Heute kündigte ich Volker die Freundschaft.

Kaffeemaschine

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Wenn im Fernsehen höchste Zinsen und kostenloseste Girokonten empfohlen werden muss ich in letzter Zeit immer ein wenig – lachen. Nicht, das Geld inzwischen ein Witz für mich wäre – bei aller berechtigten Kritik -, aber vor dem Hintergrund meiner Finanzsituation finde ich Humor nur angebracht. Tatsächlich ist es so, dass seit ich studiere mein „Vermögen“ eher aufgezehrt wird als wächst. Gerade deshalb ist jetzt ein guter Zeitpunkt, endlich mein Geld umzuorganisieren. Bisher lag es in einem Girokonto und zwei Sparbüchern in zwei örtlichen Banken. Bisher.

Eines dieser Sparbücher habe ich heute aufgelöst.

Eine freundliche Bankmitarbeiterin half mir weiter, zukünftig nicht mehr ihr Kunde zu sein. Das alles war ein wenig komplizierter da der Auflösung eine Verlustmeldung vorangehen musste (in über einem halben Jahr Suche habe ich das Sparbuch nicht wiedergefunden). Sie verlangte meinen Ausweis und tippte dann in ihren Computer hinein. Tipp tipp tipp. Bing. Fehlermeldung hier, Fehlermeldung da. Die Zeit verging. Ich wurde ungeduldig. „Müssen Sie wohin?“ Ja, ich sollte um Halb einen Bus kriegen. „Ja, bis dahin sind wir auf jeden Fall fertig.“ Sie tippt weiter in ihren Computer. Fehlermeldung, Fehlermeldung. Tipp tipp.
Irgendwann – endlich – fragte sie einen Kollegen und erfährt, dass der Vorgang nun anders ablaufen würde. Ich bekam mein Geld, durfte 25 Euro bezahlen (für die Verlustmeldung), blickte auf die Uhr und stellte fest: Cool, mein Bus fährt gerade ab.

Also zur anderen Bank getingelt, Geld auf altes Girokonto eingezahlt um es an einen ganz neuen Anfang zu überweisen. Verwendungszweck: „Für Weltraumpiraten und Diskokugeln“. Zu meinem Kontoumzug und den Gründen bei Gelegenheit etwas mehr (mein Tagebuch ist gerade voller Notizen zur Moralfrage von Geld und Zins).

Bis hierhin nur: Volker (für „Volksbank“ in Anlehnung an „Malte“ seinerzeit) war stets nett zu mir, aber die Zeiten ändern mich und dich und ihn. Es war und ist Zeit, weiterzuziehen.

Sorry, Volker, es ist nicht deine Schuld.

Ahja… Bank… soso… Finanzkrise… war da nicht was?….

Wie soll man im Bildungsumfeld mit Unternehmen umgehen? Wie soll man mit Menschen umgehen, die einem helfen wollen – aber auch etwas verkaufen? Oder blicken wir zu kurz, wenn wir unterstellen, jemand, der im Namen eines Unternehmens auftritt, vertrete und verkaufe auch deren Produkte?

forever... alone.

Am 20. April besucht jemand von der Volksbank unserer Unterricht, um uns in den ersten beiden Unterrichtsstunden etwas über Finanzanlagen und nun notwendigen Versicherungen zu erzählen. Nun handelt es sich bei den Volksbanken in Deutschland um eingetragene Genossenschaften, wenn man so will also Vereinen mit wirtschaftlicher Zielsetzung. Aber eben nicht nur wirtschaftlicher Zielsetzung – so zumindest mein Eindruck nach einem kurzen Wikipedia-Ausflug.

Als im Internet Aufgewachsene sind wir eigentlich immun gegenüber jeder Form der Werbung. Wir ignorieren sie einfach. Eigentlich. Aber, ist das nicht eigentlich nur eine Ausrede, weiterhin werbefinanzierte Dienste zu nutzen? Lügen wir uns nicht in unsere eigene Tasche, wenn wir behaupten, für uns sei Werbung nur Information, und nicht Manipulation? Und wer kann überhaupt sicher sagen, dass es Werbung ist, bevor man es sich betrachtet hat? Vielleicht informiert die Volksbank tatsächlich nur zu unserem Wohl?

Ich weiß nicht, was ich davon halten soll. Und ich weiß erst recht nicht, wie ich damit umgehen soll. Boykott? Aber ich habe auch Firmen besichtigt, warum jetzt damit beginnen? Kritik? Nachfragen? Belüge ich mich nicht selbst? Stört es mich nicht eigentlich nur, dass uns dieser Termin aufgezwungen wird – als Pflichtveranstaltung – und man zuvor nicht einmal fragte: Wollen Sie das? Will ich als selbsternannter „Erwachsener“ nicht eigentlich nur entscheiden, ob ich mich einer Werbeveranstaltung aussetze oder nicht?

Wahrscheinlich würde ich weniger murren, müsste nicht ausgerechnet mein geliebter Deutschunterricht hierfür bluten. Die Volksbank hat mein Misstrauen nicht verdient, meine Lehrer wollen uns nur auf die Zukunft vorbereiten – und trotzdem habe ich ein flaues Gefühl im Magen. Soll ich einfach fragen, ob ein Unternehmen, das von dieser Entscheidung lebt, tatsächlich der richtige Ansprechpartner ist? Ich weiß nicht.