Ich bin ein Schlafsofa.

Ich bin ein Schlafsofa.
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Wenn ein Kissen bei IKEA von sich behaupten kann, es sei ein Schlafsofa, dann kan ich das auch. Mein Name ist Beliebtsein und ich bin ein Schlafsofa.

Manche Leute ziehen mich ganz gerne aus, aber ich bin auch bequem in meiner alltäglichen Erscheinung. Leider lasse ich mich nur schwer bewegen, aber wenn man einmal einen guten Platz für mich gefunden hat, möchte man mich nicht mehr missen. Mein Aufbau ist kinderleicht. Auch meine Pflege geht einfach von der Hand. Mein abnehmbarer Bezug kann in der Maschine gewaschen werden. Mein robustes Innenleben sorgt dafür, dass Sie lange Zeit Freude an mir haben. Sollte all das Sie nicht überzeugt haben, dann vielleicht mein überragendes Design: Schlicht und zugleich edel. Durch meine Bezüge in vielen unterschiedlichen Farben und Formen passe ich mich Ihrem individuellen Geschmack perfekt an.
Ich bin ein Schlafsofa.
Designer:
Gott. Evolution.

Pflegehinweise:
Buntwäsche 60°C.
Nicht mit Chlor bleichen.
Nicht trocknergeeignet.
Bügeln – bitte nicht!
Nicht chem. reinigen.
Hängend trocknen.

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Aber ich bin keine Lösung für zwei Probleme, sondern leide unter einer schweren Identititätskrise. Ich weiß nicht: Bin ich ein Bett? Bin ich eine Sitzgelegenheit? Bin ich beides? Bin ich nichts? Vor lauter Fragen kann ich manchmal nicht schlafen. Vor lauter Fragen kann ich manchmal nicht wachen. Es ist schrecklich, nicht zu wissen, was ich bin, wer ich bin oder ob ich überhaupt – objektiv – existiere. Mein Name ist Beliebtsein und ich bin ein Schlafsofa. Ich würde mich freuen, bald auch in Ihrer Wohnung ein Zuhause zu finden.

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Studentenleben – Testversion für Schüler

Hörsaal

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Heute war im Grunde genommen ein ganz guter Tag. Naja, fast.
Baden-Württemberg-weit hatten die Schülerinnen und auch die paar Schüler der 12 Klassen der Gymnasien frei um sich an den verschiedenen Universitäten im Land über ein mögliches Studium zu informieren. Ich war in Tübingen, der örtlich nächsten Universität. Veranstaltungsbeginn: 9:15. Die Vorstellungen der einzelnen Fachbereiche allerdings erst um 10:20. Ich und zwei Klassenkamernossen fuhren zu ebenjener und kamen direkt – wer hätte es gedacht – zu spät. Blieben also noch zwei Möglichkeiten sich was anzuhören. Gut. Wie hörten uns den Vortrag zum Studienfach „Pharmazie“ (Gähn!) und zu „Informatik“ (Uff!) an. Beides für mich eher ungeeignet. Mittags waren wir in der Mensa essen – relativ gut. Später wollten wir noch ins Nachmittagsprogramm, in dem sich die einzelnen Fakultäten nochmal genauer vorstellten, das heißt, ich und einer der beiden wollten da hin, dummerweise wollte der dritte zum Bahnhof. Wegen ner ganz blöden Geschichte mit der Froschgasse kamen wir erst um 14:01 am Bahnhof an, wo auch gerade sein Zug abfuhr, so dass er noch reinsprang. Mein anderer Kamernosse stieg dann auch ein, weil er wohl doch keine Lust mehr hatte. Ich blieb – alleine – zurück. Im Veranstaltungsheftchen las ich nach, was ich mir noch anhören könnte. „Oh. Veranstaltungsbeginn 13:30… Veranstaltungsbeginn 14:00.“ Allüberall. Und vom Bahnhof hätte es zu meinen favorisierten Fakultäten ewig mit dem Bus gebraucht. Deshalb fuhr ich – ziemlich enttäuscht – auch heim.

Aber… wie soll ich es beschreiben? Irgendwie fühlte sich in einem Vorlesungssaal sitzen und Mensaessen essen und die Räume nicht finden irgendwie… richtig an.

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„Du weißt also jetzt genausoviel wie vorher?“ – „Ja. Langeweile. Ja.“ – „Und was machst du nun?“ – „Hmmm…“ – „Red doch mit jemand, der Politikwissenschaft oder Philosophie studiert, und vielleicht kannst du mit dem auch mal in ne Vorlesung.“ – „Ja… hmmm…“ – „Beliebtsein?“ – „Ja?“ – „Was ist das eigentlich für ne Band, die wir gerade hören?“ – „Grizzly Bear. Das sind die, aus dieser Peugot-Werbung.“ – „Hmmm.“ – – Für einen Moment versuchte sich Beliebtsein vorzustellen, wie der Tag wohl gewesen wäre, wenn er mit Langeweile mitgegangen wäre.

Der erlogene Schluckauf

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Etwas irritiert ging ich mit mir selbst ins Gericht, als ich realisierte, dass der gerade begonnene Schluckauf – „Hicks“ – nur eine selbsteingeredete Einbildung ist, und somit eine Lüge, ein Schauspiel, welches ich mir selbst vorführe, wenn mir oder meinem Unterbewusstsein wiedereinmal langweilig ist. Mit der Entlarfung dieser Schluckauflüge hörte selbiger auch unverzüglich auf. Ich begonn mich zu fragen, ob ich bei vorranggegangenen Schluckäufen wohl auch mich selbst belogen und diese nur vorgetäuscht hatte. Dieser Gedankengang führte unwiederruflich auf die Frage nach dem Plural von Schluckauf. Ist es „Schluckaufs“, „Schluckäufe“ oder gar „Schluckauf“? Laut Wikitionary gibt es kein Plural, aber Internet hat man ja nicht immer zu Hand.

Ich fragte mich auch, wie lange ich mich wohl schon derartig selbst belüge und was das über mich als Menschen aussagt, wenn ich selbst an sich natürliche Fehlfunktionen des Zwerchfells nur simuliere. Vermutlich verriet mich sogar die nicht perfekte Regelmäßigkeit der falschen, unbewusst erlogenen Schluckäufe (was sich für mich am „richtigsten“ anhört) und die anderen waren nur höfflich genug, mich nicht des Lügenschluckaufs zu überführen. Möglicherweise hat es aber auch einfach niemand interessiert. Ich fragte mich auch, wenn ich schon anfange Schluckäufe zu erfinden, wie es dann erst mit zentraleren Dingen des Lebens ist. Träume ich überhaupt oder behaupte ich das nur? Schlafe ich wirklich? Fühle ich mich wirklich schlecht, oder rede ich mir das nur ein? Wenn ich hinfalle, schürfe ich mir das Knie auf? Ich weiß, dass ich mir noch nie etwas gebrochen habe, woher weiß ich also, dass ich ein Mensch bin, dessen Knochen brechen können? Denke ich wirklich, oder rede ich mir das nur ein?

Am Ende war ich derart verunsichert, dass ich mich schon in Philip K. Dicks „Die elektrische Ameise“ wiederfand, in der Jemand feststellt, dass er ein Roboter ist, und dass seine Realität auf einem Band gespeichert ist, dass sich – auch von ihm selbst – manipulieren lässt. Woher weiß ich, dass ich nicht lieber zum Ölwechsel als zum Arzt gehen sollte? Schließlich, und das macht schon ein bisschen traurig, fehlt mir die entscheidende, menschliche Fähigkeit: Sich in andere wirklich hineinversetzen können.

Bei einem der letzten Glühbirnenlichter der müden Stadt saßen Langeweile und Beliebtsein zusammen und hörten – leise – französische Musik. „Du hast mich also all die Jahre belogen?“ fragte Langeweile mit einem halben Luftzug, um die andere Hälfte in einen leisen Seufzer zu verwandeln. „Was einige meiner Schluckäufe angeht? Möglicherweise ja.“ antwortete Beliebtsein reumütig. „Schluckaufs.“ erwiederte Langeweile. „Schluckaufens“ antwortete Beliebtsein ihr. Für einen kurzen Moment blickten die beiden sich an, ohne sich wirklich zu sehen. Aus den Lautsprechern kroch „Oh le mal au coeur“ leise und schwerfällig.

"Ihr könnt mich alle am Arsch lecken. Ich lass mir das nicht mehr länger gefallen."

Die Nachrichten sind jeden Tag voller Unwichtigkeiten. Die Menschen, angenommen es gibt diese als eine Gemeinschaft und nicht als zufällige Ansammlung unvereinbarer Individuen, interessieren sich nicht für Hintergründe. Sie wollen wissen, mit wem Paris Hilton gerade rummacht, sie wollen wissen, wo Johnny Depp seine Anzüge kauft und von Guttenberg wie es ist, adelig zu sein. Wen interessiert Politik? Die Tagesschau könnte auch abgeschafft werden, sie wir eh nur noch des Wetter wegens eingeschalten. Und vielleicht, um sich nicht ganz der Unterschicht anzugleichen. Aber es gibt keine Unterschicht mehr. Wir sind zu einer homogenen, stupiden Masse verschmolzen, die das Denken scheut, wie früher Unwetter.

Ich bin vor dieser Kiste groß geworden. Alles was ich bin, habe ich aus ihr. Ein Selbst exisitiert nicht. Ein eigener Gedanke, möge er auch noch so klein sein, ist unmöglich. Ich bin was ich sehe und was ich sehe ist Müll.

Angepisste Friseure, die andere Friseure retten wollen. Köche, die Gaststätten modernisieren. Eine fette Frau, die Wohnungen umgestaltet. Eine enthirnt- und -korkte Moderatorin, die leer-grinsend und übertrieben freudig von einem Thema zum nächsten schlittert. Von Star-Brust-OPs, hin zu den neusten Trends in Hollywood, noch ein bisschen Umstyling für die Dorfmatratze von nebenan. Die unwichtigen Scheißleben von irgendwelchen Vorstadt-Giesellas und -Uwes breitgetreten im Nachmittagsprogramm. Eigentlich müssten die Zuschauer nur in einen Spiegel blicken, ihnen würde das gleiche geboten werden. Ohne Werbeunterbrechung für revolutionäre Haarpflegeprodukte und Süßigkeiten. Im Öffentlich-Rechtlichen verbreiten sie Pseudo-Bildung durch Wissensshows über „Ossis“ und „Wessis“ und Guido Knopp wird nicht müde uns von Hitlers Schäferhunden zu erzählen. Wenn interessiert bitte das? Brangelina, Benifer, Kevin Federline, Michael Jackson (tot oder lebendig), die Adeligen Europas. Wen interessieren da schon ein paar Millionen verreckende Kinder, wenn interessieren wahre Liebe, echter Hass und das reale Leben, wenn man alles in HD haben kann?

Man könnte glauben, die Menschen trügen nur noch einen Kopf mit sich herum, damit es nicht in den Hals reinregnet. Was wir da sehen, Tag täglich, das ist nicht die Realität. Wenn man immer nur Scheiße vorgesetzt bekommt, stört es einen irgendwann gar nicht mehr. Man gewöhnt sich regelrecht an die „sexy Cola“ und das „seriöse“ Seitensprungportal. Man gewöhnt sich sogar an den rechtsfreien Raum Internet. Man gewöhnt sich an die Politik gegen die eigene Person. Was will man schon machen? Und ohne es zu merken sitzt man da und würgt nicht mehr bei „One Girls Two Cup“ und sieht „What What (In The Butt)“ als Teil unserer Zeitkultur an, der Generation facebook oder myspace oder youtube. Ja, man sieht diesen Müll sogar als schützenswerten Teil unserer Zeitgeschichte an. Nach außen hin versucht man sich weiterhin – vorerst – intellektuell zu geben, aber es funktioniert nicht mehr. Man verliert die Worte. Irgendwann dann, irgendwo zwischen „Sam“ und dem „Sat.1 Magazin“ verliert man seine Muttersprache und beginnt zu glauben, was dort gesagt wird, sei die Wahrheit. Egal ob es „Auf was Männer wirklich beim Sex stehen“ oder „Die sexiesten Brusthaartoupes 2009“ ist. Man jagt dem Trend hinterher und schnürt sich als Fettsack in häßliche Ed-Hardy-T-Shirts. In dieser Zeit beginnt man zu glauben, dass man tatsächlich etwas für seine Bildung täte, wenn man sich „Galileo“ ansieht.

Diese Kiste hat uns aufgezogen. Sie sagt uns, was wir wählen sollen, woran wir glauben sollen, wie unser Leben sein soll, wie wir sein sollen. Aber so sind wir nicht, so ist das Leben nicht. Die Politik trifft nicht auf die Wirklichkeit bei Frank Plasberg. Nein, dort treffen Politiker auf die Fernsehjournalistenwelt des Frank Plasberg.

Die Zeitungen schreiben, was „die Wahrheit“ ist. Und wir verlieren von Generation zu Generation immer mehr den Willen zum Denken. Wir akzeptieren die Welt voller Lügen um uns herum. Fernsehjournalisten mutmaßen sogar: „Der Wähler möchte belogen werden“ – Wer auch immer dieser „Wähler“ ist. Wir gewöhnen uns an all die Scheiße, solange, bis wir genau diese Scheiße wollen. Deshalb trinken wir Coca-Cola und fahren BMW, deshalb wählen wir Grüne und glauben an die „sich selbst regulierenden Kräfte“ der Marktwirtschaft.

Verdammt nochmal, hat den jeder hier verlernt zu denken? Es gibt keine entgültige Wahrheit, und wer glaubt sie erlangt zu haben, der lügt oder ist einfach nur dumm. Was „Die Zeit“ – und alle anderen Zeitungen – ja, auch die TAZ – – schreibt, ist nicht die einzige, entgültige Wahrheit. Was ihr Finanzberater sagt, ist nicht die einzige Wahrheit.

Heute sah ich im K1-Magazin einen Beitrag über böse Supermärkte, die ihre angebotenen Produkte über die falschen Ettiketen stellen um so den Käufer zu täuschen. Schockierend. Zumal sich scheinbar niemand die Mühe macht, bei einem „Schnäppchen“ die Aufschrift des Preisschildes zu lesen. Müssen wir denn den Menschen vor allem bewahren? Klagt bald jemand, weil er seine Scheiße am Finger hatte, nur weil – angeblich – auf Toilettenpapierpackungen keine genauen Gebrauchshinweise aufgedruckt sind? In was für einer Welt wollen Sie eigentlich leben?

Ich weiß nicht, was wir tun sollen.
Vielleicht müssen wir erstmal wütend werden, damit wir dann selbst anfangen können zu denken. Vielleicht haben wir Menschen das aber auch schon verlernt. Ich meine, wer traut sich noch, wütend zu werden? Das gefährdet doch unsere Jobs! Nein, das geht nicht. Wir dürfen gar nicht erst zu denken anfangen, sagen uns die Meinungsanbieter von CDU, SPD, Grüne, FDP, Linke und Piraten. Aber selbst denken, selbst Ideen entwickeln, das ist uns fremd geworden. Lieber plappern wir nach, was uns gerade „richtig“ und „klug“ erscheint.

Ich will, dass ihr wütend werdet. Weil mir das Fernsehen gesagt hat, dass dies richtig ist. Wozu haben wir denn einen Kopf?! – Oh, ich vergaß, Taff sagt: Hüte sind wieder voll im kommen.

Aber vielleicht werde ich auch nur ein bisschen verrückt.

Es ist ertragen können, zu bemerken, wie wichtige Menschen aus seinem Leben verschwinden.

Sie hat Besuch da. Sie wird immer Besuch da haben. Wenn ich ihr schreibe wird sie nicht antworten. Sie hat mich losgelassen. Dabei war sie meine Schwester, vor unendlicher Zeit.

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Sie hat ein neues Leben. In dieses passe ich nicht mehr rein. Sie wird nie wieder ein Wort mit mir wechseln. Längst ist es nicht mehr „soetwas wie Liebe“.

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Sie arbeitet jetzt viel. Ist abends völlig fertig. Blog.de hat sie längst den Rücken zugekehrt. Was bleibt sind Erinnerungen.

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Sie ist sehr beschäftigt in letzter Zeit. Womit weiß ich nicht. Wir waren mal beste Freunde. Ich weiß nicht, wer sie jetzt ist. Aber schlimm ist eigenltich nur, dass ich auch langsam vergesse, wer sie war.

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Sie studiert. Früher sprachen wir täglich, inzwischen haben wir uns „auseinandergelebt“. Vielleicht bin ich zu mürrisch geworden, vielleicht war ich auch zu träge.
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Sie war einmal meine Adoptivmutter. Jetzt trägt sie ein Kind in ihrem Bauch. Die Tage und Wochen verstreichen, und was war, wird nicht mehr sein. Nie wieder.

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a heart is a bad shield

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Und ich zittere und heule und weiß: Nichts haelt mich.

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Langeweile, ich vermisse dich.

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