I chat ’ned.

Das geschriebene Wort ist tot. Bäm.
Nicht, weil das geschriebene Wort nicht mehr angemessen wäre oder unpraktisch oder du den Shit hier nicht gerade lesen würdest (Bäm bäm bäm!), sondern weil eine angemessene Kommunikation mit Menschen, die man mag, oft – sehr oft – nicht sinnvoll möglich ist, wenn sie geschrieben stattfindet. Introvert’s Problems, jaja. Ich mag es oft nicht mit Menschen zu schreiben. Eine kurze Plauderei, das Lösen eines akuten Problems: ja. Eine Unterhaltung: nein. Zumindest nicht, wenn es dazu eine Alternative gibt. Warum schreibst chattest du nicht mehr gerne mit Menschen? Aus verschiedentlichen Gründen. Hier ein paar Mögliche (Reihenfolge zufällig):

  1. Geschriebenes taucht in unterschiedlichen Kontexten auf, die den beabsichtigten Sinn schnell entstellen können. (Du sagst irgendwas ironisch-frivoles über Nüsse, und dein Gesprächspartner_in stolperte just über ein totes Eichhörnchen. Fuck.)
  2. Gesprochenes Wort takes time. Jajaja, aber dessen Anfang ist wenigstens gleich da, während in geschriebener Kommunikation – noch dazu auf f*cking‘ Handys – erst ankommt, wenn du „Senden“ drückst. Es gibt also automatisch Pausen. Das mag manchmal ok sein, meistens nervt es. Mein Kopf beispielsweise fängt in Gesprächspausen gerne mit Bullshit an.
  3. Nachlesbar. I can’t underline this enough! Nachlesbar. Ein Wort fällt schnell und ein Satz ist schnell abgeschickt. Aber durch die Möglichkeit, ihn immer wieder im Wortlaut nachzulesen werden Gedankengänge möglich, die sonst nicht denkbar wären. Die reinste Exegese kann betrieben werden, wenn du geschriebene statt gesagte Aussagen hast.
  4. Schaffensdruck. Weil eben jedes Wort nachgelesen werden kann, müssen deine Worte besser gewählt sein als in einem f*cking Gesetzestext. Du sitzt also da und überlegst Worte, die sich im Kontext gut einfügen, die eine Exegese überstehen und sorgst so für noch mehr Pausen, die wiederum ganz schlimme Folgen hat.
  5. Kein Feedback. Ja, du hängst an jeden freundlich gemeinten Satz ein :) und an jeden Witz ein ;), um deine Aussageabsicht klar zu machen. Aber es hilft ja nichts, weil Kommunikation immer eine Metaebene mitführt, die bei geschriebener Sprache eben bei weitem nicht so weit genutzt wird, wie sie in gesprochener Sprache Verwendung findet. Daher viel größere Verwirrung, Unsicherheit, Stuff.
  6. Typos. Because: Bildschirmtastaturen, T9, AutoCorrect, WTF?

Ich weiß nicht, wie es einmal klappte, Freundschaften im Chat zu halten. Ich jedenfalls fühle mich davon gänzlich überfordert. Und wenn zu Menschen gehen und mit diesen von Angesicht zu Angesicht sprechen von mir bevorzugt – Du weißt sicherlich, wie sehr mir das Angst macht und ich versuche dies zu vermeiden – dann bekommst Du vielleicht ein Gefühl dafür, wie überfordert ich mich aktuell mit Chatten fühle.

Holy f*cking Shit.

(E-Mails sind übrigens auch nicht so praktisch, wenn man wie ich erst nach 2 Jahren Antworten schreibt.)

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