Die Blogtheorie / Meine Zeilen und ich

unicat

Ich habe keine Lust mehr auf diese ständige Bloggerei. Wenn ich nochmal irgendwo ein verdammtes Reise-Blog von irgendeinem Mittvierziger lesen muss der sich selbst „Weltenbummler“ nennt (am besten noch mit Anführungszeichen) oder auch nur ein halbes Rezeptblog mit „supereinfachen“ Rezepten und Zutaten, die ich alle samt erst ergoogeln muss („Ah, das ist also eine Miami-Nuss?“), dann brennen hier aber Festplatten!

Es ist nicht so, dass mich Blogs an sich stören würden. Meins ist super. Mein wunderbares Blog könnte besser sein als all eure Möchtegern-Blogs zusammen. Nur, um es mit F.R. zu sagen: „[Ich bin ] [d]er technischversierteste Doubletimerapper des Landes, / ohne es in jedem Song zu zeigen, [denn] das ist anstrengend.“ (Spotify-Link). Es gibt auch noch ungefähr 150 andere ganz ertragbare bis teilweise sogar recht gute Blogs. Aber auch mindestens 2 Millionen WordPress-Wichsvorlagen, die einfach unerträglich sind. SEO-Scheiße, irgendwelcher Müll darüber, dass man ja so anders sei, weil man Werbung ablehnt und das Müsli morgens „bio“ ist oder weil man sich gerade so sehr weiterentwickelt.

Jetzt mal ehrlich, Leute. Das ist Unsinn.

90 % aller Einträge sind großer Mist. Nicht nur bei euch, auch bei mir. Jahre später steht man an einem Bahnsteig und plötzlich flammt ein Gedanke wieder auf, der in einem Blogeintrag entzündet wurde. Wer kann – außer den beknackten SEO-„Experten“ – ersthaft annehmen, er könne wissen, was in 5 Jahren von Bedeutung sein wird? Die Einträge, die ich am meisten verachtete, sind mir heute am wichtigsten. Die Devise muss also lauten: Machen.

Denkt nicht über Konsequenzen nach. Haltet euch keine Chancen offen. Macht einfach. Macht das, was ihr in dieser verdammten Sekunde gut findet. Schreibt einen Eintrag aus einem Atemzug heraus, und nicht aus stundenlanger Vorbereitung. Außerdem: Wenn ein tauber Beethoven einfach weiterkomponiert, als ob alles ruhig wäre, dann könnt ihr auch mit eurer Pseudo-Zukuftsangst einfach drauf losbloggen. Los! Macht euch keine Sorgen, weil ihr morgen etwas geschrieben haben könntet. Macht euch eher Sorgen, weil ihr aus Nicht-Gründen die Chance auf einen guten Song, einen guten Text oder einen tollen Kommentar versäumt habt. („Oh, ja, ich seh den Zaunpfahl.“) Oder um es mit xkcd zu sagen:

dreams: fuck. that. shit.
xkcd: Dreams

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Oder um es mit MoTrip zu sagen:

Äh, und was ist wenn…? (Egal, wenn sie die Wahrheit nicht verkraften
Deine Stimme wird auf Beats gelegt, und der Trip des Jahres ist im Kasten)
Und die Triptheorie? (Befolge diese ohne Widerworte
Geb‘ sie allen weiter, so wie sie dir überliefert wurde)
Meinst du echt? (Ja man, schau dir mal die Charts an
Deutscher Rap hat lang auf einem Baum gelebt wie Tarzan)
Und ich soll das ändern? (Nein, du bist schon dabei
Lass paar Tausender springen, Mann, was ist schon dabei?)
Ich wollte alles hier verein‘ (Doch dein Album wird die Szene spalten
Neues feiern und Vergangenes in Ehren halten
Du wirst all den anderen den Weg bereiten
Auch wenn man im Labyrinth begraben wird
Der Name wird für ewig bleiben – Trip)

Darf ich vorstellen: Das sind meine Rhymes und ich
Ich komm aus dem Libanon, wo die herkommen, das weiß ich nicht
(Wir begleiten dich bis zum Release und schreien Mo-mo-mo
Schreib die Triptheorie)
Die Triptheorie, deine Stimme plus die Technik
Mal die Flows geteilt durch Skills ist gleich der Inbegriff von Freshness
(Nimmst du das noch minus Wackness, minus Fake, minus Shit
Minus Hate – ergibt Trip)

– MoTrip: Triptheorie / Meine Rhymes & Ich (vgl. Rapgenius)

Übrigens finde ich die „Unicat“ so großartig, dass ich sie wohl als Logo verwenden werde.

Die Frau im Heizkörper

Es gibt Dinge, die müssen einfach so gemacht werden. Kleine Traditionen, Gewohnheiten und Rituale. Das abgeknubbelte Eck an der Bierflasche, der tägliche Blick ins soziale Netzwerk, dass man das Radio anzündet, wenn es Carly Rae Jepsen spielt, oder eben das erste Video in einem Blog. Für mich ist das stets „In Heaven (Lady in the radiator song)“ aus dem Film Eraserhead.

Lady in the Radiator (Eraserhead Vinyl-Soundtrack) – Photo by Sam Howzit (CC-BY)

Gesungen und komponiert übrigens von Peter Ivers im Jahr 1976. Laurel Near, Schauspielerin und Sängerin – die Wikipedia zufolge aber nur in Eraserhead auftrat – riskierte für den Film zwar dicke Backen (höhö), aber nicht ihre Stimme. Die Gesangsszenen lip-syncte sie „lediglich“ zu Peter Ivers‘ Song.

„Die Frau im Heizkörper“ weiterlesen

(boston)


(Direktbandcamp)

Eigentlich muss man über Allison Weiss gar nichts mehr sagen. Schließlich tourte sie erst neulich mit Lou Reed durch Europa (Na, wer hats verpasst? Ich natürlich) und ist sowieso der Innbegriff von Bekannt im Internet. Ich persönlich finde einige Lieder ganz großartig – beispielsweise obriges „Boston“, welches ich zuerst auf ihrem Live-Album „Live at Sidewalk NYC“ als „The End“ kennenlernte und mir sofort gefiel -, andere Lieder sind nicht so mein Fall.

Musik braucht die Industrie nicht.

Der neue Oatmeal-Comic „The state of the music industry“ geht ja gerade im Internet rum. Die Frage, die sich mir stellt, ist, ob nicht YouTube, Spotify usw. zu den neuen Riesen werden. Kann unsere Medienwelt ohne Querfinanzierung überleben? Ich bin da nicht sicher.

Nähe Eiffelturm

Letztlich brauchen wir jemand, der Musik filtert, gutes fördert und den Musikern die Chance gibt, gehört zu werden. Musiker sollten für ihre ersten Platten keine Ich-AGs gründen müssen. Ich glaube nicht daran, dass die Musikindustrie wie im Oatmeal-Comic in einem Eck sitzen wird und weinen. Viel mehr wird sie erkennen müssen, dass sie auch nur ein Anbieter von vielen ist und ihre Kunden nicht wie Kriminelle behandeln darf. Ist dieser – zugegeben, sehr große Schritt – geschafft, werden die genannten Künstler_innen-Verwertungs-Unternehmen vielleicht auch noch zu konstruktiven Mitgliedern des Kulturbetriebs.
Vielleicht. Im Moment habe ich da eher Grund zu zweifeln.

(attention)

Manchmal stolpert man aus irgendwelchen Gründen über einen YouTube-Kanal einer großartigen Band und ist dann überrascht, dass es so wenig darin zu hören gibt, wo doch das Vorhandene so unglaublich gut ist. Und dann beginnt man sich zu fragen, ob die Band wirklich großartig ist, oder man nur der extremen Verknappung aufgesessen ist, die dazu führt, dass man das wenige für unglaublich wertvoll erachtet. Andererseits … kann ich mir schwer vorstellen, dass ich Elisa Works nur deshalb gut finde, weil sich lediglich 4 Videos in ihrem YouTube-Account befinden. Meinen aktuellen Lieblingssong der vier hören Sie vermutlich jetzt gerade. Falls nicht warte ich so lange. Los. Ich hab Zeit. …