Es geht niemand etwas an.

Das Schlafzimmer ist politisch. Der Kampf gegen’s Patriarchat wird auch dort ausgetragen werden. Revolutionen entscheiden sich nicht mit Kolleginnen und Kollegen, mit denen ich um einen Arbeitsplatz konkurriere, sondern mit den Menschen, die ich in meine Küche, in mein Schlafzimmer, in mein Bett, in mein Leben lasse. Der Geschlechterkampf muss auch eine Einigung unter der Bettdecke finden. Freundschaften, Beziehungen, Partnerschaften, Freundschaften mit Vorzügen, Affären, Menschen die Menschen lieben; monogam, polygam, anarchisch; fest, locker, vertrauensvoll… Allein schon Worte zu finden, die ein Gefühl beschreiben, das man mit einem anderen Menschen hat, ohne sich damit auf eine stereotype Irgendwas einzuschränken, ohne mit einer großen Schere die bunten Gefühle, die sich aufbauen, zurechtzustutzen auf eine der Schubladen, das fühlt sich so unmöglich an. Mein Kopf ist voller Gefühle und Erinnerungen. Darüber will ich schreiben. Fiktionalisiert, verändert, – wenn man so will – unehrlich, weil mir die Menschen, die ich beschreibe, etwas bedeuten. Auch, wenn wir uns vielleicht schon getrennt haben. Ich will Fantasien beschreiben, will mich an Erfahrungen erinnern. Aber ich kann nicht schreiben, um wen es sich handelt. Ich kann – und will – nicht einmal Geschlechter nennen. Weil mir die Menschen wichtiger sind als der Inhalt ihrer Hosen. Natürlich beschränkt das meine Beschreibungen und Personalpronomen geraten hinein, die den Lesefluss stören. Ich muss da auch noch experimentieren. Das im deutschen oft verwendete „er_sie“ oder „sie_r“ unterbricht massiv das Lesen. Auch für mich. Bei Texten, die über Geschlechterverhältnisse handeln, ist das sinnvoll und gewollt. Aber ich will ja gerade ausblenden, ob hier hetero-, homo- oder sonstwie-sexuelles geschieht. Mich – und dich – frei machen von den Schubladen. Über Freundschaften so schreiben wie über die Liebe. Nicht alles gleich machend, aber ein Gefühl nicht herabwürdigend, weil es in einem falschen Kontext entstanden ist. Vielleicht versuche ich es mit dem schwedischen „hen“ und entsprechenden Formen?

Ist das der richtige Weg? Vermutlich nicht. Ich muss das noch lernen. Muss mich noch daran gewöhnen und mit Menschen, die ich mag – vielleicht sogar liebe? -, klar kommen. Mit all diesen Gefühlen, und wie man sie ausdrückt. Wie man gleichberechtigt, auf einer Ebene, bei klarem Verstand, sicher und einvernehmlich die Welt um sich und in sich und die Welt in dir und um dich herum zeigt, entdeckt und erlebt. Wie man – in Respekt und Freiheit füreinander – zusammen sein kann. Als Freunde, in einer Beziehung, in … einem Zustand, für den es kein richtiges Wort gibt.

Wer das gerade ist – und ob das überhaupt existierte -, geht dich als Mensch, der diese Zeilen liest, nichts an. Aber vielleicht findest du dich in diesen letztlich völlig fiktionalen Texten wieder. Kannst deine eigenen Erfahrungen, deine eigenen Erinnerungen darin finden. Vielleicht ist es schön für dich. Vielleicht nicht. Ich schrieb bereits viel über ’solche Sachen‘ und mindestens die Hälfte davon war völlig erfunden. Und vielleicht hast du davon gelesen, und vielleicht hast es dir gefallen. Und vielleicht ist das völlig egal, weil ich hier für mich schreibe.

Und vielleicht ist es sinnlos anzukündigen, dass man das gleiche machen wird, wie bisher auch. Beschreiben, wie das Leben so spielt, oder spielen könnte.

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