Irgendwann im April

Ich komm‘ auf die vielen Menschen nicht klar. Zu viele. Wir kennen uns, so ein bisschen, die Namen, die groben Lebensumrisse, genug fürs Plauschen, zu wenig um sich in die Augen zu blicken und alles zu wissen.

Heute waren es zu viele Menschen. Wie in einem Fritz-Lang-Film erbrachen sich diese Massen – also, nicht wirklich -, in die Mensa-Räume. Ich hatte das Gefühl, dass das Gebäude einem Schiff gleich schwanken würde. Eine Mitstudentin, mit der ich dort gegessen hatte, entkam mit mir über die Reling. Zurück zum Brechtbau. Hallo Norwegischdozent – er grüßt mich mit Namen -, ich entweiche der Situation, nur um auf Fachschaftsmitglieder zu treffen. Nur eine Kleinigkeit klären. Beste Wünsche, weiterziehen. Ich versuche den Menschen aus dem Weg zu gehen. Hier, unter all die Fremden, will ich mich setzten und mein Buch – welches ich nicht leiden kann – weiterlesen… Oh, hej. Jaja, ich freu mich dich zu sehen. Plaudern, stockend. Sie macht dann irgendwas und ich lese doch ein paar Seiten, während von einer Seite noch jemand kommt, den ich kenne. Plaudern. Sie verabschiedet sich. Ich lese noch ein wenig und gehe dann an die Frische Luft. Zu viele Menschen. Ich habe das Gefühl, dass mein Leben zu groß geworden ist. Frische Luft. Ich laufe ein wenig umher, rede mit den Leuten, die Zigaretten verteilen. Ich laufe umher, fast eine Stunde lang. Weg von Menschen, aber immer noch zwischen Gebäuden. Ich höre Musik, die mich beruhigt. Irgendwann traue ich mich zurück ins Gebäude, fahre Aufzug, nutze die Toilette, fahre wieder runter. Ich will J. schreiben, doch bevor ich meinen Kommunikator Handy aus der Tasche fischen kann, sieht sie mich. Grüßt mich. Ich lächele sie an, begleite sie ein Stück. Ich reiche ihr eine Wärmflasche, die ich beim Aufräumen gefunden habe. Warum kann ich nicht erklären. Wir umarmen uns zum Abschied. Ich trotte zurück zum Gebäude, rein in den Seminarraum, mit Menschen plaudern. Ich trinke einen Smoothie, warum auch immer, und denke kurz darüber nach, wie albern sich das anfühlt, so etwas zu trinken. Plaudern. Ich wüsste keinen Namen zu nennen. Keine Eckdaten, außer, diese Menschen studieren mit mir. Die Tutorinnen erscheinen, auch Menschen die ich irgendwie kenne, die irgendwie in meinem Alter sind, mit denen ich aber nicht ertrage, eine Bindung aufzubauen. Ich wüsste auch nicht, wozu. Und vor allem glaube ich nicht, dass sie daran ein Interesse hätten.

Ich fühle mich ausgelaugt. Der Bus zum Bahnhof ist so voll mit Menschen, dass man darin kaum umfallen könnte. Ich schwitze. Angst. Auf den Sitzen Menschen, die noch zur Schule gehen. Sie reden in einem Tonfall und in einer Art, dass ich ihnen meine Socken zwischen die Zähne stopfen möchte. Wann habe ich die Verbindung zur „Jugend“ verloren? Oder war diese noch nie existent?

Raus aus dem Gedränge. Rein ins Gedränge.
Fritz-Lang-Atmosphäre.
Schichtwechsel, Trotten, Bahnhof.

Der Tag muss endlich vorbei sein.

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