Neu im Sortiment: Singles aus zweiter Hand, kaum gebraucht.

[Mehrere Textentwürfe zusammengeführt.]

Auf Facebook bin ich noch mit ein paar Menschen befreundet, mit denen ich eigentlich nichts mehr zu tun habe oder haben möchte. Über einem Bild einer jungen Frau mit verzweifelt-aufgehübschten Lächeln und sexualisierter Pose, und einem zweiten Foto, welches die gleiche verzweifelt-aufgehübschte Frau in einem dieser billigen aber zugleich unbeschreiblich hässlichen IKEA-Spiegel gespiegelt zeigt, steht, dass meinem ehemaligen Freund dies gefalle. Das Foto stammt wohl aus einer Sammlung von ähnlich verzweifelt-aufgehübschten Fotos einer Dating-Seite. Zumindest steht da ein Logo neben der doppelt dargestellten Frau, auf dem ein stilisiertes Ortsschild diesen Internetfriedhof der Hoffnungen als „Singles“ kennzeichnet.

Serienmonogamisten, eine spezielle und nicht weniger verachtenswerte Form der Triebtäter, treffen sich wohl dort. Unter dem Foto stehen 62 Kommentare. Ich klicke nichts davon an. Nein. Facebook wird annehmen, ich würde mich für derlei Getümmel interessieren. Dabei interessiere ich mich nicht dafür. Im Gegenteil. Dieser Fleischmarkt – denn die Betonung der Fotos lässt keinen anderen Schluss zu – widert mich an.

Der Begriff des Singles – eines Menschen, der nicht getrieben ist, aber es treibt -, fühlt sich falsch an. Ich bezweifele, dass bei längerer oder größerer Auswahl sich bessere Beziehungen ergeben. Andererseits kann ich mich dem ganzen wohl auch nicht entziehen.

[…]

Dir Vorstellung, nur in einer Paarbeziehung könne Glück erreicht werden, nur mit einem Bettgenossen würde alles gut werden, und man müsse halt – wie Hosen – ein paar Anprobieren, bis es passt… Was für eine irritierende Vorstellung. Dieses „Suchen“, zwangskennenlernen, sich dem Druck ergeben und dann falsch lächelnd sich dem Erdrückugnsmechanismus anschließen: Schaut, Paarbeziehungen sind so viel besser! Werde Teil unserer Sekte! Wir lösen uns ineinander auf und erstehen wider, als „wir“. Mir dreht sich der Magen um beim Gedanken, dass sich Menschen anpassen, um mehr „dateable“ zu werden. Das verzweifelte Allein-sein. Das verzweifelnde Zusammen-sein. Eine Paarbeziehung soll – denkt das Ich, welches gerade vorgibt diesen Text zu schreiben; dabei schreibt dies tatsächlich nur noch ein Bot, welcher von einer Katze programmiert wurde – die Freiheit der Beteiligten erweitern, nicht einschränken. Soll das Leben dieser Menschen größer und schöner und besser machen. Da ist kein „Ich will nur dir gehören“ (Muff Potter), sondern eine … Solidarität bis ins Schlafzimmer?

[…]

Wenn du alleine bist, dann ist das kein Mangel. Rede dir das nicht ein. Du wirst dich nicht besser fühlen, wenn du jemande*n suchst. Es gibt nicht den*die Richtige. Du musst dich zuerst richtig fühlen. Ob dazu noch jemand dazu kommt, und ob das dann funktioniert, ist nicht von so großem Belang.

Aber vielleicht bin ich auch nur genervt von diesem… aufdringlichen Brutverhalten.

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