Du kan gå din egen väg (354)

Letzter Zug. Vor mir steigen zwei Gruppen von jungen Frauen aus. Ich muss diese Straße entlang, nach Hause. Die einen gehen diesen Weg, die anderen den anderen. Fuck. Ich will nicht um kurz vor Mitternacht wie ein Creep alleine hinter jungen Leuten herhumpeln. Im Halbdunkel wie ein Sexualverbrecher hinterherlaufen. Das wollen die nicht, das will ich nicht. Ich gehe also einen Umweg. Unnötig lang, aber niemand soll vor mir Angst haben müssen. Statt dessen habe ich jetzt Angst. Leere Straße, mieses Licht. Irgendwelche besoffenen Nazis unterhalten sich auf einer Bank. Singen von Deutschen Eichen und wer daran hängen soll. Ich versuche nicht daran zu denken, dass diese Menschen auch meine Nachbarn sind.

Im Zug lauschte ich der lautstarken Unterhaltung dieser Frauen, denen ich nicht auch noch folgen will. Es ging um Serien, die sie in ihren Lernphasen – vermutlich waren es Studierende – sehen. Eine von ihnen sagte, sie brauche wieder eine Serie. ‚Gilmore Girls‘ habe sie schon drei mal durch. Sie singt kurz die Titelmelodie. Außerdem ‚Pretty little liars‘ und ‚Sex and the City‘. Ich versuche nicht zu er- oder unterbrechen. „Breaking Bad?“ schlägt eine ihrer Begleiterinnen vor. „Nee.“ „Game of Thrones?“ „Nope.“ Dann geht es darum, wie sie trotz Serienschauen gute Prüfungen schreibe. Ich verkneife mir irgendwas zu sagen.

Hätte ich empfehlen sollen? Black Mirror, mit das beste, was ich gerade kenne? Seinfeld, ein absoluter und unglaublich komischer Klassiker? House of Cards? Hm. Oder, Lernpausen-Geheimtipp weil Kurz und oft sinnfrei, ab und an aber auch sehr tiefgründig, Adventure Time? Hätte ich etwas sagen dürfen? Können? Müssen? Nein. Wozu auch?

Leute sind begeistert von The Walking Dead und ich weiß einfach nicht, warum. Wie in aller Welt man diese Serie gut finden kann. (Ich schau sie ja selbst, und bin bisweilen positiv überrascht.) Aber eigentlich finde ich alles schlecht und jeden erstmal scheiße. Und vielleicht behaupte ich das auch nur, weil es so schön klingt. Und weil es zu anstrengend ist, etwas zu mögen und ständig das Herz gebrochen zu bekommen (wie das der GoT-Fans).

Ich drehe meinen Schlüssel im Türschloss. Die Tür öffnet sich. Bald liege ich in meinem warmen Bett. Ich kann mich kaum auf meinen Beinen halten… oh, vielleicht schaue ich doch noch eine Folge von … irgendwas.

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