„Ja, hallo ich wollt‘ nur mal sagen Katzen sind gar keine Rudeltiere.“ „Oh, ja, egal, man, der text ist fett; der text ist fett.“ „Ok tschöö.“

Aus irgendeinen Grund kann ich nicht schlafen. Ich liege wach. Dabei wäre es so wichtig, nun zu schlafen. Ich wälze mich umher. Decke drauf, Decke weg, ne. Ich versuche krampfhaft nicht zu denken. An Schafe zu denken. An Schlafen zu denken. Ich versuche fast alles, um einzuschlafen. Keine Tabletten, aber dann klingelt erbarmungslos der Wecker. Arbeiten. Markt aufbauen, dann steht er plötzlich. Ich schreibe eine Mail, dass ich nicht zum Seminar komme. Dann stehe ich nicht mehr. Betrachte vier Stunden lang die Decke in der Dunkelheit. Starre. Warte. Warte auf den Schlaf. Doch dann stehe ich wieder auf. Es hat sich nichts geändert. Ich bin immer noch wach. Ich bin immer noch fucking wach.

Aufgaben erledigen. Autositze schleppen. Duschen, Anzug anziehen, Geschenk und Blumen einladen. Wir fahren zu unseren Freunden, die in ihren schicken Klamotten einsteigen, und wir fahren zu einer Kirche. Hochzeit zweier guter Freunde. Sie sind seit 10 Jahren zusammen. Ein süßes Paar. Ich weiß nicht, was als nächstes kommt. Mit den Familien und Freunden kann ich wenig anfangen. Nur mit den Menschen, die ich ohnehin kenne. Sekt. Programm. Tanz. Torte.

Oh fuck. Meine Augen beginnen zu brennen. Ich schwanke. Meine Gedanken sind immer unklarer. Ich trinke, in der Hoffnung es könnte meine Müdigkeit noch ein bisschen kontern, so viel Cola, dass mich in Bedienenden kollektiv hassen und ich das Gefühl habe, mein Magen würde durchätzen nach unten hin. Aber ich bleibe wach. Irgendwie. Es ist Mitternacht. Es ist eins. Es ist… halb zwei. Und ich beginne völlig abzustürzen.

Auf dem Tisch sind Katzen. Ich kann sie sehen. Ich versuche sie sogar zu streicheln. Ich halluziniere. 40 Stunden wach, und ich sehe Katzen. Meine Augen rollen sich zurück in meinem Kopf. Ich kann kaum stehen, und bettele, heimfahren zu dürfen. Schreibe und twittere mit Menschen, die nicht hier sind. Meine Begleitung bezeugte die Trauung und sollen irgendwie bis zum Schluss bleiben. Beste Freunde des Bräutigams, und so. Ich bin nur ein „plus Eins“. Aber gut. Meine Welt geht miauend unter, und in Angst vor dem, was noch kommt, sammele ich meine Sachen, verabschiede und bedanke mich beim Brautpaar und nehme einen Nachtbus.

Vom Saal zur Haltestelle pinkele ich in einen Bach. Ein Katzenrudel beäugt mich. Sie haben kleine Schlagstöcke dabei. Umgeschnallt. Dazu Hüte. Ich hinterfrage das nicht. Ich habe mich dem hingegeben. Die Nacht ist dunkel. Die Katzen tun mir nichts. Sie wollen mich nur verscheuchen. Ich steige in den Bus.

In Rottenburg angekommen sehe ich nur noch Einzelkatzen. Auch im besetzten Haus. Die üblichen. Ich kraule sie am Unterkiefer. Desinteresse. Gähnen. Schlafengehen. In meinem Bett setzt sich eine der Katzen direkt neben mich. Ich brauche noch fast eine halbe Stunde, bis meine Erinnerung abreißt und ich davon ausgehen kann, eingeschlafen zu sein.

Auf den Fotos des Abends sind keine Katzen zu sehen. Nur das lächelnde Brautpaar und wir in Anzügen und schicken Kleidern.

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