Wie lange braucht eine Meldung in die Kohlenstoffwelt?

Das Internet.
Nicht nur Heimat solcher bezaubernder Blogs wie dieses, welches Du gerade liest, sondern vor allen Dingen auch ein verdammter Durchlauferhitzer für alles, was sich irgendwie Kultur nennen darf oder nennen dürfen sollte.

Weil hier alles gleichzeitig und meistens auch over the top stattfindet und jeder, der auch nur ein 100stel des Zeugs wahrnimmt entweder völlig wahnsinnig, mundschäumend und Regenbogen-Erbrechend wird oder sich René Walter nennt, deshalb werden wir ganz gerne von den Todholz-Print-Medien (?) und den hießigen Televisionsprogrammmacher halb belächelt, halb bestohlen (Vom Radio muss ich gar nicht erst anfangen, sonst lachen mich die jungen Leute hier wieder aus).

Ich finde das sehr interessant. Wenn eine Meldung abgefahren ist, oder ein Katzenvideo total krass, dann landet es meistens nach kurzer Zeit in der Popkultur, ein paar Blogger schreiben darüber, irgendwann schreibt das Kotzende Einhorn darüber, dann die kleineren Blogs, dann geht es bei deine wirklich hippen Facebook-Freunden rum, einige Tage später schickt mir meine Großmutter dann eine E-Mail („Jungchen, hast du gesehen was die Katze da macht?!“), dann lachen deine „hippen“ Facebookfreunde darüber und ungefähr eine Sonnenumrundung des Pluto später steht es auch in der Zeitung, läuft von einer debil grinsenden Moderatorin angekündigt („Und jetzt schauen Sie mal, was dieses Kätzchen macht.“) im Fernsehen oder wird von den lyrischen Selbstmord nahen Radiomoderatoren nacherzählt.

Aber, wie lang genau ist „ungefähr die Sonnenumrundung des Pluto“? (Für die jüngeren Leser: Pluto war mal ein Planet. Und die tatsächliche Zeit dafür sind 247,68 Erdenjahre.) Diese Zeit hängt sehr stark von der Relevanz und der Awesomeness einer Sache ab. Die wirklich großartigen, spannenden oder verändernden Ereignisse landen verhältnismäßig schnell in den Altmedien. Was länger braucht sind vor allem das Internet betreffende Angelegenheiten (außer, es dient zum Nachteil des Internets) und – was allerdings in der Natur der Sache liegt – abgefahrenes Zeug ohne aktuelle Relevanz. „Wie lange braucht eine Meldung in die Kohlenstoffwelt?“ weiterlesen

Ein Rollmatratzen-Abenteuer

All meine Sorgen sind unberechtigt. Eine Rollmatratze scheint direkt nach dem ausrollen sehr weich zu sein und erreicht erst durch das zwei Tage lange liegen und sich mit Luft vollsaugen ihre gewünschte Festigkeit und Härte. Aber, ich erzähle die Geschichte besser von vorne.

Mit meiner alten Matratze bin ich unzufrieden. Sie ist nicht schlecht und sie riecht auch nicht unangenehm, aber nach gut 10 Jahren unter mir hat sie schon etwas gelitten. Ich erinnere mich noch, dass sie gar nicht mal so billig war und ich anfangs sehr gut darin schlief. Aber ich wurde älter – geht ja anderen auch so – und sie wurde älter – was niemand zu verhindern wusste – und um ehrlich zu sein legte ich im Vergleich zu meinem Grundschul-Ich auch etwas an Gewicht und Körpergröße zu.

Nach dem ich nun schon seit einigen Wochen kaum noch darauf schlafen kann – und will – entschied ich mich, das sowieso als „Matratzengeld“ veranschlagte Geburtstagspräsent der Großmutter mit in den nächsten Möbeldiscounter zu nehmen. Nach kurzer Diskussion unter Freunden, einem eher erfolglosen Versuch in einem örtlichen Bettenfachgeschäft (Ich: „Ja, guten Tag, ich suche eine Matratze die möglichst hart sein soll, kann aber nur bis 150 Euro bezahlen, sonst kann ich nächsten Monat nämlich nichts essen. Die Größe ist mir relativ egal.“ [… Komplizierteste Diskussion im gesamten Universum …] Sie: „Da hätten wir zum Beispiel dieses Modell hier für 375 Euro.“ [Vorhang, Buh-Rufe]) und langem Hin und Her entschied ich mich recht spontan zum „Dänischen Bettenlager“ zu fahren. Schnell noch die Angebote gecheckt: Könnte passen.

Ein Zug, ein überfüllter Bus und eine ewig lange Straße weiter (wie sich herausstellte, hätte ich eine Bushaltestelle später aussteigen sollen), war ich am Ziel angekommen: Die Tübinger Filiale des „Dänischen Bettenlager“, Tochter der JYSK-Holding, die wiederum Lars Larsen (!) gehört, einem der reichten Männer Dänemarks (zirka 2,4 Millarden Euro schwer).

Zunächst war ich etwas verwundert. Nur gut ein Drittel der Verkaufsfläche war tatsächlich mit Betten und dessen Zubehör gefüllt. Der Rest war voller Regale, Tische, Krimskrams und anderem Einrichtungsunsinn. „Dänisches Betten- und anderes Zeugs-Lager“ hat wohl nicht aufs Schild gepasst. Hm. Ich schnurstracks quer durch den Laden gelaufen und im hintersten Eck tatsächlich ein Regal mit Matratzen gefunden. Große Matratzen, kleine Matratzen, bunte Matratzen, weiße Matratzen, Rollmatratzen, Jugendmatratzen (Keine Ahnung, was das sein sollte), Federnkern-, Schaumstoff- und Zaubermatratzen, dicke und dünne und alle schön preislich sortiert vom teuersten zum „Hey, das kann ich mir gerade so leisten“.

Ich schaue mich ein bisschen um, schaue nach Härtegraden und werde plötzlich von einer Mitarbeiterin – die eine Matratze ins Regal hebt – entdeckt. Ich helfe ihr kurz, sie bedankt sich und fragt dann: „Wie kann ich Ihnen weiterhelfen?“

„Ja, ich suche ne möglichst harte Matratze, bin jetzt aber eher knapp bei Kasse. Ideal wäre im 2-stelligen Bereich.“ – „Jagut, da haben wir grad nur eine da.“ Sie zeigt mir das Angebot. Probeliegen is‘ nicht, da Rollmatratze, aber drüben ist eine bauähnliche aufgebaut, die praktisch den gleichen Härtegrad besitzt. Ich hocke mich drauf. Kein Knarzen und Springen von Metallfedern. Kein Einsinken wie in Treibsand. Fühle mich wohl.

„Perfekt, die nehme ich dann. Was kostet die denn?“ „99 Euro im Angebot.“ Die wirklich sehr nette Mitarbeiterin krabbelt halb unters Regal und sucht die Rollmatratze raus. 1,40 auf 2 Meter. Ich hellauf begeistert. Ich lasse mir dann noch Bettlacken in dieser Größe zeigen (worauf meine Begeisterung leicht einknickt. 12,50 das Stück. Im günstigsten Fall.) Immerhin. Mit 125 Euro weniger und einer riesigen, in Folie verpackten Rollmatratze verlassen ich den Laden und finde – auch dank den netten Mitarbeiterinnen – direkt die Bushalte. Einladen, von allen Leuten doof angesehen werden und dann 3 Minuten, nach dem der Anschlussbus abgefahren ist, am Umsteigeort aussteigen. Mist.

Also Matratze geschultert und bis zur Wohnung geschleppt. Bin begeistert von der Wohngegend. Wohngegend ist weniger begeistert von mir. Noch mehr blöde Blicke. Egal. Haustür auf, Matratze und ich rein. Vorsichtig runter, um nicht – schon wieder – die Treppe runterzufallen, Wohnungstür auf und in einem der leeren Zimmer ausgepackt.

Die Matratze beginnt sofort zu wachsen, so dass die Folie nur mit grober Gewalt runter geht. Bin leicht irritiert, weil die H3-Matratze zunächst sehr weich ist. Aber, 2 Tage lang wie auf der Packung verlangt ruhen lassen und dann erst meckern. Noch schnell ein Schild geschrieben – „Bitte nicht stören. Matratze muss sich ausruhen“ – und … Bus verpasst. Also einmal über die – wirklich wunderschöne – Brücke am Stauwehr laufen und gerade rechtzeitig in den dortigen Bus hüpfen, vom Bus zum Zug rennen und – Mission Accomplished.

Neue Matratze

Meine neue Schaumstoff-Matratze schläft sich aus. (Eigenes Bild)

Am nächsten Tag dann die positive Überraschung: Die Matratze ist nicht nur sichtbar gewachsen (vor allem in der Dicke), sondern auch viel härter geworden. Ich bin völlig zufrieden. Mal sehen, wie die erste Nacht darauf wird.