Aufhören, etwas zu verfolgen. (3)

[Ungelesen veröffentlicht.]

Serien sind in der Regel auf die Unendlichkeit ausgelegt. Nur wenige Macherinnen trauen sich, ein Ende festzulegen. Viele Serien – insbesondere Komödien – laufen theoretisch unendlich. Die Simpsons laufen seit Dezember 1989. Viele, der Menschen die ich kenne, existieren kürzer. Als die Simpsons das erste mal über die Fernsehschirme flimmerten, da lag beispielsweise Taylor Swift gerade ihre vierte Nacht in einem Bettchen. Selbst „Eine himmlische Familie“ lief volle 11 Jahre, bis es 2007 endlich eingestellt wurde.

Natürlich sind Serien deshalb so ausgelegt – etwa im Gegensatz zu alleinstehenden Filmen (bei Filmreihen oder „Universen“ ist das wohl nochmal ein wenig anders) -, damit man weiterschaut. Irgendwie will man ja wissen, wie es mit der Haupthandlung weitergeht, oder dieser Nebengeschichte. Also erfährt man auch die anderen 324 Ereignisse, die nebenher und völlig unterinteressant ablaufen. Manchmal nerven Serien. Vieles, von dem, was ich lange verfolgt habe, hat mich irgendwann genervt – einerseits, weil es nie gut laufen kann, andererseits, weil es nie ganz schlecht laufen kann -, oft wurden Charaktere schlecht geschrieben oder ich bekam das Gefühl, hier hingehalten zu werden. Manchmal sorgte auch eine Fangemeinde dafür, dass ich mir etwas nicht weiter anschauen wollte. Oder, dass die Autorinnen dahinter rausgeworfen wurden. Vielem merkt man das deutlich an, dass nur ein Gewinninteresse, nicht aber ein Interesse am „Werk“ einer Arbeit zugrunde liegt. Und manche Sachen haben sich auch einfach nach drei Staffeln abgefrühstückt. Schema-Folgen, die man schon tausendfach gesehen hat. Und dann immer die gleiche Geschichte ohne das je wirklich etwas passieren kann. Oder alternativ: Das immer etwas passieren muss (Grey’s, du bist gemeint!).

Jedenfalls wählte ich mir bei manchen Serien einen willkürlichen Punkt, auszusteigen. Nicht mehr weiterzuschauen. Ich bin kein Fan mehr von XY. Klicke mir nicht mehr die neusten Episoden. Hab den Anschluss verloren. Passiert ja eh nichts.

Natürlich ist es eine Sache, das sich Beschäftigen mit einer Serie einzustellen, wie es Blamayer ‚kürzlich‘ mit Walking Dead tat, und eine andere, nichteinmal mehr beim Essen halbaufmerksam sich die nächste Folge reinzuziehen.

Im Grunde ist das der Größte Protest, zu dem eine Konsumentin – hier von einer Serie – fähig ist. Einfach nicht mehr einschalten. Stiller Boykott. Nah, I don’t care. lässt die Fernsehmachenden ehrfurchtsvoll erzittern, so wie sonst nur Sky-Händlerinnen über abendlichen Koitus erschrocken sein können. Filterbubble, Blocken und Aufmerksamkeitsentzug sind die Massenvernichtungswaffen gegen den wiederholten Bullshit der Medienschaffenden.

Wie dem auch sei. Ganz entziehen, zumindest, wenn man sich nicht ganz dem Medium entzieht, lässt sich nicht. Ab und an gerät man in eine Folge hinein, sieht ein paar Werbeausschnitte, merkt, dass es richtig war nicht weiter zu schauen. Die gleichen Witze, die gleichen Probleme. Alles eine Wiederholung einer Wiederholung. Trotzdem sehen sie verändert aus, die Figuren, die man mal so gut kannte. Ein anderes Schwert, ein anderer Job, eine neue Frisur. Aber im Kern doch immer noch so enttäuschend, wie es der Grund war, nicht weiter zu schauen. Die Notleine zu ziehen. Schluss mit dem, ich schaue lieber eine andere Serie.

Und ja, es gibt noch das Sehenswerte Programm. Das, welches dich erfreut, welches mich erfreut und für das ich nie Zeit gefunden hätte, hätte ich nicht aufhört, dieses oder jenes zu verfolgen.

[…]

(Aktuell schaue ich bewusst nicht weiter: The Big Bang Theory, 2 Broke Girls, Family Guy, Simpsons, New Girl, Veep, Grey’s Anatomy, Girls, Elementary, The Daily Show, ….)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.