Allison Weiss sagt, was sie meint.

Bei einem großen Buchhändler kann man sich ab morgen dieses – rechts komplett anhörbare – großartige Album „Say what you mean“ von Allison Weiss auf CD holen (Amazon-Partnerlink), und wäre ich nicht schon komplett pleite, stände dieses Album spätestens Montag in meinem Regal. Anyways…

Außerdem gibts das sehr sweete Video zum Ohrwurm Making It Up auf MTV.com zu sehen. Und wahrscheinlich noch tausend andere tolle Sachen. Gäbe es noch so etwas wie Musikfernsehen, da müsste Frau Weiss auftreten.

So. Und jetzt dürft ihr alle brüllen, dass sie sich für den Erfolg verkauft und damals vor Tumblr eh viel cooler war und alles.

Das gefühlvolle Lied

Der richtige Soundtrack macht aus einem sehr guten Film ein Meisterwerk und aus der Masse der „okay-ish“ gute Filme.

Neulich sah ich – weil Sonntag war und Sonntag nichts ist – zwei okayne Filme, die durch ihren Soundtrack gerettet wurden (und das letzte Filmdrittel), und einen, dessen Soundtrack das trotz guter Story und sympatischen Hauptcharaktere nicht schaffte. Fangen wir mit dem an.

Nick and Norah’s Infinite Playlist

Zwei, die offenbar gut zusammen passen würden, treffen sich recht zufällig bei einer Party und innerhalb einer Nacht werden eine große Zahl Teenie-Film-Klischees abgearbeitet: Die (Klischee) schwulen Sidekicks, die eifersüchtige Ex-Freundin, der verzweifelte Michael Cera, das fassettenreiche New York. An sich eine wunderschöne Geschichte und „Nick and Norah“ hätten eins der Film-Pärchen werden können, bei denen uns das Herz aufgeht. Aber es fehlt an zündender Musik, es gibt viele kleine Mängel und alles wirkt zu vollgestopft und übertrieben. Man flirtet zu sehr mit der aktuellen Jugendkultur und … die Zündflamme ist da, nur die Musik fehlt. Verdammt, ein Film mit dem Titel „Infinite Playlist“ und Musik ist so… nebensächlich. Grr! Anders verhält es sich bei…

The Art of Getting By

Jajaja, Klischeefilm. Danke. Freddie Highmore – kennt man vermutlich aus Charlie und die Schokoladenfabrik – spielt einen intelligenten Faulenzer, der sich mit einem Mädel anfreundet (Emma Roberts), die absolut nicht in seiner Liga spielt. Was anfängt als klassisches „Zwei finden sich“-Geschnulze macht einen netten Umweg ins „Ich verarsch dich nur“-Land, um dann doch wieder als Schnulze zu enden. An sich ein bestenfalls okayener Film, wenn meine geschundenen Ohren nicht „Here“ von Pavement hören dürften.

So wie „Where is my mind?“ von den Pixies den – finde ich nach dem fünften Sehen – etwas langatmigen Fight Club hervorragend abschließt, so rettet auch das gut gesetzte und bildsprachlich aufgenommene Lied einen Okayenen Film hin ins Töpfchen („Die guten ins Töpfchen, die schlechten…“). Deshalb verehre ich auch die Rocky Horror Picture Show. Sehr gelungene Musikstücke in Bild gesetzt und… ein ereignisreiches Ende.
Den Wert des letzten Filmdrittels schätzt ja auch Adaption. von Charlie Kaufman und Spike Jones. Darin geht es irgendwie um Schreibblockaden und wie man einen guten Film macht und das Leben von verschiedenen Personen. Und darin heißt es: Das letzte Drittel entscheidet. Das ist das, woran sich die Leute erinnern. Das muss gut sein.
Dieses letzte Drittel meistert mein letzter Film vergangenen Sonntag…

It’s Kind of a Funny Story

Der dritte im Bunde ist ein Film über einen Aufenthalt in der Psychiatrie. Dank einer sehr gelungenen Musikeinlage – „Under Pressure“ von Queen und David Bowie – und dank dem großartigen Zach Galifianakis in einer ernstzunehmenden Rolle – ja, wirklich! – ein guter Film. Natürlich kommt ein Film über einen Psychiatrie-Aufenthalt nicht ohne obligatorisches „Where is my mind?“-Cover aus. In dem Fall von dem bezaubernden französischen Pianisten Maxence Cyrin. Natürlich gibt es eine Liebesgeschichte mit Problemchen (aber angenehm gerafft und ohne zu großen Schmalz) und den üblichen Coming-Of-Age-Quatsch. Dennoch, eben vor allem wegen der Musik, ein guter Film.

Deshalb funktionieren – für mich – auch viele Komödien. Eine gut geschnittene Szene mit angenehmer Musik rettet oft einen ganzen Film. Ein gutes Ende – wie das flotte, aufgeweckte Ende von The Five-Year Engagement (ja, ich schau manchmal ganz gerne Filme mit Jason Segel.) – rettet oft den ganzen Film. Wenn uns die Musik im Herz berührt und die Bilder das unterstützen, wird es fast egal, wie mies der Film drum herum ist. Eine Szene verändert den ganzen Film.

Stellen Sie sich nur vor, dass Harry Potter am Ende der Filmreihe unter der Treppe aufwacht. Bäm! Alles anders. Stellen Sie sich Shining mit einem Tanzpolka im Soundtrack vor. Oder Star Wars ohne Orchester.

Eine gute Szene, ein gutes Musiksück, ändert alles.

Das Internet ist weit weg.

Kennen Sie „Narnia“? Diese irre Buch- und Filmreihe, in der Kinder durch einen Schrank in eine andere Welt kommen und… um ehrlich zu sein habe ich nie eine Zeile des Buches gelesen oder einen der Filme gesehen. Aber manchmal, wenn ich darüber nachdenke, wie das Leben so ist und warum wir uns verhalten, wie wir uns verhalten, dann denke ich, dass Computerbildschirme in all ihrer Bitterkeit doch unsere Schranktür in ein Narnia sind.

Die Schauspielerin Angela Trimbur machte vor etwas über einem Jahr eine schlimme Trennung durch. Weil sie sich besser fühlen wollte, schnappte sie sich eine Kamera und ihren Walkman (oder wie auch immer die Dinger heute heißen) und tanzte. So als ob niemand zusehen würde.

I was going through a terrible breakup. I needed to feel better so i did a solo flash mob. One take. No one was warned. It was fun and it worked!

Das Ergebnis stellte sich in ein paar Videoportale und drehte im Verlauf des Jahres noch zwei weitere „Dance like nobody’s watching“ am Flughafen und im Einkaufszentrum. Das ganze ging dann auch seine Übliche Runde durchs Netz, nur dass das erste Video geogefickt war und deshalb an mir vorüber ging.

Dance Like Nobody’s Watching: Laundromat from Angela Trimbur on Vimeo. Song: Lykke Li „I’m Good, I’m Gone“

Warum wir uns eingestehen, so anders sein zu dürfen im Internet, hatte ich bis vor kurzem nicht so richtig verstanden. Ein Blogfreund schrieb mir aber – und ich reiße diesen Satz hier aus dem Kontext – Mein Blog ist meine Außenstelle, und du bist ein Teil davon. Anders gesagt: Das Internet mit seinen Blogs und schrägen Videos und der Chatkultur ist unser kleines, privates Narnia. Ein Ort, an dem wir gehen können und der – durch seinen anderen Kontext – uns selbst ändert und zulässt, dass wir anders – freier? – sein können.

Es würde nicht funktionieren, wenn wir alle aufeinander sitzen würden. Wir können nicht alle in eine große Komune ziehen und dann genauso weiter reden und erzählen, als würden unsere Zuhörer am anderen Ende der Welt sitzen. Nein. Zum einen brauchen wir den Sicherheitsabstand. Thomas Matterne muss sicher sein können, dass ich nicht drei mal die Woche plötzlich vor seiner Haustüre stehe und ihm irgendwas zu seinen Postings erzähle. Alex muss sicher sein, dass ich nicht nachts um drei bei ihm Klingel um mir ein Nudelsieb auszuleihen (was er dann nie wieder sieht).

Es ist wichtig, dass die Welt hinter dem Schrank nur zu uns kommt, wenn wir dies wollen. Wenn wir dafür bereit sind. Andererseits ist es natürlich eine Lüge, dass irgendwas hinter diesem Schrank wäre – erst recht keine Welt. Die Menschen, mit denen wir hier Zeit verbringen – wollen! -, sind nur weit genug weg, damit wir sie nah an uns heran lassen können.

Die Welt ist groß genug, um sie nicht mehr zu begreifen sondern zu leben. Und wir können uns freier verhalten, weil unsere Spucke im Meer der Information höchstwahrscheinlich niemand interessiert.

Narrenfreiheit für jedermensch in Narnia hier deinem Computerschirm.

(Und in Wirklichkeit hab ich nur nen Ohrwurm von dem Lied und dachte, mit dem üblichen Bla drumherum sieht das Video nicht ganz so bitter aus.)

Warum blogge ich immer noch?

Bäm! Sieben Jahre, 2 Monate, 17 Tage, 12 Stunden und – lass mich kurz die Uhr checken – gut 30 Minuten blogge ich schon. Teilweise auf über 10 Blogs zeitgleich. Und trotzdem habe ich keine Ahnung, worum’s überhaupt geht.

Koljah, damals Teil der Anti Alles Aktion, rappt in „Du weiszt“ darüber, worum es geht:

Es geht doch immer um mehr als Musik zu machen
Es geht um Lieben und Hassen verschiedene Sachen
Um dies und das
Psychatrie und Knast
Spiel und Kampf
Genie und Wahn
Doch es geht auch darum n klaren Kopf zu bewahr’n
Und auch manchmal jemandem den Kopf einzuschlagen

(Egotronic: Du weiszt (feat. Koljah & Thai Phun) (Spotify).)

So dämlich das klingt, aber es geht um mehr als um das Bloggen. Es geht um Lieben und Hassen, und verschiedene Sachen. Es geht darum einen klaren Kopf zu bewahren. In letztgenanntem Sinne baue ich mir hier ein Gedächtnis auf. Eines, welches mich nicht täuscht. Ich selbst erzähle meinem zukünftigen Ich, wie ich war. Und weil es einen Einschnitt in meinem Leben geben soll, geben muss, deshalb blogge ich nun nicht mehr da, wo ich selbiges bisher tat, sondern hier. Glaube ich SMBC, dann ist das jetzt der richtige Zeitpunkt.

Glaube ich meinem halb leeren Zimmer im Elternhaus und fast vollständig eingerichteten Zimmer in der neuen WG, die allerdings eher noch eine Baustelle ist, dann ist das der verdammte richtige Zeitpunkt.

Glaube ich der verdammt großartigen letzten Fasnet und der nun folgenden (Einträge dazu folgen), glaube ich meiner Studienbescheidigung (Ich bin eingeschrieben für Skandinavistik), glaube ich meinem eigenen Gefühl, dann ist der der verfickt richtige Zeitpunkt.

Das meiste bleibt gleich. Es gibt dann aber auch wieder neues Zeug. Außerdem wollte ich zuerst wissen, ob ich mit WordPress und alledem klar komme. Die Antwort: Ja. Naja. Es gibt hier schon ein paar wirklich lesenswerte Einträge

Es gibt keinen Frieden zwischen Frühaufstehern und Wachbleibern, weil einer der beiden den Friedensschluss immer verschläft.

Dies Diskussion gibt es zurecht immer wieder: Nutze ich den Tag besser, wenn ich früh aufstehe oder lange wach bleibe? Beides hat seine Vor- und Nachteile. Vor allen Dingen wird eines der beiden Alternativen gesellschaftlich besser anerkannt.

Die lange Nacht hat ein Imageproblem
Niemand würde auf sein Straßenschild schreiben „Land der Wachbleiber“, ein Werbespruch wie „Land der Frühaufsteher“ wird aber tatsächlich von Sachsen-Anhalt verwendet. Weil diese Umfragen zufolge schon um 06:39 Uhr aufstehen. Der Durchschnittsbundesbürger ist 9 Minuten ausgeschlafener.
Mit frühem Aufstehen wird Arbeitsamkeit assoziiert, während Menschen, die lange wach sind als seltsam dastehen. Der Schlaf nach Tageswechsel, behauptet der Volksglaube, sei ungesünder. Mir ist keine wissenschaftliche Studie bekannt, die das bestätigen könnte. Meines Erachtens nach ist der Hass auf die Wachbleiber eine unsinnige und unnötige Diskriminierung. Ob ich besser tagsüber arbeite oder in den Abend und Nachtstunden hängt vor allen Dingen an mir. Keins von beidem ist von vornherein besser und jemand, der bewusst, weil von gesellschaftlichen Normen gezwungen, dann zu arbeiten versucht, wenn er eigentlich besser im Bett läge, ist alles andere als produktiv oder gesund.

Auch in meinem Freundeskreis erklärte mir jemand voller Stolz, was er heute schon alles geleistet habe und betete zugleich runter, wo er überall schon gewesen sei. Ich, da ich bin um die Mittagszeit schlief, nuckelte an meinem Tee und hörte nur so halb zu. Nun – Null Uhr Zweiundzwanzig – bin ich sehr motiviert, diesen Text zu schreiben. Sehr motiviert, E-Mails zu beantworten. Mein Kopf arbeitet ausgerechnet dann gut, wenn andere schlafen.

Größter Vorteil davon: Niemand stört. Versuche ich tagsüber zu Schreiben oder irgendetwas zu erledigen, kommt ständig irgendjemand und möchte etwas von mir. Erst jetzt, wenn die anderen das Bett hüten, habe ich Zeit und Muse, einen Text nach dem anderen zu verfassen, Blogeinträge anderer zu lesen, meine Uniwochen zu planen. Wenn auch der öffentliche Nahverkehr ruht, dann werde ich präsent. Schreibe Hausarbeiten, denke nach und schaffe mehr, als andere oft den ganzen Tag lang.

Ist das falsch?
Nein. Ich kann nichts dafür, wann ich gut arbeiten kann.

Ist das für mich dennoch problematisch?
Ja. Unsere Gesellschaft belächelt nicht nur die Wachbleibenden, sondern zwingt ihnen ihre unsinnigen Regel auf. Die Öffnungszeiten mancher Behörden sind dafür symptomatisch („Mittwochs 8 bis 10 Uhr“). Gerade traditionsreichere Institutionen (wie Universitäten und Schulen) neigen zu einer gewissen Verachtung des Wachbleibens, so, wie sie einst Linkshänder als „falsch“ wahrnahmen. Inzwischen setzen allerdings langsam Verbesserungen ein. Etwa ein langer Donnerstag in vielen Behörden.

Weil wir aber immer noch eine Minderheit sind und die Vorteile der Arbeitsteilung zwischen Tag- und Nachtmenschen noch nicht erkannt wurden, stehen wir noch am Anfang. Zwar fängt der frühe Vogel den Wurm, aber der faule Wurm lebt noch, wenn der fette Vogel schon von der ausgeschlafenen Katze gefangen wird (Frei nach Volker Pispers).

Ob man lieber lange schläft oder früher zu Bett geht, ist einem selbst überlassen. (An dieser Stelle bitte das „Why can’t we have both“-Meme vorstellen. Danke.)