„Mach‘ kaputt was dich kaputt macht!“ sagst du; Bitte mach‘ mich kaputt

Hens Herz schlägt. Nah bei mir. Ich spüre es pochen durch den Pullover. Meine Hände wandern wie Entdeckungsreisende über den Körper. Hier liegen wir nun. Komisches Gefühl. War das Absicht? Nein, aber es fühlt sich schön an. Ganz nah bei mir. Atmen. Wilde Küsse, weil ich mich nicht halten kann. Dann hält hen mich. Meine Augen verliebt in den Anblick. Meine Hände zitternd, forschend. Wir sind uns nah. Kuscheln. Probieren dieses und jedes Gefühl aus. Lust, Erregung, Nähe, Vertrauen. Aber mein Kopf will das Zweifeln nicht lassen. Irgendwann, irgendwann. Der Tag wird kommen, dass hen mich verletzt – und umgekehrt. Und vielleicht ist dieser Moment schon da. Wir liegen die Nacht über wach. Morgenlicht, Lärm, kein Kaffeegeruch, die Welt erwacht, fuck. Todmüde, schleppen uns in frische Kleider. Ich beobachte die eleganten Züge und kann das Küssen nicht lassen, kann mich nicht losreißen, hens Körper ist magnetisch und ich nur ein gewöhnliches Metall. Hoffnungslos ausgeliefert. Ich weiß das ich gehen muss. Raus aus dem Bett. Raus aus dem Haus. Raus aus dieser Welt. Ich bringe alle Selbstdisziplin auf, die mein schläfrig-endorphine-geladener Körper noch versteckt hatte. Wie soll das jemals funktionieren? Ich will so sehr, dass es funktioniert. Und es erfüllt mich mit so unglaublich vielen, großartigen Gefühlen… Aber… fuck fuck fuck. Raus in die Welt. Raus aus dieser Nacht. Treffen wir uns wieder? Wir laufen zur selben Haltestelle, steigen zusammen ein. Meine Hand hält hens. Wir plaudern. Dann verschwimmt alles. Bus, Kuss, Bus, Zuhause. Ich hätte wie immer einfach im Bett bleiben sollen.


hen (und die Formen henom und hens) dienen als Ersatz für die im Deutschen ‚gebräuchlichen‘ geschlechtsneutralen Personalpronomen (eher: Pronomen-Konstruktionen) er_sie, ihm_ihr und sein_ihr (usw.). Dadurch soll die Frage nach den Geschlechtern der Figuren ausgeblendet werden. Ob dies gelingt – ob also der_die Ich-Erzähler_in zugleich weiblich und männlich gelesen werden kann, ebenso wie die anderen Figuren, entscheidet der_die Leser_in. (Verzeihung für die Umstände. Ich experimentiere noch.)

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