Zwei von Millionen

„Wir sind geboren um frei zu sein“ plärrt eine YouTube-Raubkopie einer Raubkopie von Ton Steine Scherbens „Wir müssen hier raus“ aus den Lautsprechern meines in China hergestellten NoName-Handys. Weil irgendwas mit Deutschrap und linksjugend-Romantik. Keine Ahnung.

Ich frage mich, was dieses frei eigentlich sein soll. Niemand_e kann tatsächlich frei sein – also völlig ungebunden. Unsere Wahrnehmung wird durch unser Vorwissen und unsere Erwartung determiniert. Wir sind gekettet an das Bestehende. Aus gestern und heute. „Frei“ klingt irgendwie anders.

Vielleicht meint frei auch Gewaltfreiheit – doch die ist noch lange hin -, oder Wahlfreiheit. Du darfst entscheiden, ob du Fliegen oder Mücken speisen musst, Fliegen oder Mücken, jeden Tag. Auch da stelle ich mir „frei sein“ anders vor. Kaufe ich bei Saturn oder Media Markt? Persil oder Ariel? Backstreet Boys oder Take That? Beatles oder Stones? Katzen oder Hunde? Bullshit. Vielleicht bedeutet frei sein auch „Nein“ sagen zu dürfen. Ich entscheide mich dagegen. Punkt. Anti Alles Bla bla.

(Wortwörtlich aus dem Notizbuch zitiert.
Datiert mit 15.022015 [sic!].)

Vermutlich müsste man ein weiteres Scherben-Zitat anfügen (aus: „Keine Macht für Niemand“): Ich bin nicht frei und kann nur wählen, welche Diebe mich bestehlen, welche Mörder mir befehlen. Erschreckend jedenfalls, wie viel dieser schon über 40 Jahre alten Texte noch aktuell wirkt.

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