Hier bist du nicht wirklich.

Unten reden sie. Freunde. Ich … kann gerade nicht. Verstecke mich dort, lese mein Büchlein. Von Trauma und Parteilichkeit und so weiter. Doch die Sonne geht unter. Die Zeilen verschwimmen ins Nichts. Ich fühl mich wieder ausgeliefert. Kann nicht. Kann einfach nicht. Nur kurz rauchen gehen. Raus. Ich laufe die Treppe herunter, keine Asche aufs Grundstück. Oben lachen sie. Oben sind sie einig. Ich rauche. Schade mir selbst, ziehe meine Körperlichkeit auf den zerstörten Kopf herab. Hoffe auf die Sekunden meines Lebens, die mich diese Zigarette früher sterben lässt. Ich gehe ein paar Schritte. Auf und ab. Dann ab, ab, ab. Meine Schritte sind schnell, meine Körper geht. Ich klettere über einen Zaun, rutsche leicht über nasses Gras. Wo bin ich? Was passiert? Ich laufe. Wohin laufe ich? Kopfhörer sind an. Feine Sahne Fischfilet, Supershirt. Hier bist du nicht wirklich? Hier wirst du nicht wirklich? Ich verstehe die Worte nicht. Doch meine Zigarette brennt. Ich … laufe ich gerade weg? Ich … werde nicht mehr zurückkehren. Schnell tippe ich eine halbgare SMS in mein Handy. Sei irgendwie ins Laufen geraden, und, ’sehn uns dann daheim‘. Ich laufe. Ist das der richtige Weg? Will nicht gesehen werden. Noch eine Zigarette. Noch eine. Mein Blut besteht nur noch aus Nikotin. Bitte lasst mich früher gehen. Ich kann hier nicht sein. Ich kann nicht wirklich sein. Ich bin eigentlich woanders. Ganz woanders. Meine Lunge brennt. Meine Augen sehen Dunkelheit. Endlosschleife. So laut, bis meine Ohren dröhnen. Endlich komme ich zur Straße. Ich laufe gerade weg. Ich laufe gerade vor der Verantwortung, mein Leben zu führen, weg. Ich kann hier nicht sein. Ich bin hier nicht wirklich. Ich werde hier nicht wirklich. Wenn sie jetzt gerade vorbei fahren? Wenn sie den selben Weg nehmen wie ich? Wenn sie mich suchen? Konfrontieren? Ich kann das nicht. Ich muss hier raus. Ich kann nicht. Ich … drehe meine Jacke um. Schwarze Seite nach außen. Schal nach innen, Kaputze. Verändere mich soweit ich nur kann. Bitte erkennt mich nicht. Ich sammele die abgerauchten Filter. Kein Beweis meines Weges. Fucking Paranoia. Bitte seht mich nicht. Ich bin hier gerade nicht wirklich. Ich laufe weg. Laufe Umwege. Laufe weiter. Laufe immer weiter weg. Hier könnten sie mich finden, hier könnten sie mir begegnen. Ich gehe Umwege. Diese Nacht existiert nicht. Mein Kopf dröhnt. Ich zücke meine letzte Zigarette. Weiter hätte ich nicht gehen können. Ein paar Jugendliche sind noch wach. Ich setze meinen bösesten Blick auf. Sie lachen. Ich existiere gerade nicht. Nicht hier. Nicht wirklich. Daheim schreibe ich jemandem, dem ich vertraue, ein paar Worte. Vertraue jemandem, mit dem ich ein paar Worte wechsele. Doch bin ich hier? Existiere ich? „Ich“? Oder muss ich Rollen spielen? Akzeptieren, ein „Freund“ zu sein? Muss ich mich verstellen? Einen anderen geben? Nach innen sterben, damit ich außen lächeln kann? Unterordnung ist die schönste Ordnung?

Solange ich nicht einfordere, wirklich sein zu dürfen. Solange ich abhaue und vor Verantwortung wegrenne. Solange ich ausbreche, mich in Bullshit flüchte. Blogge. Menschen brauche. Zigaretten. Blogeinträge. Solange werde ich nie in Frieden ruhen.

Keinen Frieden mit mir selbst. Keinen Frieden mit meinen Gedanken. Kein Frieden mit meinen Ängsten. Ich muss mich unterordnen. Sterben drinnen, um der Welt draußen zu genügen. Das ist richtig. Das ist gut. Solange ich nur nicht wirklich sein will. Nicht nachdenke, nicht kämpfe. Nur sterbe. Jeden Moment, jede Sekunde. Wie es meine Pflicht ist. Der Schützengraben der Neuzeit ist die Social Media. Keine andere Hoffnung außer Tod. Jede verrauchte Sekunde ein Hoffnungsschimmer. Keine Worte. Keine Hoffnung. Kein Kalkül. Ich will nicht mehr ich sein. Ich betrete mein Zuhause. Tat ich das nicht schon? Bin ich hier zuhause? Ich betrachte wieder einen Bildschirm. Tippe irgendwas. Denke nichts. Es gibt keine Hoffnung außer Tod. Aber es wird nicht gegangen. Keine Flucht, kein Fleischsalat. Nur in der Selbstaufgabe gibt es Frieden. Völlige Unterordnung. Brecht mich. Zerschmettert mich. Redet über Häuserbauen und Kinder kriegen. Lasst die Welt verbrennen, solange nur euer Benzin recht billig ist.

Ich darf nicht mehr flüchten. Ich muss zerbrechen, oder brechen. Solange werde ich nie in Frieden ruhen.

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