Homophobe Vollidioten gehen bitte nach Hause jetzt (2)

[Verfasst 21. Mai 2015. Hier geschilderte Sachverhalte sind möglicherweise nicht mehr richtig.]

Bitte verschwende deine Zeit nicht mit diesem Blogeintrag. Lies stattdessen bei Kontext über die #demofalle und das Verhältnis von Kirche und sexueller Vielfalt. Danke für die Aufmerksamkeit.

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Am 21. Juni 2015 gehen die „Wir sind nicht homophob, aber“-Leute wieder in Stuttgart demonstrieren. Auf deren WordPress-Blog wird dazu aufgerufen (Anonym.to-Link) und man weiß gar nicht so recht, was man davon halten soll. Die „totale ideologische Beeinflussung unserer Kinder und unserer Gesellschaft“ soll hier gestoppt werden. Mit dabei sind traditionell völlig ideologiefreie Gruppen wie die AfD, die örtliche CDU und ein paar versprengte radikale Christen, die bei persönlichem Gespräch erklären, Homosexualität sei durch Dämonen verursacht. Oh, und natürlich Kelle, von Storch, von Beverfoerde … Seufz.

Natürlich besteht die Möglichkeit, dass ich mich irre. Dass, wenn wir erlauben, dass gesagt werden darf, dass Schwule (auch) Menschen sind, und das womöglich zu Kindern, dass dann die Nazis auf Dinosauriern durch die Straßen reiten und die Hölle sich auftut. Das ist möglich, und ich will nicht ausschließen, dass die #demofalle recht hat, und ich in der nachdenklichen Gegnerschaft dazu und – vielleicht – mit Trillerpfeife und Plakat hinter der Polizeimauer, unrecht. Wie sollte ich das auch ausschließen. Und natürlich haben Bildungsplan und der Maßnahmenkatalog für „Akzeptanz und gleiche Rechte Baden Württemberg“ Mängel. So ist das, wenn viele Menschen an etwas mitarbeiten und viel damit erreichen wollen. Das heißt aber, das wir an den Mängeln weiterarbeiten müssen, und nicht einfach fordern, dass wir zurück ins Mittelalter gehen (Oh. Polemik. Verzeihung.). Am grundsätzlichen Ziel ändert das nichts.

Natürlich ist das ganze schwer problematisch. Bildungsplangegner_innen, die auf Mängel hinweisen, tun dies möglicherweise, weil sie sich nicht (mehr) trauen, öffentlich die Ziele dahinter zu kritisieren hassen. Die Gegner_innen der mutmaßlich Homophoben verteidigen nun einen Bildungs- bzw. Aktionsplan, hinter dem sie oftmals nicht voll stehen können. Eine Verbesserung der Lage ist so für niemand_e hergestellt und jede_r Demonstrat_in auf diesem Platz fühlt sich wie eine weitere Ohrfeige an. Dabei will ich nur in Frieden leben können.

Aber selbst gläubige Christen, die ich mit offenen Armen empfangen möchte, können nicht wirklich etwas gegen die Gleichstellung und Sichtbarmachung von Homosexualität haben. Einerseits ist der ganze ‚Schwulenhass‘ der Bibel… nun ja… missgedeutet (Prof. Dr. Siegfried Zimmer erklärt hier sehr verständlich, dass in der Bibel keine Aufrufe zu homophobem steht).

Überhaupt stehen da ganz interessante Sachen drin, z.B.:

„Denn ihr seid alle durch den Glauben Gottes Kinder in Jesus Christus. Denn ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus angezogen. Hier ist nicht Jude noch Grieche, hier ist nicht Sklave noch Freier, hier ist nicht Mann noch Frau; denn ihr seid allesamt eins in Christus Jesus.“
Galater 3, 26-28

Oh? Kann man jetzt natürlich unterschiedlich auslegen, aber ich würde das mal als „vor Gott sind alle gleich“ deuten. Warum dann weiter fordern, dass Homosexualität bitte verschwiegen werden soll? Also, so als Christ meine ich jetzt? Oder anders: Wenn ich in einer Partei bin, weil sie Christlich ist, dann muss ich Nächstenliebe auch leben. Punkt.

Es drängt sich doch der Eindruck auf, dass es hier nicht um Glauben oder Sexuelle Vielfalt oder die Aufklärung von Kindern geht. Viel mehr habe ich den Eindruck: Das ist Wahlkampf. Nicht mehr, nicht weniger. Und mit „Der Gegner will unsere Kinder mit Dildos misshandeln!!!1111“ lassen sich mehr Leute an Urnen holen als mit langweiligen, sachlichen und ergebnisoffenen Beerdigungen.

Aber ich kann mich auch irren.

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