Täter sind immer die anderen

Am Abend des 5. Mai 2016 leuchtet das Denkmal für jüdisches Leben in Rottenburg rosafarben, als hätte man den vermutlich Sandstein in Blut gestippt.

Wie schön die Welt doch ist, wenn die Benennung von möglicherweise antisemitischen Aussagen als solche sofort eine ‚Diskriminierung‘ als ‚Antisemit oder Nazi‘ darstellt, und man doch jetzt mal genug an die „scheußlichen Verbrechen unserer Altvorderen“ gedacht hat. Die Juden sollen jetzt keine Opfer mehr sein, damit man die Geschichte auch mal vergessen kann. Irgendwann ist doch auch mal gut, wa? Schließlich fanden ja nur 1348/49, 1476 und die 1930er bis 1940er Progrome, Vertreibungen und Ermordungen in dieser Stadt statt. (Aber Goethe, bis 1832, gehört natürlich zu ‚uns‘.) Und natürlich waren das nicht ‚wir‘, die mordeten und vertrieben, sondern der „NS-Staat“, oder es wird überhaupt kein Subjekt genannt.

Wir haben das gemacht. Und noch immer machen wir das heute. Wir grenzen Menschen aus, weil sie uns anders erscheinen. Weil sie politisch oder religiös anders, homosexuell oder nicht von hier sind. Wir zwingen Normen auf, weil wir nicht gleichberechtigt zusammenleben wollen. Weil wir Leitkultur propagieren und Herrschende sein wollen. ‚Wie du lebst bestimme immer noch ich.‘ Weil ’sie‘, ‚die Anderen‘, eine andere Religion, eine andere Weltanschauung oder eine andere Sprache leben. Mal heißt es „Herrenmensch“, dann verharmlosend „Leitkultur“. Mir wird schlecht.

Die Opfer existieren weiter, weil wir nicht aufhören, Täter zu sein.

Eine Antwort auf „Täter sind immer die anderen“

  1. ich kann meine zustimmung demgegenüber gar nicht in worte fassen. oder nur schwer, sagen wir mal. ich denke, denke und denke und fühle immer wieder das gleiche demgegenüber. es kann nicht genug dokumaterial darüber geben, lehren und die verzweifelten versuche, diejenigen wachzurütteln, die lieber schlafen wollen. das ist der wahnsinn. wir müssen auch wachsam bleiben und nicht einknicken vor denen, deren leeren argumentationsschablonen, aus denen nur intoleranz herausspricht, wir leidig und müde sind, weil wir dann verlieren. stay awake. rise to speak. this is the most important. and the only rule: do not ever insult the one who is trying to convince you that intolerance would be a way to walk. it’s not. AUGEN AUF. be respectful and peaceful. Love and friend-ship sending to you : ) (I’m serious, there is something going on in the world…)

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