Nichts. Aber ausbaufähig…

Talente sind mehr als ungerecht verteilt.

Während Leute wie Luke Skywalker, Dave Grohl oder Grit Meyer (oder die Leute in dem Video) scheinbar alles können, verzweifeln Leute wie ich schon an kleinsten Aufgaben (z.B. Blogeinträge schreiben). Die Welt ist einfach ziemlich unfair.

MOSS Brigade Day 2 · A posers day from Juan Rayos on Vimeo.

Weder kann ich Skateboard fahren, noch schreiben oder eine Blogplattform am Leben erhalten. Auch Steine durch die Macht zu bewegen fällt mir unheimlich schwer. Ich schaffe es wahrscheinlich nicht einmal, 10 Leute dazu zu animieren, hierunter einen Kommentar zu setzen (jaja, ich weiß. Kommentargebettele). Unfair.

Es ist auch irgendwo fies, dass wir Menschen – Freunde? -, die wir uns scheinbar so gut verstehen, so weit weg leben. In Zeit und Raum. Zu gerne hätte ich die grad genannte Grit 17-jährig kennengelernt – um mich dann ein bisschen ziemlich in sie zu verknallen -, mit ihr auf einer Mauer irgendwo zu sitzen, ein Bierchen zu trinken und zu erleben, wie es ist, Erwachsen zu werden. (… ist ne Anspielung auf das)

Die guten Leute kommen scheinbar immer aus den anderen Städten. Frau G. z.B. aus Wattenscheid, andere kommen aus Berlin, Hamburg, Konstanz… und all die anderen coolen Kinder, mit denen ich nie die Gelgenheit hatte, Zeit zu verbringen. Wir wären alle anders, wenn wir Musiker, Rollbrettfahrer oder CSS-Nerds geworden wären.

Statt dessen versauere ich als Normalo-Langweiler… Ach, das stimmt auch nicht. Mein Leben ist eigentlich ziemlich cool. Nicht, weil ich irgendwas könnte. Tatsächlich bin ich ziemlich talentresitent – und auch Lebenserfahrung kann mir scheinbar nichts an. Aber die Menschen, die mich umgeben, sind alle ziemlich toll. Und, auch wenn der ein oder andere tolle Mensch auf dem Weg verloren geht – trauere ich keiner Sekunde nach. Ich habe vielleicht nichts gelernt und noch weniger erreicht: Aber es war ein großartiges Leben. Mehr noch: Es ist ein großartiges Leben. Und es wird immer besser.

Und trotzdem bin ich ein bisschen neidisch auf die Luke Skywalkers und Grit Meyers und Katjas und Skateboard-Künstler und Blogkommentatoren. Was diese Leute machen – was Sie machen – kann ich nicht. Ich kann anderes Zeugs. Und irgendwann kann ich noch mehr anderes Zeugs. Vielleicht nie Gitarre spielen, vielleicht kein Skateboardfahren oder Videos drehen… aber ziemlich awesome finde ich mich dennoch.

Nicht.

„Gibts doch zu, Beliebtsein, du wolltest in diesem Eintrag nur das Video einbinden…“ Langweile erkannte seine Motive viel zu schnell. Zu gut kannten sich die beiden Freude. „Ja, natürlich. Wenn du das sagst“, quäkte er zurück ins Telefon: „stimmt es wohl.“ „Und eigentlich findest du nur die Musik gut. Und das ganze Gepose, dass du dich selbst auch ohne irgendein Können gut findest… ist doch auch nur…“ Langweile suchte nach einem Wort, das nicht verletzend klingen konnte. „Jedenfalls“ unterbrach sie Beliebtsein „kann noch ganz viel aus mir werden. Auch ohne, dass ich…“ „… wirklich existiere.“ vollendete Langweile den Satz: „Ja, unsere Nicht-Existenz macht uns noch ganz groß.“ Die beiden legten – wie immer ohne ein Wort des Abschieds – auf und dachten noch einige Sekunden daran, was wäre, wenn sie tatsächlich nur eine kleine Randnotiz in einem unterdurchschnittlichen Blog wären, wenn sie wirklich nicht mehr seien als purer Blindtext.

Ich, der naiver Gesprächspartner

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diana-01-01, ursprünglich hochgeladen von chachlate

Wäre ich nicht – bewusst – strunz-doof und so naiv, dass sich jedes Milchmädchen schämen würde, wäre mein Leben insbesondere im Kontakt mit anderen Menschen sehr deprimierend. Ich würde wahrnehmen, wie locker und fröhlich Gespräche zwischen anderen Menschen verlaufen, und den Unterschied zu den beidseitigen Quälereien erkennen, die passieren, wenn ich mal jemand anspreche. Das Beste für mich und meine Seifenblase aus ignorierter Kontaktunfähigkeit sind Menschen, die mir nur einmal über den Weg laufen, die höflich-verlogen sich bedanken, wenn ich mich bedanke, und das Gespräch schnell beenden mit allerlei Standardfloskeln, die mir nicht auffallen.

Manchmal habe ich tatsächlich Mitleid mit den Menschen, die mit mir reden müssen. Dann werfe ich ihnen Stöckchen hin, verweise darauf, dass dort drüben Leute stehen, die sie kennen, und biete den von mir Geplagten damit ein Türchen, durch das sie flüchten können. Und flüchten. Manchmal gehe ich auch einfach weg. Das ist besser. Für alle.

Für Menschen wie mich wurde das Internet geschaffen. Damit wir mit anderen Puzzelteile ihres Lebens tauschen können. Hier eine Kleinigkeit über diesen Menschen, da eine andere Kleinigkeit über jemand anderes. So fühlen wir uns nah, fühlen uns, als würden wir tatsächlich Gespräche führen, wenn wir Buchstaben zu Worten reihen und zu Sätzen. Wenn wir uns, versteckt unter einer Maske, einem falschen Namen und einer besseren Identität anderen gegenüber öffnen.

Manche Bilder bekomme ich nicht mehr aus dem Kopf. Manche Schwierigkeiten scheinen in Stein gegossen zu sein. Das Sprechen und Plaudern und Quatschen und Tratschen, das Kommunizieren und Konversieren, das hochheilige, zwischenmenschliche Spiel, ist eines, in dem ich keinen Highscore knacken werde. Aber das ist ok. Ich hab meine Musik, meine Gedanken, die Illusion von Freundschaft und genug Naivität für weitere schmerzvolle Erfahrungen. Und ich hab den Traum vom Baum. Was will ich denn mehr?

„Bist du nicht ein bisschen hart zu dir? Oder betreibst du hier Komplimentefischen?“ Langeweile betrachtete Beliebtsein in ihren Gedanken. „Ach, ich war unter Menschen, die über 10 Jahre älter waren als ich, und habe mit ihnen geredet. Und mit Menschen, die 10 mal konktaktfreudiger sind, als ich…“ Langeweile unterbrach ihren Freund. „!0 mal 0 Kontaktfreude ist immer noch Null Kontaktfreude.“ „Du weißt was ich meine.“ Beliebtsein war müde, dann fiel ihm noch etwas ein. „Weißt du was ich will?“ „Hm?“ „Eine Diana Mini. Irgendwie hat sich die Idee in meinem Kopf fest gesetzt, und jetzt will ich so eine.“ „Nach dem Abi.“ „Ja.“ Langeweile lächelte. „Das war keine Frage.“ Beliebtsein lächelte. „Das war auch keine Antwort.“ Beide legten, gewohnt ohne sich zu verabschieden, den Hörer auf.

Ich, der treudoofe Fernsprechteilnehmer

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Meine Mutter lehrte mich Demut, Respekt und Zurückhaltung in Situationen, in denen offenbar Andere mehr Ahnung haben als ich. Dass dies nicht so richtig funktionierte, merkt man mir zwar an, aber der eine oder andere Krümel meiner guten Erziehung ist eben doch hängen geblieben, so dass ich in wenigen Ausgewählten Situationen von meiner Misantrophobie Abstand nehme und einfach … Leute toll finde.

Zudem lehrte man mich, ebenfalls recht erfolglos, nicht vorschnell zu urteilen – insbesondere über Menschen. Daraus resultieren einige Problemchen mit Hotlines. Die Menschen am anderen Ende der Leitung können wir weder sehen noch werden wir sie jemals wieder treffen – und wenn doch, erinnern wir uns nicht. Dazu kommt, dass diese nach Plan freundlich sind und möglichst viele Anrufe tätigen müssen. Dem folgend wirken die Worte oft wie auswendiggelernt („Guten Tag mein Name ist … von …. Ich freue mich, mit Ihnen sprechen zu dürfen…“) und sowieso geht alles so schnell über die Bühne, dass man nur vor dem Hörer sitzen und sich wundern kann.

Deshalb mag ich auch Telefonieren nicht so gerne, weil die Leute dabei gerne hasten. Andererseits mag ich gemächliche Telefonate mit Freunden doch recht gerne, wenn ich mich bei einer Tasse Tee hinsetzen und gesprochene Sprache ohne jeglichen Störfaktor genießen kann. Wie gesagt: Ich will mich vorbereiten können, plötzlich angerufen werden ist deshalb auch nicht so meins. Genauso wie Überraschungsanrufe oder „spontane Treffen“.

Bei Hotlines ist das aber immer ein Gehetze. Eine sehr angenehme Ausnahme davon, und ich betone, dass ich bisher erst wenige Hotlines anrief, stellt selbige von Gruner + Jahr dar, die zwar auch unheimlich schnell sprechen, dafür aber teilweise in sympatischem, hanseatischen Plattdeutsch. Es findet dort auch nicht das klischeehafte Vollsülzen statt, zumindest wurde ich damit nicht belästigt. Ich sagte nur, was ich wollte – man hatte uns wegen einer Änderung „zu Ihren Gunsten“ an meinem Neon-Abo angeschrieben – G+J stellt auf Lastschriftverfahren um und verschenkt dafür Gratisausgaben – und das ging tatsächlich sehr einfach. Klar ist die Musik eher peinlich und ich hatte vermutlich auch nur ziemlich Glück, aber, sozial unbeholfen wie ich bin stammelte ich eine Art Kompliment am Ende des Gesprächs.

Mit Hotlines ist es – vielleicht – einfach, wie in diesem alten Sprichwort: Wie man in den Wald hineinschreit, so schallt es hinaus. Vielleicht bin ich aber auch nur ziemlich naiv, treu-doof im Umgang mit Fremden und glaube jede aufgesetzte, erlogene Höflichkeit aufs Wort. Vielleicht genieße ich es auch nur, dass Leute mal einen netten Ton anstimmen. Selbst, wenn sie dazu nur von ihrem Arbeitgeber gezwungen werden.

"Gedanken müssen gären"

Das Bild ist schön. Die Meinung ist richtig. Die Person hat Recht.

Wir brauchen einen privaten Rückzugsraum, wir brauchen Zeit, wir brauchen alleine sein. Warum? Weil Gedanken nicht direkt an die Luft dürfen. Um tief graben zu können, um tatsächlich durchdacht zu sein, dürfen sie nicht direkt ans Tageslicht. Tiefe braucht Zeit. Wer schnell schnell etwas sagt, bleibt oberflächlich. Tatsächlich durchdachte Einträge brauchen Ihre Zeit (anders als gute Kommentare, die müssen spontan sein), brauchen eine riesige Menge Denkarbeit. Gerade schwimmen mir drei Einträge durch den Kopf, Zitate von Nietzsche, von Yoda, irgendwelcher Gebäudemenschenunsinn, über Wissen, dass uns auseinanderbringt, aber ich darf noch nicht bereit sein, sie an die Luft, ins Blog zu lassen. Es wäre toxisch. Deshalb schleppe ich kleine Notizzettel mit mir herum, und verpasse oft den richtigen Moment, aus Notizen Texte zu machen, weil ich mich nicht traue, einfach drauf los zu schreiben.


Nein, halt, das war schrecklich! Viel zu früh, viel zu undurchdacht! Schnitt! Aus! Weg!
Wo hast du denn bitte das Schreiben gelernt? Im Kindergarten? Merkt man. Dumm geboren und nichts dazu gelernt, das ist dein Lebensmotto, wie? Genau diese Scheiße hattest du doch schon tausendmal undurchdacht hier reingekackt, warum nervst du uns schon wieder damit? Wirst du langsam senil, alter Mann? Schreibst dir unfertige Einträge in deinem Kopf, die nie ans Tageslicht kommen, und behauptest dann, sie müssten gären? Dein Denken ist kein Bier, kein Wein. Deine Kopfscheiße reift nicht in Fässern heran, nein, sie quillt aus deinem Mund, deinen Ohren, keinen Fingerspitzen! Du widerst mich an.

Große, Kleine und Abstieg vom Olymp

Schuhe, Grün, Teppich

Wenn man klein ist, und die Großen einen nicht ernst nehmen, sagt man sich: „Wenn ich mal groß bin, werd‘ ich ganz anders sein.“, aber ebenso wie die schlechten Zähne werden auch das unfaire Verhalten gegenüber Jüngeren von Generation zu Generation weitergegeben.

Natürlich hat jeder wieder die historische Chance, diesen Teufelskreis zu durchbrechen, aber, Trägheit, Erziehung und auch ein bisschen ein Rachegelüst (das man an den eigentlich Schuldigen nicht ausleben kann) bringen einen dann doch wieder dazu.

Ich erinnere mich noch recht gut, wie weit entfernt alle waren, die in Klassen über einem lernten. Als frischer Fünfer erschlug einen die Hauptschule, an die Abschlussklasse von damals erinnere ich mich kein bisschen. Aber ich weiß noch, wie mich ein paar aus der Klasse darunter immer ärgerten. Sie waren nunmal groß, und ich war klein. Man blickte als kleiner „Bursche“ zu den baldigen Abgängern auf, wie zu Göttern, über ihnen standen nur die Lehrer und das Himmelreich. Sie ignorierten uns, oder waren gemein. Wenn sie dann doch mal nett waren, war man selbst so überrascht, wie als hätte man gerade einen brennenden Dornenbusch… ach, das würde zu weit führen.

Jedenfalls besuche ich gerade ein dreijähriges, noch ziemlich neues Wirtschaftsgymnasium. Vor uns gab es eine Stufe, die nun schon in die Freiheit entlassen wurde, nach uns gibt es zwei Stufen. Inzwischen gehöre ich dieser höchsten Kaste, den Göttern an. Über uns steht nur noch der Himmel. Die Lehrer sind inzwischen zu priviligierten Kollegen geworden, deren Hilfe man annimmt, die man aber nicht mehr als tatsächlich „höher“ betrachtet. (Ich zumindest nicht mehr. Was nichts an meinem Respekt für selbige ändert.) Einer*, ein dicklicher, aber scheinbar netter der Frischlinge, der Eingangsklasse, derer, die so weit untern stehen, wie ich damals, die noch so viel zu lernen haben, einer dieser sprach mich an.

„Sind die coolen Aufkleber von dir?“ fragte er – fast respektlos, aber so wird das, wenn man sich überwinden muss, die Großen anzusprechen – und ich fragte ihn, „Welche Aufkleber?“, weil ich erwartete, er würde sie beschreiben. Tat er nicht. Fast verschüchtert sagte er, „Ja, egal.“ und verschwand. Danach fühlte ich mich erhaben, fühlte mich groß, oder zumindest, größer als die Kleinen. Kurz davor Goethe zu zitieren:

„Du gleichst dem Geist, den du begreifst, – Nicht mir!“

Aber irgendwo tue ich dann doch unrecht, irgendwo ist es falsch. Sollte ich mich morgen bei ihm entschuldigen? Das gliche einem „Gang nach Canossa“, einem Herabklettern vom Olymp, und soviel Anstrengung machen meine alten Knochen einfach nicht mehr mit.

*Alle Personen in diesem Blogeintrag sind frei erfunden.