Wie ich einmal ein paar Sprossen einer Leiter hochkletterte und dann doch nicht weiter ging.

Eine Leiter. Sie steht dort, unbedarft, ruhig und einsam, und wartet. Jungfräulich würde man sie nicht nennen, aber man verzeihe mir diese Sexistische Kackscheiße, bestiegen wurde sie schon lange nicht mehr. So steht sie da, steif und sinnlos. Bis vor einigen Jahren diente sie einem Schornsteinfeger – oder korrekter: einem Schornsteinfegenden (m_w?) – noch dazu, den rauchenden Schlot zu untersuchen. Heute geht das von unten. Keine Leiter, dafür Karriere. Technisches Gerät, Sicherheitsbewusstsein, Abgaswerte. Schöne, grüne Welt. Doch die Leiter wurde einfach vergessen. Steht nun da. Wie der Blick wohl von ihrer Spitze ist?

Ich stehe einen Moment lang auf einer ihrer Sprossen. Sie wirkt stabil, sicher, ehrlich. Sie würde mich nicht fallen lassen. Aber würde ich loslassen können? Meine Freunde sagen, ich soll nicht hochsteigen. Aber schon einen halben Meter vom Boden entfernt sieht die Welt anders aus. Hell und durchsichtig. Neuer Blick. So sieht es von oben aus. Aber über mir sind noch tausend Sprossen. Ich steige wieder herab. Die Leiter zu erklimmen ist kein Ziel für mich. Ich bewahre mir die Vorstellung, das neue. Oder war das jetzt Angst? Nicht aufs Dach der Welt – zumindest dieser kleinen – gestiegen zu sein? Wo wir unseren Dreck in die große Welt entlassen?

Abgas den Hütten, Zentralheizen in Palästen. Diese hier sind auf Glas. Voll Blumen, voll Arbeit. Und ich blicke auf sie herab, kaum zwei Katzenlängen über dem Erdboden. Und doch ist alles anders.

Heute blickte eine Katze zu mir auf. Ich hatte – wie man das so sagt – die Hände voll und Mühe, um sie herum zu tanzen. Und sie blickte mich an, tief, durchdringend, verwundert. Als frage sie sich, wie die Luft dort oben sei. Oder, wie es wohl ist, wenn man so weit weg ist von seinen Füßen. Manchmal mache ich mich klein. Manchmal groß. Und auch Katzen steigen auf Schultern und Regale, um den Blickwinkel zu ändern. Aber sie entfremden sich nicht von ihren Füßen, weil diese so fern sind.

Ob unsere Schornsteinfegerin wohl noch Leitern steigen möchte?

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