Raufaserdeckentapete, 2m, hellweiß

Langeweile saß in einem der kartoffelgrünen, unbequemen Uni-Stühle, futterte Mensa-„Essen“ in sich hinein und plauderte, laut schmatzend – denn das war ihr Stil – mit einem Kommilitonen. „Die Leute wollen nicht alleine sein“, sagte sie – schmatz-schmatz – „dabei ist man nie allein.“ Ihr Gegenüber, ein dürrer doch hochgewachsener junger Mann, vielleicht Erstsemester, vielleicht schon seit Jahren hier, jedenfalls konnten seine Augenringe entweder von zu-ernst-nehmen oder endlich-ernst-genug-nehmen des Studiums stammen, nickte. „Bakterien, WhatsApp und so“ sagte er gebeugt über einen beinahe leeren Teller Spülwasser, der eigentlich „Suppe“ sein sollte. „Du verstehst nicht.“ Langeweile blickte ihm direkt in die Augen. Nun flüsterte sie. „Wir. Sind. Nie. Allein.“ Sie blickte sich – verschwörerisch, wie als wöllte sie, da die dortigen Speisen ja nicht zum Essen geeignet waren, eine Bombe daraus bauen – um. „Wir sind ni-?“ „Schhhht!“ unterbrach sie ihn. „Du musst mir jetzt sehr genau zuhören.“ flüsterte sie weiter. Ihr schlaksiger Kommilitone beugte sich vor um besser zu hören. Langeweile näherte sich seinem Ohr mit ihren Lippen, als wöllte sie ihm die Weltformel erklären, ganz ihm Geheimen des großen Speisesaals. Ihre Lippen ruhten nun kurz vor seiner Ohrmuschel, und sie setzte an etwas zu sagen – und küsste seinen Tragus. Ohne ein Wort des Abschieds verschwand sie.
Ihr Kommilitone saß da und war irritiert. Niemand hatte es gesehen, und doch war es passiert. Langeweile war kein Mädchen, dem man betrunken Kurznachrichten schicken konnte. Sie war ein Mädchen, die man nicht so einfach erreichte.

Beliebtsein hatte das gewusst. Sie redete immer Unsinn, wenn sie verknallt war – und Langeweile war stets verliebt -, und er spürte, tief drin, dass es dieses mal klappen könnte. Dass dieser junge Mensch, von dem sie ihm mit keinem Wort erzählte und doch alles sagte, vielleicht passen könnte. Mitten in einem Satz – sie erzählte gerade, wie sie plane mit Lebensmittelfarbe und einer grünen Laterne die Salatbar des Nachbarortes unsicher zu machen – legte er einfach auf. Es war alles gesagt. Sie war glücklich, und wenn sie es war, so war er es auch.

Vermutlich hatte sie vor lauter Freude gar nicht mitbekommen, dass er aufgelegt hatte. Und wenn doch, so redete sie einfach trotzdem weiter. Das war halt ihr Stil.

Der Kommilitone, noch im ersten Semester seiner Bekanntschaft mit Langeweile, lag in seinem Zimmer und betrachtete die Decke.

Sich als überheblich darstellende Unterheblichkeit (Teil 4)

Ich bin nicht stolz darauf, was ich mache oder auf welchem Weg ich mich befinde. 2006 hatte ich die Chance gehabt, aus einem Teufelkreis auszutreten. Dann 2008 nocheinmal, dann 2011, und nun stecke ich hier erstmal fest. Ich hätte eine Ausbildung beginnen sollen. Ich wollte eine Ausbildung beginnen. Ich wollte die Wahl haben, aber ich hasste es mich zu entscheiden (frei nach Billy Lunn). Mit meinem Hauptschulabschluss in der Tasche hätte ich meinen Weg machen können, aber ich schob die Entscheidung auf und legte einen Bildungsabschluss nach. Und noch einen, und noch einen. Und nun studiere ich – ausweglos, alternativlos – ein Fach, dass ich ebenso liebe und für völlig (kommerziell) sinnlos halte. Sollte ich jemals einen Job finden, liegt dies an Glück Mitleid und nicht an meiner Leistung.

Viele meiner Freunde aus alten Zeiten haben sinnvolles mit ihrem Leben gemacht. Einen „ehrbaren Beruf“ ergriffen. Etwas mit Händen, bei dem man sieht, wie es fertig wird. Auf der Baustelle eines Kumpels, auf der ich ab und an aushelfe, traf ich einen meiner alten Klassenkameraden. Er verlegte Fließen und ich war mir nicht sicher, ob er es wirklich ist. Also sagte ich erstmal nichts. Er erkannte mich und sagte meinen Namen. Und ich sagte seinen. Wir haben dann nichts geplaudert, weil wir das schon damals in Schulzeiten nie taten und das übliche „Was machst du jetzt?“ sich, wie er hier saß und Platten legte, ja erübrigt hatte. Ich sagte nur, dass ich das für einen ehrbaren Beruf halte, und wie man mir mitteilt (schreckliche Formulierung!), war das wohl als überheblich zu verstehen, dabei meinte ich es mit all dem Neid, den ich für ihn empfinde.

Er macht etwas, auf den Platten die er verlegt kann man gehen. Er wird fertig und er verdient – vermutlich – seit 9 Jahren schon Geld mit dieser Arbeit. Sein Geld. Ich finde das cool und ich bin verdammt neidisch. Alles, was ich kann – und so fühlt sich jeder Tag an – ist nur scheitern. Scheitern an fremden Ansprüchen und eigenen. Papierkrieg, hin und her. Ein kafkaesker Moloch. Friss mich. Einfach scheitern an immer neuen Sachen. An immer den gleichen Sachen. Jeden verdammten Tag hören und merken, wie ich immer kleiner und unbedeutender werde, wie ich Kosten verursache und ich immer weniger verstehe. Ich habe noch nichts in meinem Leben erreicht und – wenn wir das hochrechnen – werde ich auch nie etwas erreichen. Deshalb bin ich neidisch. Darauf, dass er etwas kann und etwas schafft. Seine Hände schöpfen. Meine halten sich an billigem Alkohol fest. Er hat Freundschaften, Beziehungen, Arbeit, Zukunft. Ich habe Angst vor dem Aufstehen – und ich wünschte, das wäre übertrieben.

Vielleicht bin ich deshalb gerne auf der Baustelle. Zumindest bekomme ich den Eindruck, dass mein Dasein damit nicht völlig sinnlos ist. Aber ich kann so viele Holzplatten festschrauben wie ich möchte, die Wahrheit ist: Meine Existenz bleibt sinnlos, mein Dasein ohne Bedeutung, ich werde sterben – zu bald um etwas zu verändern, zu spät um das Leiden zu verkürzen – und nichts wird von mir bleiben. Denn nichts was ich jemals getan habe war gut genug.
Ich war kein guter Freund, kein guter Klassenkamerad, kein aktiver Denker, kein guter Leser, kein lesenswerter Blogger, kein auch nur mittelmäßiger Student, ich konnte kein Handwerk und war zu nichts nütze. Ich war, bin und werde nichts. Und die besten Zeiten sind vorbei.

Und ja, ich bin das Arschloch in dieser Geschichte (und in jeder anderen auch) und das ist (zumindest in diesem Fall) nicht Absicht gewesen.

Und doch ändert es nichts. Schweige ich, wirkt meine Unterheblichkeit weiter überheblich. Entschuldige ich mich für mein Handeln oder fange anderweitig ein Gespräch an, so wirke ich nur herablassend. Bitte ich einen Freund zu vermitteln, so scheint es nur, als würde ich „Boten“ losschicken. Jede Geste, jedes ernst gemeinte Wort, verschwimmt doch zur wahrgenommenen Gehässigkeit. Und daran bin ich schuld. Dem bin ich mir bewusst. Denn ich setzte diesen Filter, diese Erwartung, diese Deutungshypothese meines Handelns in den Kopf eines alten Kameradens. Die Chance eines guten Eindrucks habe ich vertan. Nicht mit Absicht oder bösem Willen – aber das ändert nichts.

Ich kann eben nichts richtig machen. Was ich auch tue, jede Schlacht ist bereits verloren, mein Bauer – denn mehr zu setzen hatte ich in diesem Schachspiel nicht getraut – ist längst matt gesetzt. Und niemand gibt mir den Gnadenstoß. Nicht einmal ich selbst.


„Ich finde du wirkst da ziemlich überheblich.“ schnaufte Langeweile triumphierend ins Telefon. „Ich kann da ja nicht gewinnen.“ entgegnete Beliebtsein, seufzend. „Stilisiert du dich damit nicht zum Opfer? Das finde ich ziemlich scheiße von dir.“ „Schon, aber ich bin halt in jeder Geschichte der Arsch. Also als Täter, meine ich jetzt.“ versuchte er sich zu erklären, wohlwissend, dass es nichts nützt. Langeweile kicherte leicht. „Ich schreib‘ jetzt sofort einen Krimi, bei dem der Täter ein großer Hintern ist.“ Sie legte auf, weiter kichernd, wie immer ohne Verabschiedung. Beliebtsein hielt den Hörer noch ein bisschen fest, denn wenn der einzige Mensch in seiner Welt aufgelegt hatte fühlte er sich immer etwas leer und sehr ziellos, so als gäbe es nichts anderes in der Welt zu tun, als auf das nächste Klingeln zu warten. Aber das, nun, das konnte er selbst ihr nicht erzählen.

„Du warst da auch?“

Ich durfte kürzlich in unserer WG-Küche einem Schauspiel beiwohnen, welches so und ähnlich jeder schon sehen durfte. Davon gibt es zwei Varianten. Die eine lautet: Ich war in einem Bohrloch am Südpol und freundete mich mit den Erdkern-Pinguinen an, als mir plötzlich mein Nachbar aus Schulzeiten auf die Schulter klopfte. Was für ein Zufall! Die andere lautet: Ich treffe einen Menschen in einer Bochumer Kellerkneipe, rede mit ihr und stelle fest: Wir waren beide auf dieser Feier von Pablo in Argentinien vor fünfunddreißig Jahren. Was für ein Zufall!

In beiden Fällen fallen wir uns in die Arme – und die Pinguine schauen irritiert zu – und rufen „Ach, die Welt ist ein Dorf.“ Aber das trifft es einfach nicht. Wäre dem so, so müsste ein Jeder doch die Welt kennen. Dann müsste Rassismus, müsste Abgrenzung, müsste Fremdenfeindlichkeit ein völlig abwegiger Gedanke sein, wenn doch die Welt so klein und hosentaschentauglich wäre, dass wir darin nicht nur unsere, sondern auf die Schlüssel des Nachbarn finden.

Die Welt ist kein Dorf, die Welt ist eine Filterbubble. Du triffst eben immer nur die gleichen Leute, weil du dich nur mit den gleichen Leuten verstehst und ihr euch eben auf eure Schnittpunkte konzentriert. „Filterbubble“ klingt vielleicht für dich so nach Auswahl von Medieninhalten und nach „Ich will das hören, das aber nicht“. So nach Twitter-Folgen und Facebook-Seiten. Aber Filterbubble gibt es auch in der Offlinewelt. Wir freunden uns mit Menschen an, reden mit Menschen, mit denen wir gut klar kommen und die Chance, dass diese ähnliche Interessen haben („Du magst Island? Ich mag auch Island!“) ist nicht gerade gering. Dass Leute, die reisen und aus einer ähnlichen Filterbubble stammen, auch im gleichen Ort landen, ist auch nicht gerade überraschend.

Das ganze funktioniert, weil Reisen und Wegsein heute eine Alltäglichkeit sondergleichen ist. Ich finde es irgendwie komisch, wenn jemand, der noch nicht einmal 30 ist, mir erzählt, er sei nun zum ersten Mal in Amerika gewesen, als wäre es eine Unmöglichkeit, dort nicht zumindest 3 Jahre lang in einer Tanzschule auf Kuba Samba für körperbenachteiligte Kleinkinder unterrichtet zu haben. Ich verstehe das nicht. Reisen ist für mich noch immer etwas besonderes. Selbst die Fahrt in eine Nachbarstadt überlege ich mir gut. Ich bin da wohl einer der letzten Udo Jürgens unserer Zeit („Ich war noch niemals…“) und dies geschrieben finden sich in den Kommentaren sicherlich Dutzende, die ebenso keine Weltreisenden sind und waren. Weil die Welt eben eine Filterbubble ist.

Das ironische ist ja: Weil sie sich unterscheiden wollen, machen alle irgendwie das gleiche. („FSJ in Australien? War ich auch.“) Immer sind es ferne Orte an denen die anderen sind und waren. Und für mich? Für mich war Schweden der Anfang der Welt und Berlin eine unendliche Entfernung (und das ist es immer noch).
Das mag sein, weil ich leicht älter und aus einer leicht anderen sozialen Schicht komme als die Mehrheit meiner Kommilitonen. Eben ein Udo-Jürgen.

Jedenfalls saßen in unserer WG-Küche zwei junge Menschen und sie bemerkten im Gespräch, dass sie wie zufällig im gleichen Zimmer in der gleichen Stadt in einem ebenso kulturell wie geografisch fernen Land schliefen. Sie beschrieben sich gegenseitig ihre Erinnerungen daran und die kleinen Detail, die man nur kennt, wenn man dort war. Es war eine gute Aufführung des immer gleichen Schauspiels und es wirkte, als wären sie danach besser befreundet gewesen als zuvor.

Manchmal frage ich mich, ob dieses „Die Welt ist eine Filterbubble“ auch auf tatsächlich Fernreisende zutrifft. Ob, beispielsweise, Chris Hadfield bei irgendwelchen Partys am Buffet lehnt und an seinem Sekt nippend sein Gegenüber anlacht: „Du warst also auch auf der ISS? Was für ein Zufall!“ „Nun, das Weltall ist eben ein Dorf.“ sagt dann sein Gegenüber.


„Kürzlich?“ fragt Langeweile irritiert. „Ich dachte du wärst da vor gut einem Monat ausgezogen?“ „Naja, ‚kürzlich‘ musst du eher in so einem kosmischen Rahmen sehen. So, wie wir uns ja erst kürzlich kennengelernt haben.“ Langeweile dachte nach. Wann hatten sie sich eigentlich kennengelernt? Dem Nachdenken entrinnend entgegnete sie schnell „Als ob wir uns schon kennengelernt hätten.“ Beliebtsein schwieg, doch dann überrollte ihn eine Lawine von Endorphinen. „Dann machen wir das doch jetzt.“

Prosa / Skål! (172)

Beliebtsein war nervös. So lange hatten die beiden nicht mehr gesprochen. Ihr war alles so neu gewesen und er fand keine Worte mehr und dachte, es sei vorbei. Doch dann nahm er den Mut zusammen und wählte ihre Nummer. „Hallo“ kreuselte seine Stimme sich aus dem Telefonhörer in Julia Langeweiles rechtes Ohr. Gerade eben hatte dieses noch einen Kopfhörer beherbergt. Sie hatte irgendwas von den Smiths gehört, sich unheimlich einsam gefühlt – so wie damals mit 16 -, und dabei an Beliebtsein und seine viel zu kleinen Ohren gedacht. Wie lustig er damit aussah. Was er wohl tat, was aus ihm geworden war. Sie waren einmal beste Freunde gewesen, aber es gab auch nie einen Grund anzunehmen, das seien sie nun nicht mehr. Viel mehr fühlte sie sich wie eine Katze, und mit ihrer Pfote am Hörer kicherte sie einen mauzenden Ton hinaus. „Aber, wir begrüßen uns doch nicht!“ Stimmt, das hatte er vergessen. Ihre Unterhaltung war ewig. Ohne Anfang und ohne Ende. Sie legten einfach auf, wenn die Dinge gesagt waren und riefen zurück, wenn noch ein Wort fehlte. Beliebtsein hatte dies geliebt und Langeweile? – Nun, es war ja ihre Idee. Sie verabschiedete sich ohnehin nicht. Sie rief nur unzusammenhängende Worte, die die Leute meist als Abschiedsfloskel missverstanden. „Auf Winterseen!“ und „Wirsing“, wobei ihr diese Worte inzwischen auch in Hipsterkreisen nachgemacht wurden. Jedenfalls lachten sie nun beide. Kurz darauf legten sie auf – wie immer ohne Verabschiedung. Es war alles gesagt. Sie waren Freunde. Ohne Anfang und ohne Ende. Und Beliebtsein liebte das, und Langeweile? – Nun, es war ja ihre Idee.

Nichts. Aber ausbaufähig…

Talente sind mehr als ungerecht verteilt.

Während Leute wie Luke Skywalker, Dave Grohl oder Grit Meyer (oder die Leute in dem Video) scheinbar alles können, verzweifeln Leute wie ich schon an kleinsten Aufgaben (z.B. Blogeinträge schreiben). Die Welt ist einfach ziemlich unfair.

MOSS Brigade Day 2 · A posers day from Juan Rayos on Vimeo.

Weder kann ich Skateboard fahren, noch schreiben oder eine Blogplattform am Leben erhalten. Auch Steine durch die Macht zu bewegen fällt mir unheimlich schwer. Ich schaffe es wahrscheinlich nicht einmal, 10 Leute dazu zu animieren, hierunter einen Kommentar zu setzen (jaja, ich weiß. Kommentargebettele). Unfair.

Es ist auch irgendwo fies, dass wir Menschen – Freunde? -, die wir uns scheinbar so gut verstehen, so weit weg leben. In Zeit und Raum. Zu gerne hätte ich die grad genannte Grit 17-jährig kennengelernt – um mich dann ein bisschen ziemlich in sie zu verknallen -, mit ihr auf einer Mauer irgendwo zu sitzen, ein Bierchen zu trinken und zu erleben, wie es ist, Erwachsen zu werden. (… ist ne Anspielung auf das)

Die guten Leute kommen scheinbar immer aus den anderen Städten. Frau G. z.B. aus Wattenscheid, andere kommen aus Berlin, Hamburg, Konstanz… und all die anderen coolen Kinder, mit denen ich nie die Gelgenheit hatte, Zeit zu verbringen. Wir wären alle anders, wenn wir Musiker, Rollbrettfahrer oder CSS-Nerds geworden wären.

Statt dessen versauere ich als Normalo-Langweiler… Ach, das stimmt auch nicht. Mein Leben ist eigentlich ziemlich cool. Nicht, weil ich irgendwas könnte. Tatsächlich bin ich ziemlich talentresitent – und auch Lebenserfahrung kann mir scheinbar nichts an. Aber die Menschen, die mich umgeben, sind alle ziemlich toll. Und, auch wenn der ein oder andere tolle Mensch auf dem Weg verloren geht – trauere ich keiner Sekunde nach. Ich habe vielleicht nichts gelernt und noch weniger erreicht: Aber es war ein großartiges Leben. Mehr noch: Es ist ein großartiges Leben. Und es wird immer besser.

Und trotzdem bin ich ein bisschen neidisch auf die Luke Skywalkers und Grit Meyers und Katjas und Skateboard-Künstler und Blogkommentatoren. Was diese Leute machen – was Sie machen – kann ich nicht. Ich kann anderes Zeugs. Und irgendwann kann ich noch mehr anderes Zeugs. Vielleicht nie Gitarre spielen, vielleicht kein Skateboardfahren oder Videos drehen… aber ziemlich awesome finde ich mich dennoch.

Nicht.

„Gibts doch zu, Beliebtsein, du wolltest in diesem Eintrag nur das Video einbinden…“ Langweile erkannte seine Motive viel zu schnell. Zu gut kannten sich die beiden Freude. „Ja, natürlich. Wenn du das sagst“, quäkte er zurück ins Telefon: „stimmt es wohl.“ „Und eigentlich findest du nur die Musik gut. Und das ganze Gepose, dass du dich selbst auch ohne irgendein Können gut findest… ist doch auch nur…“ Langweile suchte nach einem Wort, das nicht verletzend klingen konnte. „Jedenfalls“ unterbrach sie Beliebtsein „kann noch ganz viel aus mir werden. Auch ohne, dass ich…“ „… wirklich existiere.“ vollendete Langweile den Satz: „Ja, unsere Nicht-Existenz macht uns noch ganz groß.“ Die beiden legten – wie immer ohne ein Wort des Abschieds – auf und dachten noch einige Sekunden daran, was wäre, wenn sie tatsächlich nur eine kleine Randnotiz in einem unterdurchschnittlichen Blog wären, wenn sie wirklich nicht mehr seien als purer Blindtext.