Borta bra men hemma … går sönder.

Wolken

„Aber immer wenn ich nachdenk‘ wie dreckig es mir geht, fällt mir ein, ich bin der beste [Blogger] den es gibt.“ (Antilopen Gang: Absturz)

Meine Eltern ziehen gerade aus dem Haus aus, in dem sie seit der Geburt meines großen Bruders gelebt, gearbeitet und uns großgezogen haben. Es ist ein großes Haus in zweiter Reihe zum Neckar, das schon lange nicht renoviert wurde. Im Erdgeschoss ist das Blumenfachgeschäft meiner Eltern und wenige Schritte entfernt die Kirche des Stadtteils. In weniger als 5 Minuten ist man am Bahnhof, in nur wenig mehr Zeit in der Innenstadt.

In der Wohnung, in der ich momentan lebe, wird gerade renoviert (wie bereits seit meinem Einzug im Oktober). Es gibt immer noch keine Küche und weil die Wände neu verputzt werden wird meine Welt gefühlt immer kleiner. Alles, was in der zukünftigen Küche war – Wasser, ein paar wenige Küchengeräte, Geschirr, Lebensmittel -, steht nun in einem kleinen Regal im Flur.

Als ich einzog, nahm ich mir vor, sobald die Küche da sei eine Kleinigkeit zu backen und damit bewaffnet mich den Nachbarn vorzustellen. Die Zeit zog ins Land und ich dachte an Kanelbullar. Und dann dachte ich an Lussekatter. Und dann wurde es Frühling und dann Sommer und nichts war.

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Der Andere ist wieder da.

Eigentlich glaubt es niemand, ich am wenigsten, aber die Renovierung der Wohnung geht voran. Zumindest in kleinsten Teilen. Die Küche steht derweil in Warteposition (seit nun gut 10 Wochen), weil aufgrund des Wetters ein Heizkörper nicht entfernt werden kann, der der Küche im Weg steht und dessen Entfernung eine abgeschaltete Heizung voraussetzen würde. Auch die Waschbecken, der Austausch der anderen Heizkörper, das Abdichten der alten Heizkörper-Nischen, das Abschleifen der Türen, das Verputzen der Wände, die neuen Böden, das Verlegen von Kabeln, kacheln der Waschbecken auf den Zimmern … Die Liste, die sich mein Vermieter selbst aufgehalst hat, wird nicht kleiner. Bis auf einen Punkt, der tatsächlich verschwunden ist: Das Badezimmer hat nun einen Spiegelschrank! Wuh..u?

Habe ich darauf gewartet? Nein. Spiegelschränke sind mir reichlich egal. Sie sind praktisch, wenn man sich rasieren oder schminken will, aber ich stutze inzwischen nur noch. Dennoch bemerke ich eine Wesensänderung bei mir. Statt einem kleinen, Handgroßen Spiegelchen, das ein bewusstes Hineinblicken bedurfte, habe ich nun bei jedem Aufenthalt im Badezimmer – und das ist solange es noch kein Spülbecken in der Küche gibt überraschend oft – mein mittelprächtiges Gesicht vor mir. Ein großer, dreitüriger Spiegelschrank dominiert den Raum über dem Waschbecken. Ich bin also gezwungen, über meine Reflexion zu reflektieren. Bin ich schön? Nein, nicht einmal im Ansatz. Aber ich bin mit meinem Aussehen weitgehend zufrieden.

Ich erwische mich nun aber dabei, Grimassen zu ziehen, Katzen-Gesichter nachzumachen, wie Kramer zu tanzen, und ja, manchmal denke ich auch, was „Self-Help Cat“ im obigen Bild denkt. Mit einem großen Spiegel tritt mein eigenes Aussehen wieder in mein Leben.

Zoologischer Garten des Jenseits, Ecke Brückenstraße

Gestern hatte sich ein kleines Flugtier in Braun in mein Zimmer geschlichen. Ich lüftete und sah plötzlich etwas um meine Lampe (Regolit, falls es jemand interessiert. Das ist der große, kugelförmige Lampenschirm von IKEA, der mich entfernt an den Mond erinnert und mir deshalb gefiel.) kreisen. Leise, fast unhörbar. Dann bemerke ich den … Falter? Die Motte? Was auch immer es war. Das Tierchen war mit einem leisen Knall gegen das Papier geflogen und ein wenig ins Straucheln geraten. Ich öffnete die Fenster weit. Schaltete das Licht aus und verließ für einige Minuten das Zimmer, in der Hoffnung, das Tier würde angezogen vom Mondlicht nach draußen fliegen.

Nun. Dem war nicht so. Die Nacht über rührte sich nichts. Überhaupt nichts. Als ich morgens aufwachte lag vor meinem Fenster – ausgerechnet vor meinem Fenster – aber ein toter Vogel. Ohne Kopf, mit prächtigem Bauchgefieder mit Punkten und zirka 15 Zentimeter groß. Ich vermute, die Katze, die hier im Haus wohnt, hat den Kopf verzehrt und mir den Rest als böswillige Nachricht hinterlassen. Vermutlich, weil ein Pferdekopf zu schwierig zu beschaffen war und meine Wohnungstüre abgeschlossen.

Jedenfalls weiß ich nicht, was ich tun soll. Den Vogel liegen lassen? Oder irgendwo begraben? Eigentlich ist längst zuviel Zeit verstrichen, als dass ich noch irgendwie angebracht handeln könnte. Ich will ihn nicht in den Mülleimer werfen – schließlich hat das dieses Lebewesen nicht verdient und ich besitze in dem Sinne noch keinen Mülleimer -, andererseits fühle ich mich auch nicht im Stande, dem Tier ein würdiges Begräbnis zu bereiten. Ich kannte es ja nicht und so wirkt es doch nur sehr verlogen.
Ich kann auch niemand darum bitten, es zu tun. Insgeheim hoffe ich, dass einer der Nachbarn – vielleicht der nette Herr mit dem Kind -, den gestorbenen Vogel beseitigen wird. Zum einen hätten diese auch die Möglichkeit, zum anderen auch den Mut, diese Tragödie in die Hand zu nehmen. Vielleicht erscheint auch mein Vermieter morgen, der als Aussenstehender in dieser Situation noch nicht in der Handlungsstarre festgesetzt ist und vielleicht eine Lösung parat hätte.

Als ich dann schlafen gehen wollte sah ich den Falter wieder. Er flog ein Stück, und setzte sich dann auf mein Federmäppchen. Vorsichtig trug ich ihn oder sie zum Fenster. In der Hoffnung, draußen in der Freiheit würde er_sie davon fliegen. Doch er_sie flog nicht. Ich schüttelte ihn_sie ab und habe nun auch seine_ihre Seele auf meinem Gewissen. So, wie auch die Spinne, die hinter dem Vorhang ihr Netz webte – ein kleines Meisterwerk -, und die ich im unachtsamen Lüften vor ein paar Wochen zerdrückte.

Kleine Katastrophen, die Lebewesen den Tod bedeuten, sind doch fast alltäglich. Und trotzdem hasse ich mich für jeden einzelnen Atemzug, den ich verhindert habe.

Print ist tot. Ein Zombie-Jagtbericht.

Briefkästen

Ich gebe es zu. Ich komme aus einem Haushalt mit Tageszeitung. Jeden Morgen gegen Fünf wurde sie uns an die Tür gelegt. Druckfrisch, so dass die Finger schwarz werden und die Buchstaben verschmieren. Als Kind fand ich es immer irritierend, wenn andere eine andere Zeitung lasen oder – Oh Gott! – gar keine abonniert hatten. Inzwischen wohne ich in einer zukünftigen WG-Wohnung allein. Um mich herum wird alles renoviert und die Böden herausgerissen und Steckdosen schmoren durch und Tapete wird heruntergerissen und in großen, blauen Säcken davongetragen.

Sobald dies eine WG ist will ich eine Tageszeitung. Es gehört einfach so. Nur: Wie entscheidet man sich für eine?

Seit ich denken kann liegt jeden Tag auf dem Frühstückstisch das Schwäbische Tagblatt.

Meine Eltern hatten sich das Schwäbische Tagblatt abonniert. Vermutlich irgendwann in den 80ern, als sie in unser Haus einzogen. Vielleicht sagten sie sich auch erst, als das erste Kind, mein Bruder, richtig gut lesen konnte und das Dritte – ich – geboren wurde, dass man nun eine Zeitung haben müsse. Vielleicht haben sie das Abo auch von meinen Großeltern übernommen, die zuvor in diesem Haus wohnten und meinen Vater großzogen. Jedenfalls gehört die Zeitung dazu.

Ich kann auch verstehen, warum sie das Tagblatt wählten. Zum einen gibt es einen regionalen Teil namens „Rottenburger Post“, der mit Berichten, Leserbriefen und Todesanzeigen alles umfasst, was im „Städle“ so vor sich geht. Zum anderen war zwischen 1969 und 2004 Christoph Müller Chefredakteur des Tagblatt, der die Zeitung zu einer der besten Regionalzeitungen Deutschlands machte (wie z.B. die taz 2004 schrieb). Aber vielleicht wurde auch nie hinterfragt, warum man das Tagblatt liest.

Mein Vater ist der klassische Frühaufsteher. Es gehört zu seinem morgendlichen Ritual einen Kaffee zu trinken und die Zeitung von unten zu holen. Nur wenige Male war ich früh – oder lang – genug wach, um die frische Druckerschwärze zu richen und als Erster das ordentliche Bündel aus Welt-Regional-Sport-Kultur-usw. zu entwirren. Ich selbst las am liebsten die Umschlagseiten mit Meldungen aus der Welt und Kommentaren. Mein Vater erfreut sich am Regionalteil und – berufsbedingt als Gärtnermeister – am Wetterbericht. Meine Mutter und mein Bruder lesen auch gerne den Rottenburger Teil. Er hat zudem – von Berufswegen als Florist – Interesse an den Todesanzeigen und – privat – Freude am Kulturteil. Wenn ich mehr als die Titelzeilen las, dann, weil mir ein Familienmitglied einen Text vor die Nase hielt oder weil es ein für mich interessantes Thema war – also meist Fasnet, Bildung, Internet. Manchmal schrieb ich auch Leserbriefe, wenn irgendwelche Dinge falsch dargestellt waren, nur um zu merken, dass man mich nicht versteht. Wie z.B. das QR-Code-Debakel von 2000irgendwas. Manchmal stand ich auch selbst in der Zeitung (jedoch noch nie mit Namen).

Papierberge lesen mehr was für dich.

Ich will keine Zeitung abonnieren, mit der man einen Zombie K.O. schlagen könnte – selbst wenn ich diese Entscheidung mal bereuen werde. Ich wurde deshalb auch nie mit Wochenzeitungen warm und kann überhaupt nichts mit der FAZ oder Süddeutschen als Printausgabe anfangen. Schlicht weil mir bewusst ist, dass ich nicht mehr als 50 Minuten am Tag mit Zeitungslesen verbringen werde und dafür eine größere Papiermenge zu verschwenden, als für die letzten sieben Romane, die ich las? Nein. Unfair gegenüber den Austräger_innen sind 12-Tonnen-Tageszeitungen auch. Und Bild? Die ist mir einfach zu doof.

Dabei hatte ich schon Zeitungen abonniert. Beispielsweise das Handelsblatt. Es gab damals diese irre Idee ihres Chefredakteurs, die Zeitung 100 Tage lang (?) für umsonst haben zu können, wenn man ihm eine Email schreibt. Das ganze klang wie das letzte Aufbäumen vor der Schließung und weil ich hoffte, mein Abo könne die unausweichliche Insolvenz ein bisschen beschleunigen, abonnierte ich. Übrigens zum großen Missfallen meines Vaters, der mit diesem Wirtschaftsblatt auch nichts anfangen kann.

"Weltrettungsprojekt"

Hier in der Tübingen WG for One habe ich nun auch eine Zeitung probeweise abonniert. Drei Wochen lang bekomme ich – kostenfrei – die laut Verfassungsschutz linksextreme „junge Welt“. 16 Seiten, die ich morgens beim Frühstück gemütlich durchblättern könnte, wenn die Post hier nicht erst um die Mittagszeit käme. Im Moment ist das kein Problem, weil ich bewusst versuche lang zu schlafen. Inhaltlich gibt es eine ganze Menge Geschichten, die ich so zum Beispiel auch bei fefe gelesen hätte (ob das jetzt gut oder schlecht ist, wer weiß). Es gibt auch eine ganz nette Fernsehkritik („Nachschlag“) auf der vorvorletzten Seite. So richtig überzeugt bin ich aber noch (?) nicht.

Eventuell probiere ich als nächstes die taz. Die ist zwar immerhin 20 Seiten stark, und kostet mindestens 23,90 Euro (5 Wochen auf Probe gibts schon für 10 Euro), aber mit der liebäugele ich schon länger, lese auch gerne mal online auf taz.de (bezahle auch manchmal dafür) und ich kann mir vorstellen, dass diese auch eine Zeitung wäre, für die man dann die WG begeistern könnte („In den Mietkosten ist noch die Tageszeitung mit drin. Da zahlt jeder dann so um die 5 Euro im Monat für.“).
Achja, und: Hier in der Straße wird die taz morgens von einem Boten gebracht.

Die taz hat also einige Vorteile. Aber ist sie die richtige Zeitung für mich? Hm.

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Was sind die Alternativen?

(Miiiiilchmäden-Time! Yeah!)
Als Student kann man bekanntlich günstig Zeitung lesen. Ich hab mich mit einer Freundin mal durchgeklickt. Wochenzeitungen wie der Freitag (8,60 Euro) sind verständlicherweise außen vor. Falls ich was übersehen – oder falsch gelesen – habe, bitte melden. Am günstigsten ist vermutlich im Studententarif die WAZ. Das Blatt kostet mich als Student 13,50 Euro. Tagesspiegel aus Berlin gibts für 16,20 Euro. Bild kostet für Studenten 17,90 Euro.

Für mich Studierenden gibt es dann noch das „obere Preissegment“. Das fängt an beim Semestertarif des örtlichen Schwäbischen Tagblatt für 18,70 Euro vor Ort (bzw. 20,90 Euro per Post). Die Frankfurter Rundschau kostet 19,75 Euro pro Monat. Die „sozialistische Tageszeitung“ neues deutschland schlägt mit 19,90 Euro zu Buche. Die Stuttgarter Zeitung möchte gerne 21,90 Euro von Studenten. Das Handelsblatt bekommt man für 22,92 Euro. (Ob sich das rechnet?) Die taz ist mindestens 23,90 Euro wert. Die junge Welt kostet 25,10.
So. Die großen Brummer kommen jetzt: Die Welt: 42,90 Euro. FAZ: 46,90 Euro. Süddeutsche: 51,90 Euro.

Wenn ich auf Nahrungsmittel verzichte und nachts arbeiten gehe könnte ich auch alle erwähnten Tageszeitungen abonnieren und damit den Printstandort Deutschland retten. Im Alleingang! Und das für lediglich 341,77 Euro pro Monat plus die Kosten für fünf weitere Briefkästen und 2 Altpapiercontainer, die täglich geleert werden müssen, damit ich hier nicht ver-messie-e.

Ob das wirklich reicht um den Zeitungsmarkt vor dem bösen Internet zu retten?
Wer weiß.

Gezeitenwende.

Das Problem des Öffentlich-Rechtlichen Rundfunks ist nicht, dass dort nur überbezahlte Pappnasen arbeiten. Das Problem ist auch nicht, dass dort Gelder verschwendet werden würden. Verstehen Sie mich nicht falsch. Die Verschwendung von öffentlichen Geldern ist ein Problem, sogar ein sehr Großes, aber es ist mit Sicherheit nicht „das Problem“, welches die öffentlich-rechtlichen Sender im Moment haben. Das Problem ist, dass es für jeden Einzelnen sichtbar wird.

Oft wird gerufen, die 9,1 Milliarden Euro, die die Öffentlich-Rechtlichen Sender in Deutschland Jahr für Jahr „verbraten“ wären viel zu viel. Bringen wir das mal in Relation: Beispielsweise die Bundeswehr hat dieses Jahr einen Etat von 31,68 Milliarden Euro. Allein die Universität, an der ich studiere, hat ein jährliches Haushaltsvolumen von 670 Millionen Euro, also 0,67 Milliarden, wovon 0,07 Milliarden nicht von Bund und Land kommen.
Oder anders gesprochen: Die Bundeswehr ist 47 Uni Tübingens groß, der öffentlich-rechtliche Rundfunk immerhin noch 13,5 Uni Tübingens.

Was verzichtbarer für uns ist – ein Dutzend Universitäten, der öffentliche Rundfunk oder die Bundeswehr – darf man sich jetzt selbst denken.

Natürlich könnte man diese Gelder sinnvoller einsetzen. Beispielsweise könnten wir alle, die die Rundfunkanstalten finanzieren, dieses Geld dafür verwenden, um die Schulden des Saarlands zu tilgen. Im März waren das 16,015 Mrd. Euro. Vorrausgesetzt, das Saarland macht keine neuen Schulden, wäre es nach zwei Jahren schuldenfrei. Und vom Rest (2,185 Milliarden) könnten wir immer noch 11,5 Millionen Badewannen (Amazon-Partnerlink) kaufen. Also fast zwei für jeden der 6.222.000 Arbeitslosengeld-II-Empfänger.

Und wenn die Schulden des Saarlandes getilgt sind und wir 11,5 Millionen Badewannen haben, dann können wir darin den Reis verteilen, den wir neulich in einem anderen Eintrag verteilen wollten. Falls sich jemand erinnert.

Das.. joah. Würde das Geld für die Rundfunkanstalten ebenso undurchsichtig und verschwoben durch 12 Dutzend Töpfe aus unseren Hosentaschen fließen – wie es beispielsweise bei der Kirchensteuer ist -, dann würde es vermutlich niemand stören, dass die Öffentlich-Rechtlichen Fernsehsender Geld „verschwenden“. Die GEZ ist nicht weiter aufgeblasen als Beispielsweise die GEMA, die INSM oder deine Mutter die Bundeswehr, aber ihre – angeblichen – Fettpölsterchen stehen im Sonnenschein für jeden Sichtbar. Erst dadurch, dass sie anders als beispielsweise der BND (Kosten: 504,8 Millionen Euro) zur Transparenz verdonnert sind, können sich Leute darüber aufregen und finden damit Gehör.