Irgendwann im September

Der Tag rollt. Die Musik schnattert. Ich sitze gekrümmt auf einem Stuhl, der aus alten, recycelten Dinosauriern und Allgen gemacht ist. Plastikwunderwelt. Ein Bildschirm. LCD irgendwas. Ich tippe. Worte. Sätze. Schwärze hier, Helligkeit dazwischen. Letztlich Einsen und Nullen. Schreibstau. Ich blicke die Zeichen an. Sehe Buchstaben. Sie ergeben keinen Sinn. Verhöhnen mich. Ein Strich blinkt. Schreib weiter. Ich warte hier. Los. Tipp. Ich will wandern. Warum schreibst du nichts? Kannst du etwa nicht denken? Wer bist du? Der Strich verhöhnt mich. Sein Blinken, ein Herzklopfen, sticht mir im Kopf wie Migräne, stich, stich, stich. Ich betrachte ihn eine Weile. Blink, blink, blink. Etwas läuft hier falsch, wenn nichts mehr läuft. Wenn der Zeilenwanderer wartet anstatt Buchstaben auszuscheißen, hinter sich zu lassen. Schwarze Flecken in der Leere. Fliegenscheiße. Meine Finger schreiben nichts. Mein Hirn schwimmt bedeutungslos in seiner eigenen Hirn-Pisse. Wie heißt noch dieses sprudelnde Badenwannen-Ding, dass die Amerikaner so schätzen? Mein Herzschlag synchronisiert sich mit dem Blinken. Blink, blink, blink; poch, poch, poch. Ich finde keine Worte. Versuche zu lesen, was ich schrieb, aber ich erkenne keine Worte mehr, keine Buchstaben. Es ist nur schwarz und weiß und egal. In der Ferne arbeitet jemand_e mit einer Motorsäge. Eine Biene fliegt vorbei. Ihre Flügelschläge klingen wie die Motorsäge. Vereinen sich, synchronisieren sich.

Der Schirm verdunkelt sich. Schwarzer Spiegel. Ein degeneriertes Gesicht starrt mich an, Verurteilung, Frust, Verachtung. Ein Monster mit traurigem Lächeln. Dunkle, eingefallene Augen hinter einer großen, schweren Brille. Ein gekrümmter Rücken.

Der Buchstabentänzer tanzt nicht mehr.

[…]

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