Variabler Zinssatz von aktuell 0,000%.

Ich lese kein Kapital, ich zähle mein Kapital

(Panik Panzer. In: Antilopen Gang: Neoliberale Subkultur. 2015.)

Ich bin ein Schwein. Ich bin eine Sau. Ich bin ein Schmarotzer. Ich bin ein gieriges Stück Scheiße. Ich bin faul. Und ich bin upperclass innerhalb der Unterschicht innerhalb der Oberschicht. Verglichen mit 99% der Menschen bin ich reich.

Über mir ein Dach, unter mir Boden, neben mir Nahrungsmittel und Kleidung, unter meinen Finger Tasten – die mir gehören. Ich habe sogar ein bisschen Geld.

Nicht genug, um mir meine Beerdigung leisten zu können, nicht genug um zu verreisen, aber wenn ich einmal meinen Computer zerstöre, dann kann ich mir einen passablen Ersatz kaufen.

Das Geld liegt jedenfalls in einem großen Topf einer Bank. Weil ich das sinnvoll fand und finde, bei einer Bank zu sein, die so ehrlich zu mir ist, wie ich zu ihr. Da ist es mir auch egal, wenn ich weniger „für mein Geld bekomme“.

Dafür mach‘ ich jetzt Geld, ich bin Abfall und Dreck, yes

(Koljah. In: Antilopen Gang: Stück Dreck. 2015.)

Halt, mein Geld? Was soll den das bitte heißen? Und woher habe ich bitte einen Anspruch darauf, für irgendwelche Nummern, die mir zugeordnet werden, mehr Nummern zu erhalten? Irgendjemand muss mehr bezahlen für einen Kredit, muss mehr arbeiten als notwendig, um die Bankmitarbeiter_innen zu bezahlen und mir einen Bonus – also Zinsen – zu geben. Das ist doch nicht fair!

Obwohl mir die Perversion bewusst ist, fühlt es sich dennoch komisch an. Vielleicht, weil ich in einer Welt aufgewachsen bin, in der man das Geld zur Bank brachte, auf ein Sparbuch legte, und sich dann einmal im Jahr freute, dass da jetzt plötzlich 2 Mark mehr da waren. Davon kaufte man sich dann ein Eis und dachte nicht darüber nach, mit welchen blutigen, menschenverachtenden Methoden dieses Geld erwirtschaftet wurde. Oder, freundlicher, auf wie viele Eiskugeln wohl ein Dritter verzichten musste, damit ich mir ein paar und der Banker ganz viele leisten kann.

Wir sind pro-kapitalistisch, also fick dich, alles Absicht.

(Johnny war ein Tänzer: Johnnys Ende. 2010.)

Jedenfalls komme ich da nicht raus. Es fühlt sich komisch an, wenn es keinen – zinsmäßigen – Unterschied zwischen Giro- und Sparkonto gibt. Nicht einmal 0,0015 %, sondern einfach gar nix.

Und kaum denke ich das, denke ich darüber nach, schickt mir die Bank, bei der unsere Fachschaft ihr Konto hat, ein Flugblatt, welches mich informiert, wie viel zukünftig die Girokonten dort kosten werden, wie viel ich für eine Überweisung bezahle (10 cent. Online!), und mir dreht sich der Magen beim Gedanken, dass ich bald 60 Euro und mehr im Jahr bezahlen werde, nur, um am gesellschaftlich geforderten „Zahlungsverkehr“ teilnehmen zu können.

Hm.

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