Katzenupdates

Wie versprochen (ich weiß ehrlich gesagt nicht mehr, wem ich das versprochen habe, aber irgendwer wird sich schon angesprochen fühlen) fragte ich heute einen der Nachbarn, wohin die Katze denn gehöre, die hier im Innenhof herumstreune.

Ich frage vor allem, weil ich neulich unbedacht die Haustüre öffnete und einer Kanonenkugel gleich dieses Haarige Tier an mir vorbeischleuderte. Ich – davon ausgehend, sie sei Streunerin – also hinterher, ein Stockwerk, ein zweites Stockwerk und dann bleibt die Katze zielstrebig vor einer Türe stehen, miaut sehr laut und legt sich dann auf die Fußmatte. Unsicher, ob sie mich nun ausgetrickst hat oder tatsächlich dort wohnt, rannte ich zur Bushaltestelle.

Nun weiß ich es also: Die Katze gehört der (so was wie) Hausmeisterin aus dem zweiten Stock. Allerdings, und darüber sprach ich dann mit meinem sehr netten Herrn Nachbarn noch ein wenig, habe die Katze die Angewohnheit, auch in Fremde Wohnungen einzukehren. Um dort sämtliche Haare zu hinterlassen und sich unter/hinter Möbel zu verstecken.

Wäre ich 4 Monate später geboren, würde ich nun einen Beitrag zum Scumbag-Cat-Meme leisten, aber ehrlich gesagt mache ich doch lieber noch etwas Schwedisch.

Eine Wohnung, ein Beitrag

Bekanntermaßen versuche ich im Moment ausschließlich von dem außergewöhnlich hohen „Taschengeld“ zu leben, welches mir meine Eltern unter anderen auszahlen können, weil sie für mich noch Kindergeld erhalten. „Kindergeld“, das sind in Deutschland so um die 184 Euro (eine Zahl, die mir seit Monaten im Kopf herumschwirrt). Davon erhalte ich seit ich studiere satte 100 Euro von meiner Mutter monatlich per Überweisung.

Da ich hier keine Miete zahle (die Wohnung läuft als „Eigenbedarf“, deshalb bekommt mein Vermieter/Onkel im Moment kein Geld von mir) geht das noch so halbwegs, auch dank den Rücklagen, die ich in meiner Jugend bilden konnte beziehungsweise die für mich gebildet wurden und natürlich der Nahrungsmittel und anderen geldwerten Unterstützungen durch meine Eltern und meinen Bruder.

Nun lese ich – weil sich @mykke_ heute morgen darüber aufregte – auf www.rundfunkbeitrag.de, dass ich hier ab Jannuar als Bewohner einer Wohnung satte 17,99 Euro bezahlen werde. Ein Zehntel des Kindergelds, ein FÜNFTEL meines verfügbaren Einkommens. Bäm.

Ich befürchte schon, auch den Luxus des montäglichen Mensabesuchs zugunsten von Knäckebrot aufgeben zu müssen, nur noch wöchentlich duschen zu können oder weitere 5 Monate für Schuhe ohne Löcher sparen zu müssen. Ich leiste mir zwar wirklich einige Luxus-Güter, trinke ab und an auch mal ein Bier in einer Kneipe, aber 17,99 Euro zusätzliche Ausgaben bedeuten schlicht: Ich habe noch weniger Geld in der Tasche ohne auch nur eine theoretische Steigerung der Lebensqualität.

Ich könnte übrigens auch wie eine Freundin von mir für diesen Betrag drei Stunden pro Woche hart Arbeiten. Plus ne Stunde Hin- und Rückfahrt. Yeah. Ich such mir jetzt einen Nebenjob, damit Fernsehsender und Radioprogramme finanziert werden, die ich nicht schauen kann, weil ich dafür ja die ganzen Zeit arbeiten muss. (Logik, fuck yeah!)

Alternativ kann ich auch wie eine andere Freundin vierzig Stunden die Woche schuften, um nachher vierhundert Euro zu bekommen. Die zahlt genauso Miete wie du und ich (ja, also, ich im Moment weniger, äh, Du weißt worauf ich hinaus will). Sie zahlt auch ihre GEZ-Gebühren, fährt jeden Tag zur Arbeit und macht – Trommelwirbel! – unbezahlte Überstunden! Mal sehen, wie sie sich freut, wenn ich ihr das nächste mal erzähle, dass sie sich zwar immer noch keinen Fernseher leisten kann, nun aber genausoviel Beitrag zahlen wird, als hätte sie einen.

Nun gut. Immerhin empfange ich hier kein Fernsehen, also muss ich auch nicht sehen, wie Geld für so einen Unsinn wie Börsennachrichten, SWR-Quizshows, ARD-Talkrunden, den Tatort, Rosamunde Pilcher oder – ja, genau! – ARD-Brennpunkte verschwendet wird. Dann müsste ich wohl wirklich heulen.

Mein Bauch weiß nicht, wo ihm der Kopf steht.

Immer noch keine Küche. Immer noch pleite. Immer noch verschnupft.

Wenn man drei Tage lang praktisch nichts anderes isst als Knäckebrot, Nudeln und Toastbrot und dann – weil der geliebte Bruder vorbei kommt – man tatsächlich etwas vorgesetzt bekommt, was nicht nur „Essen“ ist, sondern auch wie solches richt und schmeckt, dann rebelliert erstmal mein Magen.

Ich weiß nicht, was das soll. Es ist ja jetzt nicht so, dass ich und mein Verdauungssystem besonders gute Freunde wären, aber das, was dieses heute Abend gemacht hat, nehme ich ihm schon sehr übel. Das Schnitzel „Wiener Art“ mit Spätzle – ein Gaststätten-Klassiker! – schaffe ich nicht einmal bis zur Hälfte, weil mein Magen schon viel zu früh laut „Stopp“ brüllt und dann versemmelt es der Kellner auch noch, die Reste mir – wie versprochen! – einzupacken. Ein halbes Schnitzel und eine – naja, kleine – Handvoll Spätzle einfach so vergeudet!

Ich setze mich ja in aller Regel nicht für Tierrechte ein (genau so wenig, wie ich mich für Menschenrechte einsetzen würde, insbesondere vor einer Spezies, die sich selbst als „höher“ betrachtet) oder beschwere mich bei Nahrungsmittelverschwendung, aber ein Abendessen, welches voll bezahlt wurde aber nur halb gegessen, das geht mir schon schwer runter.

Neulich Nacht wachte ich auch wiedereinmal schweißgebadet und weinend auf, einfach, weil ich von dem Schnitzel geträumt hatte, welches ich vor gut einem Monat in einer anderen Gaststätte zwar einpacken ließ, dann aber dort vergas. Ein Schnitzel! Ein ganzes Schnitzel! Von einem Tier, das extra für mich geschlachtet wurde (naja, nein, aber, du verstehst was ich meine). Ein ganzes Schnitzel, für das der volle Preis gezahlt wurde, und welches dann doch im Mülleimer landete! Eingepackt in Alu-Folie! Und ich wache noch Wochen später weinend und angstschwitzend auf, weil ich von der ganzen Szenerie träumte.

Ich würde mich ja wegen meiner neuerlichen Fixierung auf Nahrungsmittel und deren – ideellen, finanziellen wie materiellen – Wert in psychologische Beratung begeben, aber … 10 Euro Praxisgebühr … das sind … fast Sieben ein Viertel Kilo Nudeln!

Home is where the wifi is.

Ich erwische mich seit einer Weile dabei, dass ich Probleme habe mit dem ganzen Wortfeld rund um „Daheim“. Meine Deutungsschwierigkeiten beziehen sich dabei nicht nur auf meine eigene Verwendung des Begriffs, auch O., der offiziell in seine Gartenhütte gezogen ist und nun dort gemeldet, erhält von mir stehts verwirrte Nachfragen, wenn er vorschlägt „treffen wir uns bei mir“. Wo ist das? Wo ist „zuhause“?

Vor einigen Jahren behauptete ich halb im Scherz, halb ernstgemeint, Zuhause ist wo man das W-Lan-Passwort hat. Inzwischen habe ich aber die Verschlüsselungscodes für Martina, das Netzwerk in meinem Elternhaus, Boden in meiner Wohnung, SELTAEB in Elternhaus von O., rosablümchen in seiner ehemaligen Studentenwohnung, selbstverständlich für 802.1x an der Uni Tübingen und noch dutzende W-Lan-Verschlüsselungen (KULT, Hades Gastzugang, …) in allen möglichen Kneipen und Gaststätten (Was fehlt: Eine Liste aller Tübinger Gaststätten-W-Lans mit Passwort). Die Sammlung der W-Lan-Passwörter kann also allenfalls einen Hinweis auf meinen Lebensraum bieten, aber nicht erklären, wo ich „daheim“ bin.

Auch solcher Non-Sense wie „Home is where the heart is“ trifft einfach nicht zu. Bin ich da „daheim“, wo mein Zeug rumsteht? Dann wäre das Familie Boden (oder wie auch immer diese WG mal heißen wird). Oder wo meine Familie lebt? Dann ist das mein Elternhaus? Bin ich daheim wo ich gut schlafen kann? Dann wäre mein Zuhause wohl der Nachtzug von Stockholm nach Boden. Oder ist mein Zuhause da, wo ich mich zuhause fühle? Hm.

Natürlich ist das wieder diese alte, tausendmal aufgewärmte Identitätskrise, die junge Europäer neuerdings mit Stolz vortragen, weil sie es nicht schaffen, normal mit ihr zu leben. Radikal müsste ich behaupten, ich wäre nirgendwo daheim, oder ich wäre Europäer und deshalb jede versiffte Couch, die mir ein bärtiger, 30jähriger Design-Student zum „pennen“ anbietet, wäre mein Zuhause.

Das ist Unsinn. Das Problem ist nämlich nicht, dass ich kein Zuhause hätte, sondern dass sich die Bedeutung des Begriffs für mich gerade wandelt und ich deshalb große Schwierigkeiten bekomme, diesen Begriff zu verwenden. Anders ausgedrückt: Im Reden und beiläufigen Erwähnen dieses Begriffsfeldes – daheim, zuhause, bei mir, … – gerate ich viel zu schnell ins straucheln, beginne darüber zu grübeln und verliere so den Kommunikativen Faden.

Wie jetzt gerade. Shit.