Warum lesen Sie das überhaupt?

Es ist fünf vor sechs und ich liege noch wach. Eigentlich soll man bei Texten die wichtigsten Infos an den Anfang packen. Es deprimiert mich ein bisschen, dass die Uhrzeit und mein Zustand offenbar das interessanteste heute sind.

Da ist er nun, dieser erste Satz. Aus irgendeinem Grund erwarten wir – Lesende? -, dass jetzt etwas passiert. Dass es Gründe gibt, warum die Erzählenden – ich? – in einer Handlung – das hier? – handeln. Warum bin ich noch wach? Das heißt, warum war ich noch wach? Welche Gründe könnten mich dort hin gebracht haben? Eine Mordermittlung? Ein Liebesabenteuer? Oder 10 Stunden Reddit? Vielleicht, wenn sich schon keine Gründe finden für das Handeln und hier sein und alles, dann lässt sich vielleicht diese Realität anzweifeln? Irgendjemand muss mich verleumdet haben, denn auf meiner Uhr war es erst fünf vor zwölf!

Nein, Realitäten haben keine Zweck, kein Ziel und keinen Sinn. Texte müssen keine Inhalte haben. Buchstaben müssen keinen Sinn ergeben. An dieser Stelle stünde ein Buchstabensalat, welcher den vergangenen Punkt erläutern würde, und dieser Satz ist genau das, wenn sie ihn gerade nicht betrachten.

Vielleicht wünschen Sie sich das? Das etwas passiert? Dass Sie zur Handelnden Person ihrer Geschichte werden können. Nicht mehr nur in der Uni rumhängen, oder im Büro, oder auf Arbeit. Nein, Sie wollen auf Barrikaden. Sie wollen die „schlechten Menschen“ rumhängen sehen, vom nächsten Baum. Es soll sich endlich etwas ändern, für den kleinen Mann!

Wie mich das langweilt. Es ist keine echte Langeweile. Es ist auch kein echter Satz. Kein Gedanke. Sie lesen diese Worte in einer höheren Stimme, als es Ihre ist. Zumindest glauben Sie das. Ich spiele nur gelangweilt, und schreibe Satz um Satz.

Nun fragen Sie sich, ob dieser Text ein befriedigendes Ende hat. Hat er?

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