Was will ich eigentlich über die Sami schreiben?

Ich sitze an einer Hausarbeit über Norwegen und Sprachstreit und Sami. Es fällt mir schwer.

Sind die Sami ein Volk? Nein, denn sie haben keine gemeinsame Sprache und Kultur – dies erscheint nur durch außen vermittelt so. Die Akkalasamische Sprecher*innen (es sind noch exakt 2) auf der Kola-Halbinsel Russlands werden nicht von Sprecher*innen des norwegischen „Südsamisch“ (sørsamisk ist neben lulesamisk und nordsamisk einer von drei existierenden Samischen Sprachen in Norwegen.) verstanden. Hierbei von einem Volk zu sprechen, ist äußerst schwierig.

Bei den Sami geraten unsere Vorstellungen von Nation, Volk und Sprache an eine Grenze und offenbaren, wie komplex Menschliches Zusammenleben sein muss. Eine Betonung einer Facette zum Erhalt dieser Facetten ist notwendig, wenn die Facette als Erhaltenswert angesehen wird. Die Fragen, welche wir an die Wirklichkeiten der Sami stellen, sind aber Fragen, die durch unser Denken geprägt sind: Wie viele Sprecher*innen gibt es? Gibt es eine standartisierte Schriftsprache? Gibt es Bücher? Texte? Zeitungen? Gibt es eine Rechtschreibung?

Wir erfahren dabei mehr über unsere Denkstrukturen als über die, über die wir eigentlich etwas erfahren wollen. Oder anders: Ein Hammer sieht über all nur Nägel.

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Reden aber, zu verstecken den Redner

Universitäten sind alles andere als demokratisch organisiert. Sie sind streng hierarchisiert und eine Mehrheit der Universitätsangehörigen hat nicht unbedingt eine Stimme, die gehört wird. Viel mehr ist es so, dass an Universitäten das Ständesystem weiterhin existiert: Gewählt wird nicht demokratisch-grundsätzlich alle gleich, sondern nach sogenannten „Statusgruppen“. 13 Plätze im Senat der Uni Tübingen sind qua Amt an Professor*innen vergeben: An die Personen des Rektorats, die Gleichstellungsbeauftagte sowie an die sieben Dekane. Die restlichen 17 Plätze verteilen sich über Wahllisten nach Statusgruppen: 1600 Sonstige Mitarbeiter*innen, rund 4000 Akademische Mitarbeiter*innen und – damals – 26.000 Studierende erhalten jeweils vier Sitze, die weniger als 500 Professor*innen nochmals fünf. Somit entscheiden an der Universität Tübingen weniger als 500 Professor*innen über 5 der Plätze im Senat direkt, indirekt über Wahlen innerhalb der einzelnen Fakultäten und auf zentraler Ebene aber über weitere 13 Plätze (qua Amt).

Klarer ausgedrückt: Die Stimme einer Studentin, ebenso erwachsen und mündig wie jede*r andere* an der Universität, ist nicht einmal ein Fünfzigstel der Stimme einer Professor*in wert. Sechs Studierende müssen wählen, um die Stimme eines Akademischen Mitarbeiter aufzuwiegen.

Ältere Herren machen manchmal rassistische Witze über unterschiedliche, große Menschengruppen. Über Studierende könnte man ebenso fragen, warum man so viele davon braucht, und ebenso böse lachend, wie die älteren Herren, antworten, „Weil sie nichts taugen“.

Allerdings ist hier noch nicht eingerechnet, dass alle Gewählten mindestens 4 Jahre im Amt bleiben dürfen – außer die Studierenden. Diese werden nach einem Jahr ausgetauscht. Somit zählt die Stimme des von demokratischem Eifer beseelten Studenten noch einmal deutlich weniger. Somit sind es keine Sechs, sondern eigentlich 24 Studierende, welche sich zu einer Wahlurne schleppen müssen, und eine bewusste Entscheidung für Kandidat*innen treffen müssen, um die eine motivierte akademische Mitarbeiter*in auszugleichen. Wie es mit Professor*innen aussieht, möchte ich gar nicht erst ausrechnen.

Wundert sich irgendjemand, dass die Wahlbeteiligung unter den Studierenden so gering ist? Verstehen wir wirklich das unter einer demokratischen Hochschule? Hinzu kommt die systemische, nicht unbedingt beabsichtigte Benachteiligung der Studierendenvertreter*innen:

Geringere Einarbeitungszeiten; erschwerter Zugang zu Unterlagen; Mitwirkung in der akademischen Selbstverwaltung nicht als selbstverständlicher Teil, sondern als potenziell Studienzeitverlängerndes Freizeit’vergnügen‘.

Wie soll das einzelne Gremienmitglied sich durch den Wust an Informationen kämpfen? Wie soll jemand*e, welche in den Wirtschaftswissenschaften beheimatet ist, eine substanzielle Aussage über die Sinnhaftigkeit eines Antrags aus den Theologien entscheiden? Nur die Zusammenarbeit der Studierenden könnte hier überhaupt weiterhelfen, wenn sich Menschen untereinander solidarisch zeigten und die Stimmen der Betroffenen in die Gremien tragen würden, statt mit ihrer eigenen zu sprechen. Aber diese Zusammenarbeit schließen die Universitäten explizit aus, machen fast alle Sitzungen „nichtöffentlich“ und drohen der einen oder anderen Student*in gar mit ernsten Konsequenzen, wenn Informationen nach Außen drängen.

Hinzu kommt, dass meist nur das Rektorat und die Professor*innen überhaupt mehrere Gremien zeitlich besuchen können. In wie weit mit tatsächlich offenen Karten gespielt wird, oder ob nicht doch das eine oder andere mal bewusst Formulierungen gefunden sind, die eine Deutung nahelegen, welche bewusst die Wahrheit… dehnen, ist der Phantasie der Leser*in überlassen. Ich persönlich würde den ‚Führungspersonen‘ einer mehrere Millionen Euro schweren Einrichtung niemals unterstellen, dass sie die Wahrheit verdrehen würden, um an unterschiedlichen Stellen entsprechende Zustimmungen erhalten würden.

Achja, selbstverständlich werden die teilweise hunderten Seiten Unterlagen mit einer Frist von maximal einer Woche verschickt. Dies muss – neben Prüfungen, Klausuren und ab und zu auch Schlafen – ausreichen. Schließlich ist dies privates Vergnügen.

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Das Mittelalter ist nur so einseitig, wie wir es betrachten wollen.

Beef mit dem eigenen Studienfach anfangen. Kann ich.

Leserbriefentwurf vom 26. Februar 2016.
Wurde eingereicht, aber meines Wissens nach nicht veröffentlicht. Veröffentlicht am 8. März.

Großes Lob an die Germanistik-Studierenden für die Inszenierung des Nibelungenliedes. Gleich zwei Artikel in den letzten Tagen und auch andere Medien berichteten davon. Völlig zurecht. Dennoch wird dabei immer wieder etwas suggeriert, was so nicht haltbar ist:
Auch wenn das Nibelungenlied in seiner Mittelhochdeutschen ‚Fassung‘ einen großen Wert für die Forschung hat, darf nicht vergessen werden, dass diese Sprachstufe – das „Mittelhochdeutsche“ – nur eine von zahlreichen „deutschen“ ist, die sich noch dazu in hunderte von regionalen Dialekten und Soziolekten aufteilen.

Die Germanische Mediävistik ist in Tübingen mit drei Professor_innen besetzt, dazu ein gutes Dutzend Mitarbeiter_innen und Lehrbeauftragte.
Diese Betonung aber auf EINE Mediävistik macht andere unsichtbar: Wo ist eine entsprechend große Altanglistik? Wo das mittelalterliche Latein, in dem die meisten Texte verfasst wurden? Warum wird der Skandinavistik, die ebenso in den europäischen Kontext beispielsweise des Nibelungenliedes einführen kann – die tragische Handlung um Siegfried und Kriemhild beruht auf Sigurd und Gudrún in der Völsunga saga -, die Weiterexistenz so schwer gemacht?

Von einem „Mittelhochdeutschen Mittelalter“ auszugehen ist schlicht abwegig. Das Mittelalter ist bunter als es die einseitige Betonung des Nibelungenliedes glauben machen lässt. Das bedeutet nicht, dass es oder die germanische Mediävistik schlecht seien, im Gegenteil, es bedeutet nur: Es gibt noch viel mehr zu entdecken.

Politics whatsupwiththat?

Wenn die FAZ Mathias Albert zur geringen Wahlbeteiligung in Studierendenparlamenten befragt, dann hätte dieser eigentlich nicht antworten sollen. 2500 junge Menschen zwischen 12 bis 25jährige werden bei der Shell Jugendstudie, an der Mathias maßgeblich beteiligt ist, befragt. Selbst wenn wir von einem hohen Anteil an Studierenden ausgehen in dieser Gruppe, so verteilen sich diese doch – idealerweise – so weit auf das Bundesgebiet und die 108 Universitäten in Deutschland, dass es kaum als repräsentativ missverstanden werden sollte. Die Probe ist, um diese Fragen zu beantworten, zu klein.

Aber gut, wir spekulieren und verallgemeinern. Mache ich jetzt auch.

Warum das Interesse an Hochschulpolitischem – oder zumindest den StuPa- und StuRa-Wahlen so gering ist -, begründet der „Jugendforscher“ mit mangelnder Zeit, mangelndem Interesse, mangelnder Zugänglichkeit (Digitalisierung!!!). Dabei spricht er aber auch einen Punkt an, den ich für viel Zentraler halte. Die Mangelnde Wirkmächtigkeit der studentischen Selbstverwaltung.

Der Studierendenschaft nämlich – wie bspw. in Baden-Württemberg – zuzugestehen, sich selbst zu organisieren, sich selbst eine Satzung usw. zu geben, und dies dann aber so restriktiv zu gestalten (bzw. so restriktiv auslegbar zu machen), bedeutet die Herabstufung von mündigen Erwachsenen auf Schülermitverwaltung. Toll, dass ich mitgestalten darf, aber überall wo es um etwas geht überstimmt ihr mich eh – oder der*die Rektor*in umgeht die Gremien einfach.

So wird Mitbestimmung zur Farce und die wenigen Aktiven, die dieses Theater zähneknirschend mitspielen, um zumindest das bisschen Mitbestimmung – ein Bestimmungchen – nicht auch zu verlieren, arbeiten sich dumm und dämlich.

Letztlich ist die Universität eine Diktatur von Gnaden des Ministeriums und der externen Geldgeber (in deren Hintern nicht nur Speläolog*innen Höhlensucher sind). Freiheit der Bildung, Freiheit der Lehrenden und der Lernenden, mein … egal.

Was letztlich bleibt sind freundschaftliche Beziehungen und das Gefühl, ein paar kleine Dinge verbessert zu haben. Aber bei der Fülle an Windmühlen weiß man schlicht nicht, gegen welche zuerst gekämpft werden soll.

TüBurger: Burgermeister (Revisited)

Nach längsten Ankündigungen ist die Tübinger Institution im Burgerbraten – der Burgermeister in der Poststraße – endlich in größere Räumlichkeiten gezogen. Statt dem Geheimtipp am Ende von Fluren, dem Hackfleisch-Narnia zwischen Blauer Brücke und Bahnhof, ist nun Flachbildschirme mit Karte darauf, bequeme Sitze und elektrische Burger-Fertig-Benachichtiger-Dinger. Burgerbraten mit Hightech statt mit Herz? Das war zumindest nicht mein Eindruck, als ich heute mit meinem Bruder diesen rundum neuen Laden betrat. Er ist groß, geräumig, sauber – aber noch nicht ganz fertig. Während wir warteten verfugte ein Handwerker noch den Tresen.

Burgermeister (Eröffnungswoche)

Man bestellt, bezahlt und bekommt dann einen kleinen Pager, der leuchtet, wenn die Bestellung abgeholt werden kann. Bei uns hat das nicht ganz funktioniert – die Technik ist eben noch ganz neu -, daher brachte eine Mitarbeiterin unsere Burger an den Tisch. Insgesamt waren drei Leute in der Küche beschäftigt. Wir warteten keine 10 Minuten auf unser Essen. Top.

Geschmacklich war der Burger ok bis gut. Sicherlich ist da noch Luft nach oben – meinte zumindest mein Begleiter -, und man muss den Leuten in der Küche auch die Einarbeitungszeit gönnen. So dürfte leicht mehr Soße drauf sein, die Brötchen noch ein bisschen mehr gebräunt werden, das Pattie war schon leicht zu schwarz …. für mich sind das aber Kleinigkeiten. Der „Big Fat Mama“ war – mit köstlichen Zwiebelringen, für die allein ich nochmal wiederkommen werde -, ordentlich Fleisch und Salat, … so groß, dass ich ihn kaum in den Mund bekommen habe. 10 Euro und vier für Getränk und Pommes. Preis-Leistung sind also ok-ish, verglichen mit den alten Räumlichkeiten aber doch deutlich teurer.

So beginnt ein normaler Hamburger bei 5,60, das neue „Schülermenü“ mit Burger, Pommes und Getränk (0,33l) kostet 6,90. Ob das Menü so bleibt? Die Preise befanden sich in den drei Besuchen bisher – jeweils in anderer Zusammensetzung – doch in starkem Wandel. Finde ich aber noch absolut moderat – vor allem für die Größe der Burger. Mal schauen wie sich das entwickelt.

Burgermeister (Eröffnungswoche)

Inzwischen war ich wie gesagt mehrfach dort. Die Schnelligkeit des ersten Besuchs konnte nicht eingehalten werden, der Service und die Qualität stimmen aber meiner Meinung nach. Außer die Brötchen, was aber auch eine Kunst für sich ist.

Geben wir dem Laden noch ein paar Wochen, um sich weiter einzuarbeiten. Dann dürfte hier – und ja, das liegt auch an den unglaublichen Öffnungszeiten bis in die (Samstag)Nacht – eine der besten Tübinger Burgerläden sein.