Aber ich will nicht werden, was mein Alter ist (2)

Die Mehrheit der Leute in meinem Alter, die Anfang-Ende-Zwanzig-Leute, sind nicht, wie ich sein will. Sie hören Helene Fischer oder irgendwelches Rock-am-Ring-Zeugs mit Gitarren und sie wählen wieder CDU. Sie sind unglaublich konservativ, gründen Kinder und erzeugen so „Familien“, zahlen ihr Schutzgeld an Polizei und Staat. „Die“ Antifa ist für sie das gleiche wie NPD, wobei letztere zumindest nicht dem Staat auf der Tasche liegen. Sie stören sich an den Asylverbrechern und Schieberbanden und wollen nicht hören, wie wir alle daran schuld sind, dass diese Situation geschaffen wurde. Sie sind gegen Cannabis-Legalisierung, kiffen aber selbst. Der intellektuelle Widerspruch, der Graben zwischen zwei gegensätzlichen Ansichten und Denksystem geht nicht an ihnen vorbei, sondern mitten durch ihren Kopf und ihre Sätze. „Die sollen mal nicht streiken, ich streike in meinem miesen Job ja auch nie.“ Und wenn jemand schuld ist, an irgendwas, dann „die Politik“ oder „Brüssel“. Jedenfalls nicht sie. Zumindest das haben sie in ihrem Arbeitsleben gelernt. Das, und dass wir alle Konkurrenten sind.
Sie sind unabhängig, arbeiten in miesen Jobs und beuten sich aus, für den Lebenslauf und Hauptsache nicht arbeitslos. Schuften, Doppelschichten, und ihre Elterngeneration sitzt in Café und entspannt – zurecht.

Natürlich gibt es auch die Armeen der Abhängigen, Leibeigenen des BAföG-Amtes, die studieren und lernen und schuften, und dabei nie aus der Abhängigkeit herauskommen werden. Als der Inbegriff der Kommerzialisierung von Kultur – die Sex Pistols – 1977 in „God save the queen“ erstmals No future an die Wände jedes Gehörgangs schmierten, da schufen sie nicht nur ein Motto einer heute längst tot-aufgeblähten Punk-„Kultur“, sondern auch der Leitspruch einer Eltern- und Großeltern-Generation, die ihre Folgegenerationen verraten hat. Johnny Rotten, der in ein Mikrophon „There’s no future for you!“ den Eliten und Monarchen ins Gesicht brüllen wollte, könnte es heute uns ins Gesicht brüllen. Wir haben den Zukunftsanspruch verloren. Haben aufgegeben.

Und da bin ich leider genauso, wie die Mehrheit meiner Generation. Verstecken und abarbeiten an Kleinigkeiten, Randphänomenen. Oh, wie schlimm, ein paar PEGIDA-Verwirrte, oh, Nazis, schlimm schlimm. Natürlich brennen wieder Asylheime. Weil der Tod ein Meister aus Deutschland ist.

Ich schweife ab.

Jedenfalls sind mir die, die noch an irgendwas glauben, genauso zu wider, wie jene, die sich vollends im süßen Leben (wie Maschinenöl) aufgelöst haben.

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