Es fließt ein Fluss im Nirgendwo.

Jetzt studiere ich schon das vierte Semester in Tübingen und blicke bei den ganzen Bächen und Flüsschen immer noch nicht durch. Der große ist natürlich klar: Neckar. An dessen Ufer – naja, in zweiter Reihe – bin ich auch groß geworden. Aber wie verdammt nochmal heißen die anderen Flüsse?

Weil ich mich das jede Woche gefragt habe hier mal eine kurze Aufstellung:

Auf der Linken Seite (Unigebäude, Innenstadt) fließt die Ammer in den Neckar. Dabei macht sie einen superkomplizierten Weg: Durch die Innenstadt (aufgeteilt in „Ammer“ vorbei am Feuerwehrhaus und zwischen den zwei großen Einbahnstraßen und „Neue Ammer“ bei den Kneipen der Innenstadt, inklusive Diverser Zuflüsse wie z.B. dem Katzenbach, der an den Kliniken vorbei fließt).
Die Ammer fließt dann durch den Alten Botanischen Garten (Park unterhalb der Neuen Aula), weiter rechts der Wilhelmstraße, hinter dem Brechtbau vorbei, macht ne fesche Kurve da, wo die Wilhelmstraße endet. Dort nimmt die Ammer dann auch noch das Wasser des Goldersbach mit, der wiederum Wasser des Kirchgraben dabei hat. Entlang der Nürtinger Straße (das ist die Straße zwischen dem Ende der Gartenstraße und der Stuttgarter Straße) – man sieht die Ammer dort in ganzer Pracht und perfekt aus der Linie 22 – fließt sie dann schnurstracks in den Neckar.

Sehen wir uns das andere Ufer an. Dort gibt es den Mühlbach (Straßenname: Mühlbachäckerstraße), der sich zwischen Europastraße – also Hauptbahnhof – und Derendinger Straße kreuselt, bevor er durch den Park zwischen der Uhlandstraße und der Europastraße in den Neckar fließt. Zu Erwähnen wäre noch, dass die Straße „Am Mühlbach“ nicht am Mühlbach liegt, sondern in der Nähe des Endes der Ammer. Nicht weit vom Mühlbach, aber doch noch etwas größer ist die Steinlach, die umrahmt von Fürstenstraße und Steinlachallee (viele Bäume, nette Wohngegend) ihre letzten Meter dahinfließt, am Kino Blau Brücke vorbei in den Neckar. Das ganze sieht bisweilen ganz interessant aus, weil Steinlach und Neckar oft unterschiedliche Wasserfarben haben.

Die Ammer fließt von Herrenberg über Unterjesingen zu uns herunter. Die Steinlach kommt aus Mössingen. Beide fließen damit etwas über 20 Kilometer. Der Mühlbach ist, um das eindeutig zu sagen, aus der Steinlach gespeist und damit so ähnlich wie die Neue Ammer, die wir oben schon einmal erwähnt hatten.

Das ganze hat natürlich historische Gründe, wegen Stadtmauer und den vielen Tübinger Mühlen und und und, aber bis zum nächsten Kneipenbesuch reicht dieses Wissen schonmal aus.

160 Jahre heimliche Schwabenhymne und die Krux mit der falschen Quellenangabe.

Es gibt diese nette Legende, dass die erste Druckfassung der weltbekannten heimlichen Schwabenhymne „Auf de schwäb’schen Eisenbahne“ aus Tübingen stammt. Mehr noch: Aus einem Tübinger Kommersbuch von 1853 – also just drei Jahre nach der Eröffnung der Durchgängigen Strecke von Heilbronn im Norden über Stuttgart und Ulm bis nach Friedrichshafen im Süden am Bodensee.
Zahlreiche Liederbücher – allen voran „Was singet und klinget“ von 1926 – verweist auf dieses Tübinger Kommersbuch 1853. Auch die Wikipedia (Stand: 25. Januar 2013) verweist auf dieses Studentenliedbuch, welches Verbindungsstudierende mit in die Kneipen nahmen und ihre Lieder grölten. Das Bild passt einfach so schön: Das mit Biernägeln (wenn mal was verschüttet wird, wird das Buch dadurch nicht nass) bestückte Gesangsbuch als die Grundlage einer gesungenen Vereinigung Württembergs und schließlich des ganzen Südwesten.

Nur: Ein solches Tübinger Kommersbuch von 1853 gibt es nicht.

Das erste mal tauchte „Auf de schwäb’schen Eisenbahne“ in einem Tübinger Kommersbuch in der achten, erweiterten Auflage von 1894 auf. Dort wird es auch korrekt als hinzugekommen angegeben. Nun könnte man sich ja rühmen, obwohl man stets falsch zitiert wurde, dass dies die erste Druckfassung gewesen wäre. Im „Allgemeinen Liederschatz“ findet sich jedoch schon 1888 eine Version dies Liedes. Irgendjemand – wer ließ sich für mich nicht nachprüfen – hat da einfach die falsche Quelle angegeben und zahlreiche andere haben diese nicht überprüft. (Besonders lustig ist hierbei die Wikipedia, die zwar auf Literatur verweist, die ihren Angaben widerspricht, diese aber offenbar ignoriert.)

Zwei Löbliche Ausnahmen gibt es: 1987 wieß Otto Holzapfel in einem Aufsatz bereits auf diese falsche Quellenangabe hin (x). Vergangenes Jahr veröffentlichte dann Eckart Schörle ein wirklich bezauberndes und sehr gelungenes Buch „Auf de schwäbsche Eisebahne. Eine Schwabenhymne“ (Amazon (Partnerlink), x), auf dessen Text ich mich hier weitgehend berufe.

Wenn die Quelle „Tübinger Kommersbuch 1853“ nicht existiert, dann haben wir 2013 folglich auch kein Jubiläum. Oder doch?

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Einmal Gutscheine bitte.

    „Tübingen geschenkt“ ist das Gutscheinheft der WIT Wirtschaftsförderungsgesellschaft Tübingen mbH. Die Ausgabe erfolgt kostenlos an alle Neubürgerinnen und Neubürger, die sich mit erstem Wohnsitz in der Universitätsstadt Tübingen anmelden.“ – Impressum Gutscheinheft

Bäm! Wer seinen Erstwohnsitz nach Tübingen verlegt – mit einem supereinfachen Formular – bekommt ein Gutscheinheft der Wirtschftsförderung ausgehändigt. Was da drin ist (Stand Januar 2012) hab ich hauptsächlich für mich selbst hier mal aufgelistet.

Wie in allen Neubürger-Drucksachen gibt es auch im Gutscheinheft erstmal ein „Grußwort“ des regierenden Oberbürgermeister Boris Palmer, der dieses Jahr 40 wurde und der sich mit breitem Lächeln selbst und seine Stadt gerne mit Fahrrad präsentiert. So informieren die ersten Seiten vor allem über die Klimaschutzziele der Stadt, wie man Energie spart und wie toll die Stadtwerke sind. Aber, mal ehrlich, wir interessieren uns doch nur für die Gutscheine, oder? Also skippen wir das ganze und gehen die Gutscheine nach Themen sortiert durch.

(Keine Gewähr auf Richtigkeit oder Vollständigkeit der Angaben.)

Kulturangebote12 mal ermäßigter/kostenloser Eintritt, 4 mal weiterbilden, 3 Führungen und 1 Poster

  • Kostenloser Eintritt ins Tübinger Stadtmuseum. – Ersparnis immerhin 2,50 Euro. Ob man sich das ansehen will, erfährt man am ehesten auf deren Internetseite. Gibt immer mal wieder Sonderausstellungen und ab und an auch ziemlich interessantes.
  • Ermäßigter Eintritt in die Kunsthalle Tübingen.
  • Museum Schloss Hohentübingen – Freier Eintritt (Yay. Umsonst ins Museum. Wobei ich ehrlich gesagt von Hohentübingen nicht so beeindruckt war, kann aber auch daran gelegen haben, dass ich damals den vollen Eintrittspreis bezahlte und lieber ein paar Schritte davor im Schlosscafe halt gemacht hätte.)
  • Herbert Rösler-Poster umsonst von der Gruppe 91
  • Freier Eintritt in den Hölderlinturm
  • Volkshochschule – 5 Euro Kursrabatt
  • 10 % Nachlass bei einem Französischkurs
  • Familien Bildungsstätte Tübingen – 5 Euro Kursrabatt
  • 2 Monate kostenloser Schnupperausweis der Stadtbücherei – Für mich Kleinstädter ein riesiges Ding mit mehr Büchern, als ich je lesen können werde, und mit mehreren Außenstellen und einer zentralen Hauptstelle mitten in der Stadt ganz praktisch. Für Studenten aber – da diese ja die Universitätsbücherei nutzen können – nur halb interessant. Dennoch: 4 Euro (soviel kostet normalerweise der Schnupperausweis) gespart. Infos hier.
  • Stadtführung zum ermäßigten Preis – 2,50 statt 4,50 Euro
  • Kostenlose Teilnahme an drei geführten Fahrrad-Tagestouren des ADFC.
  • NABU – Halber Preis für Rad- oder Wandertour
  • 2te Karte umsonst im LTT
  • Zimmertheater Tübingen – Ermäßigte Eintrittskarte.
  • d.a.i – Gratiseintritt zu einer Veranstaltung im Deutsch-Amerikanischen Institut.
  • Freier Eintritt zu einer jamclub-Veranstaltung.
  • Zweite Karte Gratis für ein Heimspiel der WALTER Tigers Tübingen
  • Ermäßigter Eintritt zu einem Klassikkonzert. – www.konzerte-tuebingen.de
  • Sudhaus (Kulturveranstaltungen, Konzerte, Ziemlich großartiges Zeugs und gar nicht mal so unbekannte Künstler) – 3 Euro Nachlass an der Abendkasse oder ein Glas Sekt.
  • Osiander Buchhandlung – Gratis-Eintritt zu einer Veranstaltung

Fahrrad, Transport 2 Fahrradschläuche, 1 Reparaturset, 1 Einkaufsgutschein

  • Fahrradladen am Haagtor – Einkaufsgutschein im Wert von 7,50 Euro
  • dämpferklinik.de – Gutschein für Fahrradschlauch und heißen Espresso
  • Rad & Tat – Gratis Schwalbe Fahrradschlauch im Wert von 6,90 Euro.
  • TransVelo – Kostenloses Flickset und Reifenheber (Wert: 5,30 Euro)
  • teilAuto – Carsharing 3 Monate lang testen ohne Grundgebühr, ohne Anmeldegebühr, nur 50 % Kaution (Dieser Gutschein lohnt sich tatsächlich. Man spart nicht nur die 50 Euro Anmeldegebühr, sondern auch mindestens 200 Euro Kaution. Krass!)
  • Fahrschule Rieker – Kostenloses Lehrmaterial für agemeldete Fahrschüler.

Gesundheit, Einkaufen, KaffeeGünstigerer Haarschnitt, jede Menge Fitness, Getränke, günstigerer Einkauf, günstigere Zeitung und jede Menge Kaffee

  • Coiffure Velly – 5 Euro Rabatt auf den 12-Euro-Haarschnitt (oder irgendwas anderes für 12 Euro)
  • Kieser-Training – 4 Wochen für 19 Euro
  • Fitness & Gesundheits-Club Mapet – Rabatt im Wert von 99 Euro auf die Mitgliedschaft.
  • Easy Sports – 7 Tage Gratis testen
  • Freier Eintritt ins Tübinger Freibad.
  • Buch-Kaffee Vividus – 2 für 1 Getränkegutschein
  • Gratiskaffe bei Elektro Betz
  • Silberburg – 3 Hochland-Kaffee-Spezialitäten umsonst
  • der faire Kaufladen – 20 % Rabatt auf einen umweltfreundlichen Einkauf
  • Schwäbisches Tagblatt (Regionalzeitung) – Vier Monate abonnieren, nur 3 bezahlen.

EssenGratis-Bier, Gratis-Getränk, Frühstück, und zwei indische Gerichte, Kaffeespezialität

  • Delhi Palace – Ein vegetarisches Gericht oder zwei Gerichte à la carte gratis. Alternativ 5 % Rabatt auf einen Einkauf ab 30 Euro im „Delhi Shop“.
  • Gratis Neckarmüller Weiße hell 0,5 l beim Neckarmüller, gegen Abgabe der Adresse.
  • Verzehrgutschein über 3 Euro im Casino am Neckar
  • Kaffeehaus padeffke – Gutschein für eine Kaffeespezialität.
  • Istambul Restaurant – Beim Verzehr einer Speise ein Getränk gratis
  • Ludwigs – zweites „Süßes Frühstück“ umsonst

Banken, Versicherungen, SonstigesKostenlose Girokonten, Einkaufsgutscheine und Energiesparen

  • Volksbank Tübingen – Kostenloses Girokonto inklusive VR-BankCard (ein Jahr lang)
  • Kreissparkasse Tübingen – Kostenloses Girokonto inkl. Kreditkarte (ein Jahr lang).
  • Stadtwerke Tübingen – 30 Euro Einkaufsgutschein, wenn man zu ihrem Strom wechselt.
  • BUND – Kostenlose 14-tägige Ausleihe eines Stromverbrauch-Messgerät und ne Broschüre mit Energiespartipps

Ich werde wohl den Gutschein vom Inder nutzen – der hier direkt um die Ecke ist – und mich beim nächsten geplatzten Fahrradreifen vertrauensvoll an einen der Händler wenden. Der Carsharing-Gutschein, so verlockend er ist, kommt für mich aufgrund meines fehlenden Führerscheins nicht in Frage. Und das Neckarmüller-Bierchen darf man natürlich auch nicht verkommen lassen. ;-)

Zusammenfassend: Dieses Gutscheinheft führt einen nicht nur ausreichend in die wichtigsten Ecken der Stadt – von der Südstadt, über den gesamten Innenstadtbereich bis in die Gartenstraße und in den Norden, sondern macht auch mit den vielen vielen Kultur-Sachen vertraut, die man ansonsten wohl eher übersehen würde. Ich hoffe, dieses Gutscheinheft lohnt sich auch für die Wirtschaftsförderung, als Neubürger möchte ich es nämlich nicht missen.

2 Stunden Wartezeit völlig umsonst.

Die armen Leute, die sich dazu entschlossen haben, mir auf Twitter zu folgen, erfuhren es schon vorher. Innerlich habe ich meinen Geldbeutel abgeschrieben. Hier wie immer die ganze Geschichte.

Heute Nachmittag erstmal beim Bürgeramt um die Wette gewartet mit ungefähr 50 anderen Leuten, um dann nach Nummern-Aufruf an einen der zunächst drei (!) offenen Schalter zu kommen. Planung ist offenbar alles: „Hey! Lass uns das Bürgeramt nur einmal die Woche nachmittags aufmachen, aber dann nur zu einem viertel besetzen!“

Nachdem ich völlig frustriert endlich zuerst einen Sitzplatz (!!) ergatterte und dann sogar an den Schalter durfte, konnte ich endlich mein Formular zur Ummeldung vorlegen. Ergebnis: Die Mitarbeiterin tippt alles nochmal in ihren Computer. Hätte ich mir also auch sparen können. Obendrauf gibt’s einen Aufkleber auf den Personalausweis, ein Gutscheinheft des Wirtschaftsförderungsverband (das ich hier noch genauer beschreiben möchte. Vorweg: Ungefähr 512 Fahrradschläuche bekommt man geschenkt.) und ein Orientierungsheft mit gefühlt 99 % Werbung für Fahrradläden und Handwerker.

Ich, „Einer von uns, einer von uns“-denkend erstmal in die Wohnung gefahren, das bisschen Zeug das ich dabei hatte ausgeladen (Handtücher!) und schnurstracks wieder nach Rottenburg, nur um im Bus festzustellen: Fuck, wo ist mein Geldbeutel? Alles weg: EC-Karte, Blutspendeausweis, Perso mit neuem Zettelchen, Semesterticket, Gesundheitskarte, … alles. (Naja, außer Bargeld.) Hmpf. Kaum landet dieser Mist-Geldbeutel im GLS-Bankspiegel, will er die weite Welt sehen. Damn.

In Gedanken gehe ich nochmal den ganzen Tag durch. Überlege, wo ich ihn hingelegt habe. Schreibtisch. Bestimmt auf dem Schreibtisch. Später also mit meinen Freunden getroffen, mit diesen zur Wohnung gefahren und … nichts. Shit. Shit. SHIT!

Wahrscheinlich ist er im Neckar gelandet, als ich über die Brücke zur Haltestelle Brückenstraße rannte. Beim Abendessen erzählt mir mein Kumpel dann, er habe seinen Geldbeutel ebenfalls verloren. Ich bete herunter, wo ich am Donnerstag also alles nachfragen werde. Fundbüro der Stadt, Fundbüro der Bahn, Fundbüro der Stadtwerke (oder wo auch immer die Busführer gefundenes Zeug hinbringen), …

Irgendwo zwischen „Meh“ und „Shit“ fange ich dann an zu begreifen, dass ich daraus einen Eintrag machen könnte. Super Thema: Personalausweis erneuert bekommen und direkt verloren. Ich hätte in schillernden Worten beschrieben, was er nun wohl durchmachen würde…

Und dann befolge ich doch den Rat einer Freundin und leere alle Taschen und Rucksäcke des heutigen Tages aus. Eingepackt in ein Papierkneul: Der Geldbeutel. Als wäre nichts gewesen. Ich zugleich freudig und traurig.

Alles wieder da. Nur das gute Thema für den Blogeintrag, das ist jetzt weg.