Steine und Ziegel

Steine und Ziegelsteine auf die Einsatzwägen. Wieviele Tote wollt ihr noch? (Irgendwer auf Facebook)

Sie haben zuerst geschossen. Sie haben zuerst den Abzug gedrückt. Haben eskaliert. Sie haben uns das Brot genommen, unsere Würde, haben unsere Arbeitskraft gekauft und uns in Schulden ertrinken lassen. Sie haben uns ermordet, gepeinigt und vergewaltigt. Sie haben uns schlecht wohnen lassen, nicht von Krankheiten geheilt, obwohl sie es konnten. Sie haben uns in den Selbstmord gedrängt. Sie haben uns versklavt und uns die die Selbstaufgabe gezwungen. Sie lassen uns bezahlen um auf dem Planeten leben zu dürfen, auf dem wir geboren wurden.

Die Einsatzwägen, die Polizisten und Politiker sind ihre Vertreter. Wie Priester sind sie an Gottes Stelle, doch belügen uns. Gott ist vielleicht tot. Doch dieser Gott ist der Tod.

Also nehmen wir die Steine und Ziegel, mit denen sie uns ihre Paläste bauen ließen, und werfen sie ihren Vertretern ins Gesicht. Weil uns nichts mehr bleibt außer Widerstand. Sie ließen uns schlecht wohnen – nun kriegen sie ihre Steine zurück. Sie nahmen unsere Stimme – nun müssen wir schreien. Sie ließen uns verhungern – nun essen wir sie. Sie versuchten uns gegeneinander auszuspielen – nun stehen wir gemeinsam gegen sie.

Und doch ist „der Feind“ kein Mensch, keine Institution oder ein Ort. Der Feind ist ein Teil in uns – in jedem von uns -, ein Tumor, den wir aus uns selbst schneiden müssen, bevor er uns ganz zerfressen hat.

Ist es „der Kapitalismus“? Ist es „die Gier“? Er ist über 10.000 Jahre alt und hat viele Namen. Und ich glaube, egal wie wir unseren Tumor nennen, er hat bereits Metastasen gebildet. In die Literatur und Kultur, in die zwischenmenschliche Liebe, in die Politik – ganz besonders dort -, in die Bildung, Wissenschaft, den Glauben, die Freiheit und das Denken, die Liebe, die Hoffnung.

Ich bin hoffnungsvoll frustriert
und die Zeit ist reif.

(vgl.)

[Wortwörtlich aus Notizbuch abgetippt. Datiert auf 28.04.15. Inklusive Link.]
[Mir ist das persönlich im Nachhinein ein zu radikaler Ansatz. Auch wenn ich jeden Tag wieder darauf aufmerksam machen würde, dass ein Staat jeden Widerstand als (Gegen)Gewalt sehen muss, und daher zu Polizei und anderen Repressionsorganen greifen muss. Wir aber als Teil des Staates, der Gemeinschaft, etc. – die dies also mittragen -, dies natürlich auch friedlich beenden können – wenn wir es wollen.]

2 Antworten auf „Steine und Ziegel“

  1. Die Zeit ist reif, wozu? Steinewerfer gab es schon immer. Überall wo sich Herrschaft gebildet hat, auch lange vor dem Kapitalismus. Die Franzosen haben die Bastille gestürmt und die nicht mal zehn Schweizer abgemurkst, die dem König als einzige „Polizei“ geblieben ist. Die Engländer haben ihren König enthauptet, die Iraker ihre ganze Königsfamilie gemeuchelt. Der Unterschied scheint mir nur daran zu liegen, dass die Steinewerfer im Westen ziemlich unerfolgreich sind. In Ägypten haben sie zumindest ein paar Tage Hoffnung genießen können, bevor es wieder rückwärts ging. Die Zeit kann – je nach Definition – immer reif für eine Revolution sein. Und auf die Revolution folgt eine neue Revolution – eine radikalere, die ihre Kinder frisst, oder eine Konterrevolution. Die ist immer reif – und ist es eigentlich nie.

    1. Oh, schade dass das nicht raus kam. Ich vermute – das Schreiben des Textes ist doch schon eine ganze Weile her -, dass ich mit „Die Zeit ist reif“ dieses „Er ist über 10.000 Jahre alt und hat viele Namen.“ nochmal aufgreifen wollte. Beides sind Zitate aus Ton Steine Scherben: Mein Name ist Mensch und ich versuchte wohl, dieses Feindbild aufzulösen, welches darin steckt. Denn, du hast Recht: Jede Revolution frisst ihre Kinder. An die Stelle der abgeschlagenen Betonköpfe kommen nur die nächsten.
      Von daher: Steine zu werfen erscheint mir ziemlich sinnlos, da wir danach wieder zurückkehren zum Gleichen. Oder man kurz darauf wieder Steine werfen müsste. Ohne eine Veränderung in uns keine langfristige Veränderung in der Welt. Andererseits greift natürlich auch ein „Hättest du halt was anderes gewählt, wenns dir so nicht passt.“ zu kurz. Dass wir Repression selbst miterzeugen, aber eben nicht alleinverantwortlich dafür sind… das… uff.

      Ach… das Thema ist … zu anspruchsvoll für mich gerade. Und ich bin auch zu ängstlich, um da übers Internet ernsthaft zu diskutieren. Vielleicht in ein paar Monaten. Vielleicht mal bei einem guten Wein. Mal schauen.

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