Am Monatsende lässt die Konzentration nach.

20 euro schiff

Wie oft denkst du eigentlich am Tag an Geld? Wie oft schaust du traurig in deinen Geldbeutel? Wie oft klickst du dich in dein Girokonto? Sind wir nicht umgeben von Preisschildern? Eingekesselt von Angeboten? Wenn ich vergleiche, wie präsent das Geldthema ist, und wie egal dagegen der Kampf gegen *Ismen, gute Musik oder – ja, manchmal auch – manche Studieninhalte sind, wird es mir ganz flau im Magen.

Die Fünf Minuten vor der Tagesschau gehören der „Börse vor Acht“. Jeder von uns finanziert dies Sendung mit … ja, ich muss es nicht mal mehr ausschreiben. Die „Demokratieabgabe“ geht – auch – für Börsennachrichten drauf. Dabei haben lediglich 3,4 Millionen Bundesbürger überhaupt Aktien (Stand 2010).

Alles hängt irgendwie zusammen. Der Mensch ist ein Assoziationstier. Was gesagt wird, was wir hören, riechen, denken, beeinflusst unsere Wahrnehmung und unser Verhalten, wie fefe nebenan schreibt. Unter anderem erzählt er von einer Studie, die testete, wie Menschen unter dem Eindruck bestimmter Wörter ihr Verhalten ändern. „Wenn man Probanden mit der Idee von Geld konfrontiert, auch wenn das nur am Rande geschieht, dann werden sie selbständiger, weniger hilfsbereit und halten unbequeme Tätigkeiten länger aus.“

Das Worte „triggern“, uns also beeinflussen können, selbst wenn sie nur beiläufig fallen, wissen feministische Blogs schon länger und warnen deshalb vor bestimmten Inhalten. Um nicht mit der Triggerwarnung schon zu triggern, werden Worte verschlüsselt oder mit Sternchen zensiert.

Was ich mich frage, ist, ob unsere Gesellschaft, wie sie jetzt ist – mit Geldnachrichten, sexistischer Werbung und Gedankengut nicht eine noch schlimmere Gesellschaft „herbeitriggert“, uns durch unseren natürlichen Assoziationsdrang zu Arschlöchern und Menschenfeinden macht. Und jeder, der diesen Umstand anprangert und sich dagegen zu wehren versucht, der triggert doch nur noch mehr dieses Denken.

Man könnte meinen, das sei alles nicht so schlimm. Aber die Themen sind seit Jahrzehnten gleich. Wenn bei der Mädchenmannschaft ein Brief Kurt Cobains veröffentlicht wird, der ziemlich viel dessen kritisiert, was mich und vielleicht auch dich heute auch noch ankotzt, dann ist das kein Zeichen für Cobains Weitsichtigkeit, sondern eher dafür, wie wenig wir wirklich voran gekommen sind seit damals. (Und Network von 1974 muss auch nicht mehr erwähnt werden.)

Die Mittel wären dabei heute wie damals gegeben. Cobain schrieb: „Wir können in der Maske des Feindes die Mechanismen des Systems infiltrieren, um es von innen heraus zu zersetzen. Das Imperium sabotieren, indem wir so tun, als spielten wir ihr Spiel mit. Gerade genug Kompromisse machen, um sie bloßzustellen.“

Doch: Was sind genug Kompromisse? Dass wir Masken tragen, an deren Verkauf Time Warner verdient? Das wir Musik hören, die uns aufruft, unseren Job zu kündigen und eine Revolution zu starten, unterbrochen von Spotify-Werbung? Ich will eine bessere Welt. Ich will eine gerechtere Welt für alle. Ich will, dass uns Finanzthemen nicht mehr daran hindern, Menschen zu sein. Ach…

Die Welt wäre ein besserer Ort wenn die Fünf Minuten vor der Tagesschau mit Katzencontent gefüllt werden würden.

Milchmädchen-Time (I)

Schon letzte Woche war ich so pleite, dass ich mir nichtmal einen Wecken kaufen konnte. Yeah, yeah, yeah. Dann wurde auch mein Girokonto geleert (ich hab versucht ein bisschen was anzusparen, um nicht so arg ins Minus zu rutschen, wenn demnächst Fernsehbeitrag gezahlt werden muss) und weil ich mich gerade so schön arm fühle und aus nicht genannten Gründen mich über eine Banken-Internetseite hier aus der Region aufregte, deshalb gibts hier jetzt meine allerliebste neue Kategorie: Milchmädchenrechnung! *karate-move* YEAH!

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Annahme:
Wenn man die Bilanzsumme (bzw. wenn vorhanden die Kundeneinlagen) einer Bank teilt durch die Zahl deren Kunden erhält man, wieviel durchschnittlich die Leute auf ihren Konten herumliegen haben.

  • Volksbank Tübingen / Rottenburg-Herrenberg; Ethikbank, Umweltbank; etc. bieten keine Kundenzahlen oder verstecken diese so gut, dass ich keine Lust habe, danach zu suchen.
  • Deutsche Bank Private Wealth Management: 150 Mrd. Euro verteilt auf 90.000 „vermögende Privatkunden“ sind im Schnitt: 150 000 Euro. (wikipedia)
  • Commerzbank: 661,8 Mrd. Bilanzsumme und 16 Mio. Kunden: 41 362,5 Euro.
  • Kreissparkasse Tübingen: 3 286 Mio. Kundeneinlagen und 142 485 Kunden: 23 062 Euro
  • Comdirect: 46,91 Mrd. bei 2 713 887 Kunden: 17 285 Euro
  • GLS Bank: 1.969 Mio. bei gerademal 116 500 Kunden: 16 906 Euro
Parole

Mit anderen Worten: Ich ziehe offenbar das Ergebnis meiner Hausbank derart runter, dass sie in diesem – naiven – Vergleich am schlechtesten weg kommt. Oder anders formuliert: Steinbrück reicht als Kanzlergehalt (2013 werden das 17.016 pro Monat sein) nicht, was durchschnittlich pro Kunde bei meiner Hausbank rumliegt. Nochmal: Es reicht als Gehalt für den Bundeskanzler nicht, wenn man pro Monat soviel verdient, wie sich Menschen bei meiner Hausbank vom Brot abgespart haben.

Andererseits: Klaut man jedes Jahr 0,01% des Geldes, was die Deutsche Bank für ihre „Private Wealth“-Leute* verwaltet, dann könnte man Steinbrück – würde er Kanzler werden – das Gehalt verdoppeln! 34.032 Euro! Und dann wären immer noch… 2,35 Euro für ein Weihnachtsgeld für alle ALG2- und Sozialhilebezieher drin. (*Mir ist bewusst, dass das „internationale Kunden“ sind.)

Das klingt jetzt total wenig, aber wenn ich zum Marktkauf hier um die Ecke laufe und dort Gut&Günstig-Reis für 89 Cent pro Kilo als Weihnachtsessen kaufe, dann sind das insgesamt auch 16.395 t 74 kg. Also (gewichtsmäßig) soviel wie 419.311 Billy-Regale von IKEA. Das sind … über den Daumen 117 Tausend Badewannen (Normbadewanne mit 140l unter der wirren Annahme, dass 1l Wasser 1kg entspricht). Die 1.013.352 Einwohner des Saarlandes müssten sich also entweder immer zu zweit ein Billy-Regal herumtragen oder jeweils zehn dürften sich ein Bad teilen. (Viel Spaß dann).

Jedenfalls: Die verbleibenden 17 Cent vom Einkauf müsste man halt irgendwie… also… joah. Verlieren würde ich die, vermutlich. Auch offen bleibt die Frage, wie man alle Menschen des Saarlandes dazu bewegen kann, jeweils zu zweit das Billy-Regal-schwere Päckchen Reis abzuholen und entsprechend an alle zu Weihnachten zu verteilen. Und natürlich, wie wir das mit der Deutschen Bank machen. Und Peer Steinbrück.

Obs trotzdem Weihnachtsreis für alle gibt, wenn Merkel Kanzlerin bleibt? Und hat der Marktkauf hier um die Ecke überhaupt soviel G&G-Reis vorrätig? Oder sollte ich das vorbestellen?

snuva

Es nervt einfach krank zu sein.

Am liebsten würde ich mich in eine Decke einhüllen und einfach abwarten, bis es vorbei ist. Aber eine Mischung aus Angst, Wissen um die Fehlzeiten und Erfahrung treibt mich dann doch in die Seminarräume. An der Universität Tübingen gibt es schließlich eine Fehlzeitenregel (grässliche Verschulung) mit drei Ausnahmen. Man darf in jeder Veranstaltung 2 mal fehlen. Aber: 1. Nicht in der ersten Sitzung, 2. Nicht, wenn Leistung geprüft wird (Vortrag, Prüfung, etc.) und 3. Es ist den Leitern der Veranstaltung freigestellt, auf die Anwesenheitskontrolle zu verzichten oder diese anders zu handhaben.

Nun kann ich einerseits nicht in der ersten Veranstaltung fehlen und andererseits will ich nicht schon so früh meine Fehlzeiten aufbrauchen. Also schleppe ich mich dahin, wo ich hin muss: ein Seminar, ein Tutorium. Die beiden Vorlesungen am Vormittag lasse ich sein. Mit meinem Schnupfen-Kopf kann ich mich so oder so nicht konzentrieren.

Interessant finde ich, dass offenbar jede erste Veranstaltung gleich abläuft. Erstmal wird man nett begrüßt, die Dozenten rattern ihren Stoffplan herunter, den es dann auch in nicht ausreichender Anzahl als Kopien gibt. Dann heißt es, man bräuchte unbedingt dieses oder jenes Buch und man solle sich das doch (Wintersemester) zu Weihnachten wünschen oder (Sommersemester) zum Geburtstag schenken lassen. Aber, das sei wirklich unerlässlich und auch wenn man irgendwie darauf verzichten könnte, dieses wichtige Lehrbuch direkt zu verwenden, so seien doch als Arbeitsgrundlage folgende 25 für sich sehr günstigen Bücher superwichtig und möglichst schnell zu beschaffen. Außerdem gibt es einen Reader und und und.

In meinem Schnupfen-Kopf kam dementsprechend nur eine Botschaft an: Auch nächsten Monat wirst du dir weder Fleisch noch Gemüse leisten können.

Nebenbei erwähnt: In meinem – wie ich heute feststellte – viel zu optimistischen Kostenplan habe ich weder Medikamente noch die Menge an Lehrbücher eingeplant, die nun auf mich zukommt. Ach, und, einen Drucker habe ich auch noch keinen. Vielleicht kann mich mich dazu aufraffen, morgen mal den Gang nach Canossa anzutreten und meine Eltern Mutter (die ist da kooperativer) zu fragen, ob sie mir da eventuell weiterhelfen könnten.

Krank sein nervt.
Krank und finanziell an der Grenze sein … nervt sehr.
Yay, noch 5 Euro für den Rest des Monats!

"Du warst der Einzige der immer gespart hat und jetzt sollst du die Runde zahlen."

Geldbeutelinhalt
(Foto: Mein „Geldbeutel“ ist ein Chaos. Meine Konten jetzt nicht mehr.)

Der folgende Text wirkt ein wenig wie ne Anzeige, ist es aber nicht.

In den letzten Monaten habe ich mich sehr stark mit dem Thema Geld beschäftigt, wie unaufmerksame Leser sicher übersehen haben. Das hatte vor allem den Grund, dass ich bereits seit 5 Jahren mit meiner örtlichen Bank unzufrieden war und sehr lange und ausgiebig prokrastinierte, daran etwas zu ändern.

Wie war es zuvor?

Ich hatte ein Girokonto und ein Sparbuch bei einer Bank (die rote mit Joko und Klaas) und ein weiteres Sparbuch bei einer anderen (die Bank, die schon vor der Bildzeitung behauptete, sie sei „Volks“). Beides von meinen Eltern eingerichtet vor nun gut 20 Jahren. Beides Filialbanken hier vor Ort mit denen ich eigentlich höchst zufrieden hätte sein müssen, hätte es nicht an mir genagt, dass ich nie wusste, was mit meinem Geld dort eigentlich passiert.
„"Du warst der Einzige der immer gespart hat und jetzt sollst du die Runde zahlen."“ weiterlesen

Hey, ich hab meine PIN-Nummer vergessen, kann ich vielleicht deine haben?

Es ist ein Krux mit den dem elektronischen Bankensystem. Als hätte ich nicht schon genug Probleme damit, das Bargeld in meinen Hosentaschen nicht zu verlieren oder sinnlos zu verprassen (Beispiel), nun soll ich auch noch eine Bankkarte mit mir herumschleppen, mit der sich überall an Automaten auf praktisch mein ganzes Geld zugreifen kann. An sich ist das natürlich zu begrüßen, da ein Automat weniger Kosten und Umweltbelastung verursacht als die mit Mitarbeitern befüllte Bankfiliale um die Ecke. Aber ich als alter, vergesslicher Internetgroßvater habe da dennoch meine Probleme.

1… 1.. 1… 1….?

Die Bankkarte führe ich inzwischen in einem zu einem „Geldbeutel“ umfunktionierten Flyer mit mir. Das ist ja alles höchst praktisch, immer und überall auf sein Geld zugreifen zu können, würde ich nicht… nun ja. Es war Montagmorgens, ich gerade aus dem Bett gekrochen und dementsprechend verplant. Nun ja:

Der Montag ging danach übrigens nicht besonders besser weiter. Wobei: Das Ende der Geschichte ist doch ganz positiv: Ein Anruf und nach weniger als 3 Minuten war meine Karte wieder entsperrt.

5 92 7?

Mein Problem ist vermutlich, dass ich mir die Zahlen selbst nicht merken kann, sondern im Kopf stets das Tastenfeld habe, und weiß, an welcher Stelle ich drücken muss. Was das ist? Wie diese Tasten „heißen“? Dafür müsste ich mir ein solches Tastenfeld nochmal ansehen.
Bedauerlicherweise merken sich alle anderen, die ich daraufhin fragte, ihre PIN als Zahl. Man müsste nur ausreichend viele Menschen nach vier Zufallszahlen fragen, und bekäme so sicher jede Menge PIN-Nummern. Bei mir käme man wohl eine Wegzeichnung.

9 7 8 3 …

(Funfact: Die PIN-Nummer meiner ehemaligen Videothekenkarte – selbige ist inzwischen geschlossen – musste ich mir auch über die Position der Tasten auf dem Feld merken. Die Nummer selbst konnte ich mir nie merken. Nach Blick auf ein Tastenfeld muss sie wohl so gelautet haben: 1 1 1 1.)