I’m not… I can’t… I… sorry…

[Geschrieben nach 38 Stunden wach sein – davon fast 20 vor einer Konsole verbracht. Ungelesen veröffentlicht.]

Gerade geht es einfach nicht. Ich fühle mich nicht im Stande, Menschen gegenüber zu treten. Zuviel Hass, zuviel Angst, zuviel Leute, zuviele Erwartungen. Ich würde, wenn das ginge, mich in mein Zimmer einschließen und für ein paar Tage nicht mehr rauskommen. Niemand_e treffen, mit niemand reden, mich nicht zeigen.

Ich bin zu viel am Bildschirm. Lese Texte, lese Kommentare, verzweifele über die Menschen, die sie schreiben. Diskutiere über die immer gleichen Themen. #refugeeswelcome, ja ja, aber die haben ja alle Handys und einen Penis (!!). Wenn das so weitergeht, dann Bürgerkrieg!!!111elf. Seien die linken Gutmenschen dran schuld. Uff, denke ich. Ich will nicht darüber schreiben.

Ich lese Verschwörungstheorien. Aber die Tage vergehen bedeutungslos. Ich müsste noch so viel lesen, so viel schreiben, Spiele spielen, Menschen umarmen, so viel zu tun…

Ich fühle mich überfordert. Auch von mir selbst. Da fragt mich zum Beispiel in irgendeiner Facebook-Gruppe jemand_e, in wie weit Frauen in einem „normalen“ Buchladen gegenüber einem Frauenbuchladen diskriminiert würden. Ich hatte nämlich die Frechheit besessen, auf die Frage, ob Frauenbuchläden rechtens seien, erklärt: „Eben wegen des Antidiskriminierungsgesetzes – beziehungsweise korrekt dem Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz – sind Frauenbuchläden genauso wie Schwulensaunas und ähnliches erlaubt. Man kann sich da nicht einfach „einklagen“. Konkret geht es um Paragraf 5 des AGG. Ich zitiere da einfach mal Wikipedia: „So kann eine unterschiedliche Behandlung gerechtfertigt sein, wenn dadurch auf angemessene Weise eine bestehende Diskriminierung beseitigt wird.““. Und dann kommt da jemand und fragt, ob Diskriminierung. Und ich: Hm.

Das ist eine komplizierte Frage. Noch komplexer als die Ausgangsfrage. Einerseits könnte man ja argumentieren, dass sich „normale“ Buchläden geprägt durch eine ‚patriarchale‘ Vergangenheit (Gegenwart?) eher nach männlichen Vorstellungen ausrichten und daher Frauen diskriminieren. Andererseits würde ich gar nicht behaupten, dass „normale“ Läden Frauen per se diskriminieren. Sehr wohl aber heterogene Gruppen von Frauen* – beispielsweise Opfer von körperlicher und seelischer Gewalt. Ob dafür ein Laden, der Menschen nach ihrem Äußeren beurteilt – also nur cis-Frauen reinlässt (oder wie funktioniert das?) – und andere Formen von Frau-sein damit ausschließt, da wirklich die Lösung ist? Ich weiß nicht. Aber: Den Frauenladen gibt es, daran stört sich niemand – außer irgendwelche Leute auf Facebook oder in Masku-Foren – und sie überleben seit Jahrzehnten. Muss also irgendwie „Bedarf“ da sein. Ist ja auch ok, dass Leute die Welt anders sehen, als ich oder du das tuen.

Schreibe ich die Antwort? Ja. Aber ich traue mich nicht, sie abzuschicken. Darauf gäbe es nur weitere Antworten, gäbe es Rückfragen… Ich kann das gerade nicht. Sorry.

Neulich begann ich eine Antwort auf einen Leserbrief zu schreiben, aber mein Bruder meinte, ich dürfe eh nichts mehr abschicken. Daraufhin trank ich Cuba libre und spielte ein paar Stunden GTA. (Zählt 19 noch als ein paar Stunden?)

Eigentlich wollte ich zu einem Freund fahren. Nach Würzburg. Eigentlich wollte ich erklären, warum Eintreten für „Meinungsfreiheit“ nicht ein Beschützen von kritischen Medien gegen Kritik ist und dass das spießige Demokratentum eher meh is. Man macht es sich mit „Ich bin für Meinungsfreiheit“ zu einfach. Mit „Toleranz“, mit „Demokratie“, mit „Antidiskriminierung“. Wo Nazis `demokratisch‘ gewählt werden können, muß man sie nicht demokratisch bekämpfen. (Wiglaf Droste: Mit Nazis reden. 1993.) Wie wir umgehen sollten mit Nazis und was Nazis eigentlich sind. Ob wir zu schnell abwatschen. Ob die Antifa-Demo neulich richtig war. Die ganze fefe-Geschichte. Wie Privilegien sich auswirken auf Wahrnehmung und wie kaputt meine eigentlich ist.

Wie Beziehungen sind und ob es ok ist. Ob eine Gleichberechtigte Beziehung möglich ist oder Übergriffigkeit „dazu“ gehört. Warum zu Medizinischen Themen Ärzte und Fachleute – und maximal noch „Betroffene“ eingeladen werden -, bei Gender aber offenbar alle mitdiskutieren sollen. Als würde sich Wissenschaft in dem vollenden, was wir in der Schule lernten. Biologie ist komplizierter, Geschlechterforschung komplizierter als wir das Thema im Alltag kennen. Und ein Privileg abzugeben bedeutet nichts schlechtes.

Das alles kann ich gerade nicht denken. Ich bin nicht bereit, meine Gedanken soweit zu ordnen, um sie mitzuteilen. Die Welt dreht sich. Die Eidechsen regieren uns aus der Hohlerde heraus… und… ich bin immer noch irritiert, was Menschen alles glauben und ob es nicht besser wäre für meine geistige Gesundheit, mich von derlei Leuten – Nazis, Verrückten, Truthern, besorgten Bürgern und allgemein Menschen mit Internetanschluss – fern zu halten. Es nützt ja eh nichts. Macht nur unglücklich.

Selbstseperation um nicht zu zerbrechen. Rückzugsgefechte aufgeben und abhauen. Meine zeichentrickhaft zurückbleibende Unterwäsche – weiß – dient als Fahne. Ich ergebe mich. Bitte nicht weiter schießen. Ich ertrage den Bullshit nicht mehr. Menschen. Dinge. Ereignisse. Worte. Uff.

In Erwägung, dass ich nichts lerne / Während ihr euren Bullshit erzählt / Habe ich beschlossen, jetzt mit lesen aufzuhör’n / Weil es mir sonst aus den Augen blutet.

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