"Du warst der Einzige der immer gespart hat und jetzt sollst du die Runde zahlen."

Geldbeutelinhalt
(Foto: Mein „Geldbeutel“ ist ein Chaos. Meine Konten jetzt nicht mehr.)

Der folgende Text wirkt ein wenig wie ne Anzeige, ist es aber nicht.

In den letzten Monaten habe ich mich sehr stark mit dem Thema Geld beschäftigt, wie unaufmerksame Leser sicher übersehen haben. Das hatte vor allem den Grund, dass ich bereits seit 5 Jahren mit meiner örtlichen Bank unzufrieden war und sehr lange und ausgiebig prokrastinierte, daran etwas zu ändern.

Wie war es zuvor?

Ich hatte ein Girokonto und ein Sparbuch bei einer Bank (die rote mit Joko und Klaas) und ein weiteres Sparbuch bei einer anderen (die Bank, die schon vor der Bildzeitung behauptete, sie sei „Volks“). Beides von meinen Eltern eingerichtet vor nun gut 20 Jahren. Beides Filialbanken hier vor Ort mit denen ich eigentlich höchst zufrieden hätte sein müssen, hätte es nicht an mir genagt, dass ich nie wusste, was mit meinem Geld dort eigentlich passiert.
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"Das Alternativlos ist auch ’ne Niete."

[Bildhoster down.]
Bild von Corey Matsumoto unter GNU-Lizenz, hochgeladen bei ImageShack.us

In den Geschichten meiner Kindheit stand die Welt manchmal am Abgrund. Häuser brannten, Menschen litten, alles wirkte hilf- und hoffnungslos. Fünf vor Zwölf. Aber eine Comicseite weiter kam ein Held und rettete. Eine Sendeminute später schlossen sich Menschen zusammen und schafften das Unmögliche: Eine bessere Welt. Ein paar Seiten weiter hieß es „Und wenn sie nicht gestorben sind…“. Ich bin mit dieser Sicherheit aufgewachsen. Alles wird gut. Es geht immer weiter.

Irgendwann wurde ich größer, beschäftigte mich mit Politik, mit Nachrichte, Medien, Kultur. Heute habe ich diese Gewissheit nicht mehr, dass die Welt nicht untergeht. Vielleicht beschäftige ich mich deshalb mit Religion (keine Angst, nur ein Nebengedanke, der Eintrag geht gleich weiter), weil ich meine Hoffnung auf etwas Außerweltliches verlagern musste, meine Hoffnung also weg vom Weiterbestehen unserer Welt hin zur Ewigkeit des Seins überhaupt.

Ich glaube, es geht nicht nur mir so. Irgendwie haben wir das Vertrauen verloren, dass doch noch alles gut werden kann. Alles scheint „Alternativlos“, sinnlos, ziellos. Wozu einen Beruf erlernen, wozu zum Mond fliegen, wenn doch jetzt gerade diese oder jene Bank pleite geht.

Wir sind genug damit beschäftigt den Status quo für wenigstens einen Teil der Bevölkerung aufrechtzuerhalten – und nicht mal das gelingt uns. In Spanien haben wir eine Arbeitslosenquoten um die 25 Prozent (Jugendarbeitslosigkeit ist noch wesentlich höher), Griechenland kommt langsam an die 22 Prozent heran und in Deutschland ist immerhin jeder 20ste Arbeitslos gemeldet (real haben deutlich mehr keine Anstellung). Dazu kommen immer weniger Festanstellungen, eine halb zerstörte Natur (ich laufe mindestens 30 Minuten, um sowas ähnliches wie eine Wiese sehen zu können. Freie Natur… kenne ich überhaupt nicht mehr.) und ein Konsum- und Gesellschaftssystem, das so ineinander verflochten ist und derart Fehleranfällig, dass man es alle paar Jahre mit irgendwelchen Rettungsaktionen „wiederbeleben“ muss.

Wir laufen immer wieder gegen die gleiche Wand, und anstatt den Weg zu ändern, anstatt das Ziel neu zu justieren kleben wir einfach Pflaster über unsere blutenden Wunden. Lange halten wir das nicht mehr aus.

Was tun wir, um unsere Situation zu ändern? Nichts. Ich fühle den Drang, etwas zu verändern, bin gleichzeitig aber so taub und frustriert, dass jede Kampfparole, jeder Protest und jeder Gedanke nur ein Gähnen bewirkt. Was soll sich den ändern? Mir fehlt der Mut, etwas zu ändern. Ich habe meine Hoffnung verloren. Ich werde nicht mehr sehen, wie die Welt gerettet wird.

Ich umgebe mich mit Kultur, schaue Filme welche meine Weltrettungsfrustration illustrieren und schreibe deprimierende Blogeinträge. Ich kuschele mich in eine Bettdecke aus Tumblr-Bildchen und Bildblog-Einträgen, die immer wieder sagen, wie schlecht die Welt doch ist, in der wir leben. Wie verkommen unsere Gesellschaft ist, wie dumm die Jugend und wie vegetierend die Alten.
Ich höre Kate Nash und versuche zwanghaft ein „Notizbuch der Liebe“ mit Diagrammen und Tanzanleitungen zu füllen. Ich schaue Idiocracy und glaube daran, dass die Welt nicht gerettet werden kann (auch wenn es natürlich Unsinn ist, dass die Menschheit immer dümmer wird durch Selektion. Statt dessen empfinden – auch die Intellektuellen – Lügen, Verdrehung und Klatsch über den Umweg der Ironie als etwas Gutes.. Das heutige sechzigjährige „Jubiläum“ der Bild-Zeitung wäre eigentlich ein Grund sich aufzuhängen, würde ich nicht wissen, dass diese Leute mit meinem Selbstmord noch Auflage machen würden.).

In meiner Kindheit haben mutige Helden wie Welt zu einem besseren Ort gemacht. In meiner Kindheit haben wir die Welt gerettet. Gemeinsam. Heute töten in Super mit Rainn Wilson und Ellen Page selbsternannte „Superhelden“ mit Schusswaffen alles, was sie als „unmoralisch“ ansehen. In eine ähnliche Schiene fällt God bless America von Bobcat Goldthwait. Ein Duo tötet unfreundlichen Menschen und verkommenen Kreaturen, ist dabei aber nicht weniger verkommen. Besonders interessant ist dabei die Schlussszene, in der sich offenbart, dass es Menschen gibt, die sich gerne von der Öffentlichkeit demütigen lassen. Von Dokumentationen wie The Age of Stupid muss ich gar nicht erst anfangen. Kulturpessimisten werden an diesen Filmen sicherlich ihre Freude haben.

Ich nicht mehr. Ich will wieder eine Hoffnung, wieder einen Strohhalm an den ich mich klammern kann. Ich will mich nicht ins Private flüchten müssen und einen neuen Biedermeier beginnen. Ich will nicht, dass ich mich vor lauter Hoffnungslosigkeit in religiösen Spinnereien verliere. Ich will nicht mehr jeden Tag in den Nachrichten sehen müssen, dass alles immer noch schlimmer wird. Das ist schon seit über 30 Jahren so. Ich will nicht jeden Tag Alkohol in mich hinein schütten, damit ich nicht mehr spüre, wie alles kaputt geht und niemand etwas tut, weil niemand weiß, was zu tun ist.

Es stört mich nicht, dass meine Zukunft so unsicher ist. Es stört mich nicht, dass ich nicht weiß, was ich machen will und wie das funktionieren soll. Es stört mich nicht einmal, dass ich so frustriert bin. Ich wäre nur gerne wieder Hoffnungsvoll frustriert.

Ich schließe mit den Worten Patrick Batemans (die auch schon gut 20 Jahre alt sind):

My pain is constant and sharp and I do not hope for a better world for anyone, in fact I want my pain to be inflicted on others. I want no one to escape, but even after admitting this there is no catharsis, my punishment continues to elude me and I gain no deeper knowledge of myself; no new knowledge can be extracted from my telling. This confession has meant nothing.

Dies ist ein raubkopierter Text.

Vor lauter Kulturkampf, Diskussionen und Streitschriften kommt man kaum noch dazu, Kultur zu schaffen und an ihr teilzuhaben. Es wäre zum Verzweifeln, würde nicht aus dieser Urheberrechtsdebatte heraus soviel entstehen, was zum Nachdenken anregt. Zum Beispiel dieser Text von Lukas Heinser über die Probleme einer Rechteverwertung wie zu Großmutters Zeiten oder dieser von Rotwang, der sich mit der tauben Kritik an den Piraten befasst, oder auch dieser Text von Anatol Stefanowitsch.

Andererseits: Am verzweifeln bin ich dennoch wenn ich bemerke, wie die Leute, die meine kleine, harmonische Kultur-Blase bevölkern, tatsächlich ticken. Einer dieser erhellenden Momente, so erleuchtend wie die Herdplatten, an denen man sich als Kind die Finger verbrannte, war der Besuch der Seite wir-sind-die-urheber.de. Ein kurzer Text, der sich „[g]egen den Diebstahl geistigen Eigentums“ richtet und mit „Wir sind die Urheber!“ überschrieben ist.

Allgemein sei das Urheberrecht eine „Errungenschaft bürgerlicher Freiheit gegen feudale Abhängigkeit“ (dem kann ich nur zustimmen, vgl. auch Herr Larbig zum Thema Copyright), Verwerter seien die Freunde von Urhebern (naja) und es gelte „den Schutz des Urheberrechts zu stärken und den heutigen Bedingungen des schnellen und massenhaften Zugangs zu den Produkten geistiger Arbeit anzupassen.“ Bis auf den letzten Absatz hätte auch ich – zähneknirschend – das alles unterschrieben. Dann folgt jedoch ein Nebensatz über den Schutz, den das Urheberrecht ausübe. Es schütze nämlich „auch vor global agierenden Internetkonzernen, deren Geschäftsmodell die Entrechtung von Künstlern und Autoren in Kauf nimmt.“ und weiter heißt es „der Nutzen des Internets in unserem Leben kann keinen Diebstahl rechtfertigen und ist keine Entschuldigung für Gier oder Geiz.“.

Eine derartige Sicht ist zumindest kritisch, aus drei Gründen:
1. Bedeutet ein Bereitsstellen von Inhalten nicht unbedingt den Diebstahl von selbigem. Eine Bücherei etwa stellt auch Bücher bereit ohne, dass der Urheber pro Seitenaufschlagen bezahlt werden würde (soetwas ist mir zumindest nicht bekannt). Insbesondere Bildung und Kulturschaffen darf nicht unter dem Urheberrecht leiden.
2. Wird hier vollständig die Lebensrealität vieler Nutzer ignoriert: Wer gerne für ein Werk bezahlen würde, darf dies oftmals nicht (beispielsweise würde ich sehr gerne die neuen Folgen Dr. House in O-Ton sehen, so, wie es beispielsweise mit South Park möglich ist.) Es ist nicht so, dass ein Supermarkt bestohlen werden würde, sondern es wird einerseits „gestohlen“, was vom Händler nicht verkauft wird oder aber, es wird „gestohlen“, was nicht gekauft werden würde (in beiden Fällen also die Alternativen: „Stehlen“ oder Verzichten).
3. Ignoriert eine solche Sicht vollkommen die Tatsache, dass Urheber nicht aus sich selbst heraus Dinge schaffen, sondern immer im Kontext mit der sie umgebenden Welt.

Vor allem der dritte Grund ist für mich entscheidend. So hoch ich auch die Personen schätze, die hierfür ihren Namen hergaben – darunter solche Größen wie Roger Willemsen (Intellektueller), Charlotte Roche (Fernsehtante, Autorin), Günter Wallraff (Enthüllungsjournalist mit Ghostwritern), Till Lindemann (Rammstein) und Alice Schwarzer (Feministin) -, so zerfleischend fühlt sich die Überschrift in meiner Magengegend an: „Wir sind die Urheber!“ (Hervorhebung von mir).

Es zeugt von Dekadenz und auch einer gewissen Weltfremde, anzunehmen, nur man selbst sei das Genie welches „Werke“ schaffen könne. Einerseits ignoriert man durch den bewusst gesetzten Artikel „die“, dass es auch noch andere Urheber geben könnte beziehungsweise macht man all jene, die diesen Text nicht unterschreiben zu „Nicht-Urhebern“. Andererseits kappt man jede Leiter, die vom Nicht-Urheber-Dasein zu einem Urheber-Dasein führen könnte. Kleinkünstler, Hobbyautoren, Freizeitdichter, Kleinblogger, all jene also, die noch träumen vom Ruhm und nicht diesen schon erfahren, seien nichts wert. An die Stelle der feudalen Abhängigkeit der Kunst tritt nun eine Abhängigkeit der Kunst von einer Art Urheber-Elite, die bestimmen darf, was etwas wert ist, und was nur Werk eines Pöbels.
Sich selbst zu unikatieren, sich zu einer auserwählten Gruppe zu stilisieren, die einzig und allein fähig wäre, Werke zu schaffen – praktisch aus dem Nichts -, finde ich höchst problematisch.

Die Gefahr besteht, dass mit Schützenhilfe einer um ihre begründeten Rechte bangenden Urheberschicht, durch Verwerter und Schöpfereliten Gräben ausgehoben werden, die letztlich die Kunst und die Gesellschaft austrocken lassen. Niemand möchte Künstlern etwas wegnehmen, aber wenn Bildung durch überschäumende Rechte ausgebremst wird, wenn Künstler nicht mehr arbeiten können, weil es ihnen z.B. verboten ist, Songs zu covern, wenn auf jedem kleinen Wort herumgeritten wird und ich mich schon als Verbrecher fühle, wenn ich hier zitiere, dann läuft etwas ganz gewaltig falsch in unserem Land.

Ich sage ganz eindeutig Ja zum Urheberrecht, aber das bedeutet nicht, dass ich mich wie einen Verbrecher behandeln lassen möchte oder mir das Recht nehmen lassen will, selbst zu denken, zu schreiben und zu veröffentlichen. Eine Debatte mit dort oben den Urheber-Göttern und hier unten den stehlenden Konsumenten ist mir ebenso zuwider wie die Streiterei zwischen „Content-Mafia“ und „Piraten“.

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Wir sagen Kultur, ihr sagt Kriminalität.

„Man fickt das System, bis man selbst Teil davon wird.“, sagen zumindest Systembefürworter.

Ich habe in meinem beschaulichen Kleinstadtleben schon deutlich mehr Menschen gesehen, die von legalen Stoffen – oder ganz ohne irgendwelche Rauschmittel – gewalttätig wurden als von illegalen Drogen. Von daher fällt es mir schwer nachzuvollziehen, warum in einem aufgeklärten Land wie dem unseren an Verboten festgehalten wird, die sich nur stammtischpolitisch, nicht jedoch wissenschaftlich und moralisch rechtfertigen lassen. Warum ein junger Mann, der im Suff die ganze Kneipe zusammenschreit normal ist, aber ein friedlicher Kiffer ein Verbrecher sei will mir einfach nicht einleuchten. Ebenso wenig, wie ich wirklich verstehen kann, warum Disney ein liebevoller, netter Konzert ist, aber jemand, der ein Lied auf seiner Gitarre nachspielt und es bei YouTube hochlädt am besten verbrannt werden müsse. Mit solcher – historisch oder politisch entstandener – Willkür habe ich so meine Probleme.

Gerade deshalb erfreute ich mich heute sehr an einem Interview mit einem Teilzeitdrogendealer bei The Billfold, das seit knapp ’ner Woche durch die Blogs geht. Nicht nur beleuchtet das Interview „The Economics of a Part-time Drug Dealer“ die im Titel versprochene Ökonomie inklusive Zahlen, Jeff Winkler konnte seinem Interviewpartner auch ein paar Worte zur Motivation abluchsen. So vergleicht der Namenlose die heutige Zeit mit der Prohibition, da es auch da nicht funktionierte, die Zahl der Alkoholkonsumenten durch drängen in Illegalität zu verkleinern.

„It’s sort of like smoking cigarettes. You’re saying you don’t want people to smoke cigarettes so you ban ashtrays? It doesn’t really work that way.“

Und weiter sagt der namenlose Drogenhändler: „So as long as it’s illegal, I’m probably going to take advantage of it, (A) Because I don’t think it should be illegal and it’s my small way of sticking it to the man without doing a whole lot while still making money and, (B) it’s kinda fun, I gotta say.“

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Dreh die Mukke auf dem Handy auf. Wir wollen es ganz laut!

Es ist doch interessant wie sich die Sichtweisen ändern. Jugendliche allgemein erschienen mir immer als Störfaktor – selbst als ich einer war -, und wenn diese Heranwachsenden Hormonschleudern zu ihrem Übel der Existenz auch ein Mobiltelefon mit sich trugen, welches in vollster Lautstärke die Umwelt mit ihrer „Musik“ beschallte – man sollte eher „verstrahlte“ sagen – dann war dies für mich ein GAU. Im Strahlenanzug hätte ich diese Gören – zumeist Fraktion „Ich bin viel zu cool für diese Gesellschaft“ – am liebsten verdroschen.

Heute – im Alter von 21 Jahren – habe ich diese Abneigung abgelegt. Nicht, dass sich die Musik der jungen Leute jetzt nicht mehr anhören würde, als scheiße mir jemand direkt ins Ohr (vgl. South Park: Getting old), aber ich glaube eine Motivation dahinter zu begreifen. Dafür muss ich ein wenig ausholen.

Jung sein ist scheiße. Niemand weiß so richtig, wie das ist, aber alle haben etwas dazu zu sagen und so richtig wissen, was der richtige Weg ist, kann entweder niemand oder man glaubt diesen Leuten mit seinem Hormonvernebelten Hirn einfach nicht. Man trifft also auf genau drei Dinge: Leute, die einem Müll vorsetzen und versuchen einen fertig zu machen. Daneben die eigene individuelle Planlosigkeit und Verwirrung und als drittes Rollenvorbilder – Serien- und Romanfiguren, Jugendliche die in Liedern besungen werden, all das eben -, die in der Regel von Leuten geschaffen werden, die sich lediglich vorstellen, wie es sein könnte, Jugendlich zu sein, aber dies nicht mehr wissen können, weil sie es nunmal nicht mehr sind. Ersteres ist unbrauchbar, weil niemand – insbesondere kein Heranwachsender – gerne streitet mit Eltern und der Erwachsenenwelt. Zweites ist unbrauchbar, weil es nur noch mehr Verwirrung stiftet. Lediglich die fiktiven (!) Jugendlichen in Medien und Kultur – die allesamt von Nicht-Jugendlichen geschaffen werden – dienen als Orientierungshilfe. So könnte es sein, wenn man jung ist. So könnte meine erste Liebe sein, so könnte es sein, wenn ich Freunde treffe, so könnte es sein, wenn ich durch die Gegend laufe.

Am prägendsten für Jugendlichen dieser Tage sind die Bewegtbild- und Bildschirmmedien, also vor allem Kino, Fernsehen und Internet. Die fiktiven Figuren werden zu Rollenvorbildern, die Erlebnisse und Ereignisse der Fernsehwelt werden zu Vorbildern für das, was man real zu erleben sucht. Zu (fast) jedem Film gehört auch eine breite Auswahl an Musikstücken und genau hier kommen wir zu meinem Meinungswechsel.

Bisher verstand ich laut aufgedrehte Handymusik immer als geräuschliche Umweltverschmutzung. Heute habe ich verstanden, dass es um etwas anderes geht. Die Jugendlichen mit ihrer Handymusike teilen mittels dieser Musik ihrer Umwelt Informationen mit, beispielsweise die Befindlichkeit. Es handelt sich also nicht um einen anarchischen, die Ordnung ablehnenden Akt der Gesellschaftsunterwanderung mittels Lärm, sondern es ist ein kommunikativer Akt. Die Handymusik-Jugendlichen lassen uns an ihrem Lebensfilm teilhaben. Als Komparsen und Zuschauer.

Ob wir das wollen oder nicht.