irgendwas lockte mehr, als dieses geheime Treffen zweier Unbekannter zwischen den krummen Häusern. Er lauschte, blickte, dann trottete, gar nicht mehr flink, fast müde, zwischen zwei Häusern entlang. Weg von mir, weg aus dem Licht. Ich folgte ihm nicht, wünschte nur „Hejdå“ und „Godafton“, kramte, zündete endlich meine Zigarette an und hoffte auf ein schnelles Ende.

Der Wind kalt, die Zigarette glühend, ich alleine; lauschte hier, blickte dort, trottete ich, müde, weiter.

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