Mit Rechten rechnen

Da schreibt man einen Leserbrief, weil man doch nicht schweigen will und still leiden, und entscheidet sich dann doch dagegen, ihn abzuschicken. Die ‚Rechten‘ sind unberechenbar und halten mich am Ende nur für… was auch immer. Daher nur hier. Ob ich jetzt Übergriffe erwarten kann? Dafür bin ich nicht wichtig genug, oder zu weiß. (Rassismus, yay?)

Leserbriefentwurf vom 17. September 2016
Axel H. aus Wannweil fantasierte kürzlich (14. September) in einem Leserbrief über die Künstler hinter einem Hackenkreuz-Graffiti zwischen Obernau und Bad Niedernau. Es deute alles, so H., auf „eine False Flag-Aktion“ hin. In diesem Fall also Linke, die so täten, als wäre es eine rechte Schmierei. Die über „Fuck AFA“ gesprühten roten Striche deute auf die ‚antifaschistische‘ Zielrichtung der Aktion, so unser Meisterdetektiv.

Verzeihung, wenn ich darauf hinweise, aber: Das sieht wohl eher nach zwei „Täter*innen“ bzw. Taten aus: Eine ‚rechtsextreme‘ mit Hakenkreuzen, „Fuck AFA“ und „Robu gegen links“, und als Reaktion darauf ein Übersprühen durch sogenannten ‚linksextreme‘ inklusive Anarchie-A.

Ganz ohne Verschwörung und False Flag. Unsere Welt ist scheiße und manche Menschen versuchen, etwas dagegen zu tun.

Allerdings ergibt eine kurze Suche nach Alex H., Wannweil, sehr schnell, woher diese Verwirrung herrühren könnte. Mehrfach trat er für die NPD zu Wahlen an. Die Antifa Reutlingen-Tübingen berichtet über ihn: „Zwei seiner Bekannten wurden 1980 zu mehrfachen rechten Mördern und er selbst griff bereits einen Polizisten mit dem Messer an.“

Wie ist der richtige Umgang der Zeitungsleser*innen mit diesem Gedankengut? Demaskiert sich der Unsinn selbst, oder muss man darauf noch hinweisen, damit umgehen? Nützt es etwas gegen den Verschwörungsquatsch, dass ich hier eine – einfachere – Erklärung liefere? Müssen wir in einer Demokratie den brauen Dünnpfiff auch in unserer Tageszeitung akzeptieren? Und ist es demokratiefeindlich, den Hass vom Diskurs auszuschließen? Die Verwirrung? Den Wahnsinn? Halten wir uns die Augen zu, oder zeigen wir, dass derartige Spinnereien keinen Platz haben in unserem täglichen Zuhause?

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