Leidige Ledige

Ab und zu leidet er, weil er noch ledig ist. „Meine Freunde sind größtenteils in Beziehungen, oft schon seit Jahren, und ich bin immer noch alleine und fühle mich dann auch manchmal so.“ Er beißt auf einem Zigarettenfilter. Eine schreckliche Angewohnheit, dachte sie. Andere Leute rauchen ihre fuckin‘ Glimmstängel auf den Lippen ruhend, in einem Eck des vergilbten Lächeln oder im anderen. Er dagegen biss regelrecht auf seine Zigaretten, so, als würde er nicht Pueblo rauchen, sondern dicke, braune Zigarren, wie die neureichen Texaner, die er manchmal im Fernsehen sieht. Sie hatte sich halb aufs Geländer gelegt, rauchte ihre dünnen Vogue slim und betrachtete den Sternenhimmel.

Was er sagte und wie er dabei klang, machten seine Art an der Zigarette zu ziehen nur noch lächerlicher. Das passte einfach nicht. Wie konnte er nur -. „Jedenfalls kriegen alle diese Beziehungskiste hin, außer ich.“ Jaja, dachte sie, du klingst wie ein Teenager. „Mit Dir ist alles okay, Herzchen.“ Sie blies dabei eine große Wolke Rauch in den Nachthimmel. Er konnte nicht fassen, wie aus so einer dürren Stange so viel Rauch entsteigen konnte. Jedenfalls hätte er das nicht fassen können, hätte er auch nur eine Sekunde auf sie oder ihre Zigarette geachtet. „Immer nur Freundschaften. Freundschaften! Pah! Du bist nicht mein Typ, bist nicht dies und das. Alle haben sie Ausreden.“ „Du redest so, als ob wir dir Sex schulden würden, Jungchen. Wir schulden dir gar nichts.“ Die Sterne kümmerten sich nicht um die Probleme der Leute, die sich wie Kinder verhielten, aber schon lange keine mehr waren. Sie schauten nur schweigend darauf herab.

„Ehrlich gesagt schuldest du mir doch noch …“ wollte er wieder das Geld ansprechen, doch sie unterbrach ihn sofort, wiegelte ab. Irgendwas, damit er zurück in seine Ledigenleidigkeit zurückfiel. Sein Gejammer war immer noch besser, als wenn sie über das Geld reden würden.

„Wenn dir alle immer sagen, dass sie dich nicht wollen, dann denkst du irgendwann, dass was nicht mit dir stimmt.“ Er schwieg kurz, nachdenklich, dann lächelte er breit: „Ist es mein zu großer Penis?“ „Sie belieben zu scherzen, mein Herr!“ Ihre Landadel-Stimme hatte sie beinahe perfektioniert. Genervter: „Mit dir stimmt alles, Junge. Es dauert halt noch.“ Sie hatte ihn sich nicht nähern gespürt, aber plötzlich war er von den Sternen umgeben, die sie gerade noch so betrunken betrachtet hatte. Er wollte sagen, er könne nicht mehr warten, doch da hatte er schon ihre Hand im Gesicht. „Zu nah“ drückte sie ihm weg und stand auf. „Du bist betrunken, Honey. Ich wäre nicht gut für dich.“ Dabei zündete sie mit einer Hepburn-Bewegung noch eine Vogue an.

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