Warum schreit ihr laut nach Arbeit, warum nicht nach Hängematten? (312)

[Inhaltswarnung: Generisches Femininum. Im folgenden verwende ich – unabhängig davon, ob sinnvoll oder nicht – feminine Formen. Auch bei Einzelpersonen. Daher wurde auch die Ich-Erzählerin feminisiert. Mal schauen, ob das inhaltlich etwas ändert oder den Lesefluss stört (Gerne kommentieren).]

Was willst du mal sein, wenn du groß bist? Nützlich. Klug, hilfreich, glücklich… sowas. Nicht „Feuerwehrfrau“ oder „Bauarbeiterin“. Das sind tolle Berufe, aber es ist nicht das, was ich sein will; was ich werden will. Ich will mich – und darf und kann mich – nicht allein über meine Arbeit definieren.

Natürlich gibt es Kontexte, in denen ich als „Studentin“ wahrgenommen werde, oder jene angenehmen Kontexte, in denen ich ein „Freundin“ bin oder „Bloggerin“. Oft werde ich auch als „Arbeitskraft“, wenn auch nur helfend, erkannt. Es gibt Kontexte, wo man mich soundso sieht. Und welche, in denen man mich anders sieht. Jetzt aber zu glauben, dass ich mich am besten organisieren kann mit jenen, die ebenfalls studieren, oder ebenfalls arbeiten, die ebenfalls diese oder jene politische Idee haben, das erscheint mir doch erstmal unsinnig. Warum die Welt zu verändern versuchen, mit Leuten, die ich nur so halb leiden kann?

Wenn Gewerkschafterinnen von „Kolleginnen und Kollegen“ sprechen, dann glaube ich, dass sie damit etwas anderes ausdrücken. In diesem Moment, und in diesem Kontext, behandele ich als Gewerkschafterin meine „Kolleginnen und Kollegen“ als Freundinnen. Mit jenen kann ich die Welt verändern. Wenn ich das will.

Ist dieses Annehmen, dass man von Freundinnen umgeben ist, diese naive oder optimistische Utopie, nur am Arbeitsplatz möglich? Und was mache ich, wenn ich meine politische Aktivität daran kette? Gebe ich damit meiner Arbeitgeberin – oder eher: Arbeitskraftnehmerin – nicht ein ungeheures Druckmittel in die Hand? Ohne, dass dies notwendig wäre? Bin ich nicht auch, wenn ich gefeuert werde, noch ein Freundin unter Freundinnen? Solidarität, ja ja, bla blah. Mir der Drohung im Rücken, den ‚Arbeitsuchenden Genossinnen‘, denen ich gerade noch solidarisch sein wollte, bald Gesellschaft leisten zu dürfen, ist es schnell aus mit der Solidarität. Auch, weil ich ohne Not meinen „Chefinnen“, meinen Dozentinnen usw. ein Druckmittel in die Hand gegeben habe.

Vielleicht organisiert man sich besser mit Menschen, von denen man annimmt, dass man sie mag oder mögen könnte. Egal, ob sie nun Kolleginnen, Arbeiterinnen, Gläubige, Nachbarinnen, Mitstudentinnen, usw. usf. sind. Es kämpft sich am besten mit und für Freundinnen.

Jedenfalls lehne ich es ab, mich allein über meinen Job zu definieren. Oder Haushalt, Namen, Kinder, etc. Ich bin mehr wert und die Zukunft der Arbeit ist bunt und sinnvoller und kürzer. Vor allem wird sie uns nicht mehr in Geiselinnenhaft nehmen können, wenn wir akzeptieren, dass wir Menschen sind, und nicht nur unsere verkäufliche Arbeitskraft.

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