Blut für die Filterbubble

Ich bezahlte gerade mit meinem Blut für einen weiteren Monat Lokalzeitung. Nicht direkt, aber die Aufwandsentschädigung reichte gerade so, um 28 Tage lang informiert zu bleiben. Informiert? Nein, das ist das falsche Wort. Die Lokalzeitung sprenkelt ein paar lokale Informationen ein – die aber alle meine Gesprächspartner_innen durchweg nicht interessieren -, es gibt Anzeigen für lokale Betriebe – aber soll ich ernsthaft einem halben Liter Blut für Werbung bezahlen? -, und es gibt die Leserbriefseite. Vielleicht ist es die ja wert. Vielleicht bezahle ich keine 21,40 Euro (das ist der Studierenden-Tarif), damit ich informiert werde, sondern um Zugang zu einer Filterbubble zu bekommen, die mir sonst verschlossen bliebe.

Ja, genau, das wird es sein. Ich lese die jW, wenn ich die Ereignisse durch eine linke Sicht betrachtet und kommentiert haben will, ich lese die taz für eine sozialdemokratisch-grünen Blickwinkel, ich lese die Zeit für konservativismus… ne, die Zeit lese ich eigentlich nicht. Die Lokalzeitung hat aber keine lokale Sicht – oder nur sehr begrenzt -, aber deren Leser_innen denken lokal. Und das macht es spannend. Wie wird für jemande_n von hier™ geschrieben? Welche Themen behandeln die Menschen von hier™ in Leserbriefen? Worüber denken sie nach? Was ist ihnen wichtig?

[…]

(8.Februar 2015)

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