Die Mär des Gratisversands von STS-Postkarten

Grillen im Garten. Ein Pärchen erzählt von ihren Reisen und einer urbanen Legende, die es nun getestet habe. „Student to Student“, kurz STS, sei ein geheimer Service der weltweiten Postgesellschaften, mit der Studenten gratis Postkarten verschicken dürften. Statt eine Briefmarke schreibe man das Kürzel STS an deren Stelle und werfe die Karte ganz normal ein.
Begeistert zeigt er uns die Karte, die er sich selbst zugeschickt hat. Kein Poststempel, keine Marke, aber offenbar angekommen. Er verschickte nach dem gleichen Schema auch an seine anderen anwesenden Freunde Karten ohne Marke, berichtet er stolz.

STS Briefkasten

Im Internet gibt es zu dem Thema auch nur große Fragezeichen (beispielsweise bei gutefrage.net). Die Karten scheinen – zu einem großen Anteil – tatsächlich anzukommen. Aber, warum? Wild diskutieren wir alle Möglichkeiten durch. Korrupte Postmitarbeiter, die ihren armen studentischen Leidensgenossen eine Gefälligkeit erweisen? Ein gemeiner Gratis-Services der Post beruhend auf Gesetzen aus Kriegstagen (Stichwort: Feldpost)? Oder gar Irgendwas mit Aliens? (Dramatische Musik)

Die Karten, die meine Freunde erhalten haben, weisen eine Besonderheit auf: Mit einem blauen Holzmalstift ist 96 über die Empfängeradresse gekritzelt. Wir sind verwirrt.

Ich, ermüdet von all den Fragezeichen und Verschwörungstheorien und mit einer nicht zu versteckenden Vorliebe für das Postsystem, frage bei Heinz-Jürgen Thomeczek, Pressesprecher der Deutschen Post AG, direkt nach. Er antwortet mir folgendes (Hervorhebung von mir):

Das von Ihnen angesprochene Produkt gibt es weder im nationalen Bereich noch für Versande in das Ausland. Für alle Destinationen gibt es nur ein Produkt, das kostenlos angeboten wird – die Blindensendung. Diese ist im Empfänger- wie Absenderbereich auf eine bestimmte Gruppe, hier Blinde oder anerkannte Institute für Blinde, beschränkt. Eine entgeltermäßigte bzw. kostenlose Sendung für Studenten gibt es nicht.

Student-to-Student also nur eine urbane Legende? Höchstvermutlich ja. Aber warum kommen die Postkarten dennoch an?

Eine Antwort bietet die mysteriöse Zahl 96 auf unseren Postkarten. Normalerweise kostet eine Postkarte 45 Cent Porto. Fehlt die Marke, so darf die Post ein Nachentgelt von 51 Cent erheben zusätzlich zum fehlenden Porto. Holen Sie kurz ihren Taschenrechner raus, und blicken Sie dann schockiert über einer Taschenlampe hervor. SECHSUNDNEUNZIG. (Noch mehr dramatische Musik)

Wenn wir also Postkarten erhalten, bei denen die Marke fehlt, dann bekommen wir diese nur, weil es zu aufwendig wäre oder ganz unmöglich, den Absender zu ermitteln und der freundliche Briefträger besseres mit seiner Zeit zu tun hat, als von Ihnen die 0,96 Euro einzufordern.

Es ist also keine Kulanzsache und es zwingt auch kein altes Gesetz, Studenten nicht für Briefmarken bezahlen zu lassen. Der Aufwand für das Nicht-Zustellen bzw. das Kosten einfordern ist einfach zu hoch. „Student to Student“ ist kein Geheimtipp fürs Sparen und keine Abkürzung ersetzt die Briefmarke. Wenn wir aufs Porto verzichten sind wir schlicht: Schmarotzer.

Update: Die Postkarte, die mein Bruder erhalten hat, wurde abgestempelt.

Mit Touchnote die Welt verpostkarten.

(Warnung: Folgender Eintrag wurde nicht bezahlt, ist aber Anzeigenartig.)

Eigentlich wäre es ein leichtes, Werbemails zu 99,9% auszufiltern und nur noch persönliche E-Mails durchzulassen. Manchmal kommen aber auch Werbeemails, die echte Vorteile bringen. Eine dieser raren Exemplare erreichte mich Anfang der Woche. Seit dem verschickte ich noch fleißig Postkarten, als sonst.

Es geht in diesem Eintrag, um es gleich vorweg zu nehmen, um eine App zum Versenden von – echten – Postkarten. Man lädt ein Bild hoch, schreibt einen Text (zirka 220 Zeichen), gibt eine Adresse ein und das ganze wird gedruckt und versendet. Überall in die Welt. Für – normalerweise – um die 2 Euro.

Sie wissen ebenso gut wie ich, dass ich kein Experte für Apps bin. Erst kürzlich kritisierte ich bei meiner Heimatstadt, dass sie QR-Codes auf ihre Wegweiser klebt, die zu einer Desktop-Internetseite führt, die auf dem Smartphone nunmal fehlplatziert wirkt. Als Antwort erhielt ich für meine Kritik an der ausgelieferten Seite, dass ich doch bitte meinen QR-Code-Reader aktualisieren solle Wie dem auch sei: Ich habe diverse Postkarten-Apps getestet und landete irgendwann bei Touchnote. Es ist eine einfache, praktisch selbsterklärende App, die recht stabil läuft und letztlich genau das macht, was sie soll: Digitale Fotos in echten Postkarten umwandeln. Einziges – kleines – Manko: Die Postanschriften, die man in der Webapp und bei Facebook eingibt, werden nicht in die Android-App übernommen und umgekehrt. Um von mehreren „Devices“ aus Postkarten zu versenden gibt man somit auch mehrfach alles ein.

Jetzt kommt der Grund für diesen Eintrag: Das Londoner Unternehmen druckt und versendet nun – in Zusammenarbeit mit dem Olympia-Sponsoren Samsung – noch bis Ende August der Olympischen Spiele (sofern die Aktion nicht früher abgebrochen wird) weltweit umsonst. Die 45 Cent Versand und die sicherlich nicht unerheblichen Druckkosten übernimmt Samsung. Im Gegenzug steht in annehmbar kleiner Fläche Werbung auf der Rückseite der Postkarten.

Touchnote Postkarten

Innerhalb von 2 bis 3 Tagen kommen die Karten in aller Regel an. Sie sind mit einer Art glänzendem Überzug beschichtet und haben im Grunde die Qualität von Fotoabzügen. Ich bin hochzufrieden und spamme im Moment meinen halben Freundeskreis zu, wie man zum Beispiel bei Thomas Matterne und dem Briefkasten meines besten Kumpels sehen kann. Eine Freundin schrieb mir heute bestürzt, sie habe 7 Postkarten im Briefkasten gefunden. Ich nutze also diese vermutlich einmalige Gelegenheit schamlos aus und verschicke dutzende Postkarten. Sollten Sie also aus irgendwelchen Gründen einen zum bersten vollen Briefkasten haben: Sorry.

Zurückgepostkartet kann natürlich auch werden:
Hier die Aktionsseite von Touchnote (man kann auch über Facebook oder die Webseite Karten verschicken) und meine Adresse steht im Impressum. ;-)

Update: Offenbar gibt es eine Grenze. Als ich am Sonntag gut 170 Karten loszusenden versuchte, erhielt ich bald darauf eine Nachricht, dass all meine Bestellungen aufgrund eines Spam-Verdachts gesperrt worden wären. Im darauf folgenden E-Mail-Austausch teilte man mir mit, ich solle doch bitte in „moderatem“ Maß Postkarten verschicken.