What Difference Does it Make?

Für die Antifa Aufbau Tübingen ist die Sache ziemlich klar: „In der Nacht auf Montag den 07. September 2015 brannte es in einer Flüchtlingsunterkunft in Rottenburg. Es ist sehr wahrscheinlich, dass es sich hierbei um einen weiteren rassistischen Brandanschlag handelt.“ Die Leute, mit denen ich bisher gesprochen habe, hoffen immer noch, dass es „nur“ ein Unfall war. Ein normaler Brand. Kein Anschlag. Kein rechtsextremer Terror. Nicht schon wieder. Eigentlich wird hier die Willkommenskultur hochgehalten, wird integriert, geehrenämtelt, jede_r hilft so gut es geht. Nun also ein Brand. Ursache noch unbekannt.

St. Moriz

Was für einen Unterschied würde es machen? Die Flüchtlinge entkamen – Gott sei Dank – alle den Flammen. Teils mit Verletzungen oder Rauchvergiftungen, aber alle leben, und das ist die gute Nachricht. Vielleicht gibt es jemand, unter uns, der bewusst ein Gebäude anzünden wollte, vielleicht war es ein Unfall, vielleicht ein Terroranschlag auf unsere Nachbarn und Freunde.

Die Kommentarspalten auf Facebook & Co. quellen über. Hier Solidarität und „Syrier streicheln“, da Verschwörungstheorien und Bullshit. Die AFA Aufbau trifft sich morgen, 19:00 Uhr, zu einer „Aktion“. Was auch immer das bedeutet. (Update: Das Tagblatt berichtet von der Demo/Kundgebung mit 300 Personen.)

Für mich macht es keinen Unterschied, ob die Unterkunft brannte, weil dies oder jenes. Unter uns, in unserer Mitte, ist eine verbrecherische Ideologie angekommen. Menschen hassen Menschen, weil sie sagen, sie seien anders. Menschen verleumden Menschen, Menschen hassen Menschen. Wir sind immer noch und immer wieder die Stadt des KOPP Verlags. Wo Hetze und Verschwörung verbreitet wird. Wir sind die Stadt mit Stammtischen und gläubigen Senioren, die Angst vor den „kriminellen Asylanten“ haben. „Liebe deinen Nächsten“ am Arsch. Nun schreien alle und alle sind so nett und sagen Hallo und… fuck.

Irgendwann wird das Thema aus der Aufmerksamkeit verschwunden sein. Aber die rechten Tendenzen, die Feindschaft sät unter den Nachbarn, die wird weiter da sein. Aber keine Entschuldigungen mehr, keine weiteren Entschuldigungen. Ich bin zu müde, ich bin so müde und ich fühle mich sehr krank und schlecht heute. Da ist etwas in unserer Gesellschaft, in mir, in dir, in uns. Nicht irgendjemand anderes, kein Einzeltäter. Kollateralschuld.

Es macht keinen Unterschied, was genau gewesen ist. Weil in den Köpfen immer noch der Hass und die Angst von vor 100 Jahren liegt.

Vgl.: Tocotronic: Racist Friend

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