Existiert unser Zuhause noch?

Die Orte unserer Kindheit sind verschwunden. Selbst wenn ich es wöllte, ich könnte nicht dorthin zurückkehren. Was große Abenteuer waren, sind heute Banalitäten. Ein paar Stunden auf der Rutsche, das Bild von fernen Orten, die doch nur ein paar Stunden Fahrt entfernt waren. Die Berge, die Menschen. Gut und Böse. Alles schien machbar. Alles schien sich ändern zu können. Ich fühlte mich geborgen und richtig.

Doch diese Orte gibt es nicht mehr. Oder die Korrektur meiner Wahrnehmung, die vielen tausend Brillen, die mir durch Bildung, durchs ‚Erwachsen werden‘, aufgesetzt wurden und die ich selbst aufsetzte – Nummer eins oder Nummer zwei; was ist schärfer?; Nummer eins, klick; Nummer zwei, klick – haben die verschwommenen Bilder meiner Kindheit unsichtbar werden lassen.

Ich sehe nun die Pickel der Welt. Die Hautunreinheiten meiner Gedanken und Gefühle. Wie Märchen meine Wahrnehmung konstruierten und noch wirken. Wie ich selbst gefangen bin in mir selbst.

Sich nach einem Ort zu sehnen, der nicht mehr existiert, ist zugleich sehr erwachsen und eine immerwährende Enttäuschung, mit der zu leben man klarkommen muss. Kein Gott, kein Staat, kein Fleischsalat werden einem da raus helfen. Wer ein „gutes Früher“ konstruiert, um es einem schlechten „Heute“ entgegenzusetzen, der sorgt auch für ein nachhaltig schlechtes Morgen. (Oder so.)

[…]

2 Antworten auf „Existiert unser Zuhause noch?“

  1. >>Wer ein „gutes Früher“ konstruiert, um es einem schlechten „Heute“ entgegenzusetzen, der sorgt auch für ein nachhaltig schlechtes Morgen<<

    sehr sehr weise gesprochen

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