Where everybody knows your name.

Die Gang aus How I met your Mother hat MacLaren’s Pub. Sophie Kaczynski aus 2 Broke Girls hat das Williamsburg Diner. Die Gang aus The Big Bang Theory hat die Cheesecake Factory. Die Untoten aus Dead like me – gute Serie, die ich im Moment sehe – sitzen morgens in Der Waffle Haus. Die Gilmore Girls haben Luke’s. Norm Peterson hat seinen Stammplatz im Cheers. Homer Simpsons Stammkneipe ist Moe’s. Der Family Guy Peter Griffin hat The Drunken Clam. Jerry Seinfeld und George Costanza treffen sich meistens in Monk’s Cafe. Die Friends treffen sich im Central Perk. Die Ärzte aus Grey’s Anatomy treffen sich in Joe’s Bar (auch: Emerald City Bar). Die Trickbetrüger aus Hustle haben Anteile an Eddie’s Bar. …

Kneipe

Irgendwie haben wir unser Zuhause verloren, weshalb wir uns in der Vorstellung verlieren, die Welt sei unser Heim. Serien wie die oben genannten zeichnen ein Bild, ein Wunschbild, eines Ortes an dem „everybody knows your name and they’re always glad you came“. Aber gibt es diesen Ort? Die Stammkneipe, das Stammcafé, das Stammdiner – so wie es in den Serien dargestellt wird -, ist Lebensmittelpunkt. Diese Orte sind so, wie wir uns als Kinder unser Zuhause vorgestellt haben. Nur halt mit Bier und Rechnung.

Sind solche Bilder realistisch? Ist, um das HIMYM-Beispiel vom Anfang aufzugreifen, nicht bereits die Vorstellung einer Bromance, einer Beziehung unter Männern, ja, ist nicht schon Freundschaft ein völlig unrealistischer Begriff geworden? Oder gibt es tatsächlich in deinen Leben Menschen, die du täglich oder unheimlich oft triffst und die nicht aus Einfachheitsgründen – also Kommilitonen, Kollegen, etc. – mit dir Zeit verbringen?

Eigentlich wünsche ich mir so einen Ort. Eine Kneipe, ein Café, in dem man mich kennt und in dem ich kenne. Einen Ort, der sich wie die Fortführung des Zuhauses mit Öffentlichkeit anfühlt. Im positiven Sinne. Im Moment bin ich mir aber nicht einmal sicher, ob ich ein Zuhause habe.

Meine Eltern, beide um die 50, haben übrigens das, was die Serienfiguren mir vorleben. Sie sitzen – wenn nicht zuviel Arbeit ist, was bedauerlicherweise gerade jetzt selten ist – fast jeden Abend in einem Eiscafé, zusammen mit anderen Leuten, die inzwischen wohl Freunde sind. Das geht soweit, dass sie dieses Café als „Zentrale“ bezeichnen – diesem Ort also einen Spitznamen verleihen – und mein Bruder und ich uns die Münder darüber zerrissen.

Aber, insgeheim (Bullshitformulierung!), wünsche ich mir das auch.

Neue Serien braucht das Land.

Der Dienstagabend ist tot. Ich interessiere mich nicht für Quoten, aber wenn ProSieben mit dem aktuellen Programm gute Quoten einfährt, dann kann ich mir das nicht erklären. Im Moment läuft Dienstags folgendes:

Die neuen Folgen Two and a half men mit Aston Kutcher sind… naja. Eine lange Reihe von Sexwitzen. Nicht so mein Fall. Darauf folgt eine Wiederholung einer alten Folge. Darauf folgt um 21:15 Two broke girls, eine halblustige Serie über zwei Kellnerinnen, die ein Cupcake-Geschäft eröffnen wollen. Wir hatten das hier schonmal.

Um 21:45 folgt dann Apartment 23, das ich mir heute früh bis hin zur neusten US-Folge ansah. Das einzige, dem ich eine Empfehlung geben kann. Angenehm kurze Folgen – gute 20 Minuten -, keine allzu anspruchsvolle Story, viel Zynismus, Figuren die unrealistisch überzogen sind und teilweise klassischen Sitcom-Klischees entsprechen. Mit einer Ausnahme: James van der Beek. Ich liebe es ja, wenn Schauspieler sich selbst spielen (weshalb ich mich auch ein klein bisschen auf This Is the End freue) und Serien, die es schaffen, dass auftretende Prominenz nicht deplatziert wirkt, gibt es sowieso viel zu wenig. Apartment 23 schafft dies. Und es gelingt noch mehr: In dem wir dabei sind, wie sich die beiden Hauptdarstellerinnen kennen lernen haben auch wir die Möglichkeit, diese Figuren kennen- und mögenzulernen.

Bis hier in ist eine klare Linie erkennbar. ProSieben versammelte alle Zahlen-Sitcoms (Two and a half, Two, 23) an ihrem Dienstagabend. Alle eher so halb lustig, aber durchaus ansehbar und sicherlich besser als die 16 (!) Ausstrahlungen von How I Met Your Mother, die ProSieben heute zwischen 12:35 und 02:00 Uhr ins Programm quetschte. Der Combozerstörer am Dienstagabend heißt jedenfalls Are You There, Chelsea? mit Laura Prepon (Donna aus That 70’s Show) und geht, soweit ich die Pilotfolge ertragen habe, um Trunkenheit. Man hat das Gefühl, man wöllte mit aller Gewalt Zwölfdutzend Running-Gags etablieren, die sicherheitshalber noch 10 mal in der Episode wiederholt werden, falls man gerade auf der Toilette war, als die Lachschleife lief. Auch sind die Witze – Alkohol, Kleinwüchsige, Alkohol, Sex, Alkohol – zu sehr vorausschaubar. Ich werde auch mit den Figuren nicht warm, habe überhaupt keine Lust sie kennenzulernen oder mir ihre Namen zu merken.

Vielleicht tue ich Chelsea auch Unrecht. Vielleicht sollte man nichts nach seinem Piloten beurteilen. (Der unausgestrahlte Pilot von The Big Bang Theory war auch großer Mist, aber, dann wieder: Die Serie ist auch alles andere als gut.)

Was ich suche – und wonach gerade alle TV-Verantwortlichen suchen – ist eine frische, lustige Sitcom, die ich mir ansehen kann und in die ich mich nicht erst – keine Sitcom, aber gutes Beispiel – wie bei Doctor Who durch 60 Jahre schuften muss, um die Serie wirklich wertschätzen zu können. Also los, empfehlt mir was für meinen Watched.li-Account.

Der Vollständigkeit halber:
NBC bestätigt eine Comeback-Season von Friends. Offenbar ist das Fernsehen so kurz vor dem Exodus, dass man die alten Glanzlichter nochmal auspacken muss.

2 Broke Girls und der Untergang des Abendfernsehland.

So, order something else from the menu, shove it in your pie hole, and get on with your damn life!

Die CBS-Komödie „2 Broke Girls“, die aktuell auf ProSieben zu sehen ist (auch online) und von der in den USA kommende Woche die zweite Staffel beginnt ließ mich nach einer Nacht mit der kompletten ersten Staffel mit gemischten Gefühlen zurück.

Kurz zum Aufbau: Max ist Kellnerin in einem Diner, arbeitet als Babysitterin in Manhatten für eine völlig überzeichnete reiche Mutter und backt nachts Cupcakes. Caroline, ein Kind aus sehr reichem Hause, fängt in ebendiesem Diner mit Max an zu kellnern, da ihr Vermögen wegen krummer Geschäfte ihres Vaters eingefroren wurde. Das ganze artet in die üblichen Serienklischees aus und schließlich werden beide Freundinnen (oder zumindest Schicksalsgenossinnen), die zusammen ein Cupcake-Geschäft eröffnen wollen. Die Zahl am Ende einer jeden Folge gibt an, wie viel sie schon von den 250.000 US-Dollar, die sie für diesen Traum benötigen würden, angespart haben. Titelmelodie ist Second Chance von Peter Bjorn and John.

Wie bei meinem Lieblings-TV-Blogger Blamayer ab hier „volle Spoiler für die 1. Staffel.“
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