(fall hard)


Eigentlich ist „Impossible“ noch eine Ecke schöner, aber die „Shout out louds“ kann man eigentlich immer toll finden. So auch fall hard.

# 2141

apfelbart

Beliebtsein war wiedereinmal krank.

„Du bist also schon wieder krank?“
Langeweile klang kritisch am Telefon. „Ja.“ sagte Beliebtsein. „Du ernährst dich falsch.“ – „Ja.“ „Du solltest gesundere Sachen essen, dann wärest du nicht mehr so oft krank.“ – „Ja.“ monoton.
„Du stimmt mir also immer zu, um so einer echten Diskussion aus dem Weg zu gehen. Stimmts?“ – „Ja.“

Langeweile durchschaute ihn. Wie gewöhnlich stellte sie einfach unpassende Fragen, wenn Beliebtsein aufgehört hatte, passende Antworten zu geben. Sie atmete ein. „Willst du mich heiraten?“ – Beliebtsein zögerte. Die Antwort stecke tief in seinem Inneren, aber auf dem Weg nach oben verhedderte sie sich und blieb stecken. Langeweile hatte wiedereinmal gewonnen. Sie kannte ihn einfach zu gut, dachte Beliebtsein. Er hätte dann doch „Ja.“ sagen können, aber gerade als er es sagen wollte – der Moment für eine Antwort war längst verstrichen – fragte Langeweile:

„Bist du eigentlich bei Facebook?“
– „Was ist das?“ fragte Beliebtsein irritiert. Natürlich wusste er, was es war, nur wollte er Zeit gewinnen, um Langeweiles Frage zu begreifen. Manchmal fragte sie Sachen, die erst nach Tagen und Wochen ihr tatsächliches Gesicht offenbarten. Langeweile wusste das. „Natürlich weißt du, was Facebook ist.“ – „Ja.“ antwortete Beliebtsein monoton.
Schweigen umhüllte die beiden Telefonierenden.

„Du, ich muss dann los.“
sagte Langeweile hastig und legte auf. Sie pflegten sich nie zu verabschieden. Sie führten eine endlose Unterhaltung. Beide standen, wie versteinert, vor ihren Telefonapperaten, und fragten sich, was sie sich eigentlich hätten erzählen sollen.

Die offene Balkontüre


Ich muss ein bisschen ausholen, um zu erklären, warum mich heute abend die offene Balkontüre so verunsicherte. Also, nicht nur, was naheliegend wäre, weil Winter ist und sich eine offene Balkontüre die ganze Nacht über nicht nur energietechnisch ungünstig macht, sondern auch moralisch, zumal, wenn man schon einige Wochen wie verrückt heizt. Die offene Balkontüre verunsicherte mich jedenfalls. Ich war mir sicher, naja 98 % sicher, dass ich selbige gestern vor dem Zubettgehen angsterfüllt schloß.
Um das angsterfüllt erklären zu können, muss ich ein bisschen ausholen. Unsere Bühne (so sagt man hier zum obersten Stockwerk, also direkt unter dem Dach) ist seit jeher alt, quietscht, hat allerhand Klappen, unangenehme Gerüche und allerhand anderes Gespenstisches. Als Kind fürchtete ich mich vor dem dort oben, und wenn ich ehrlich bin, selbst nachdem die grusligen Dinge – d.h. der ganze Müll aus den 60ern dort oben – rausflog, bleibt der Raum doch – vor allem nachts – von einer unangenehmen Aura durchzogen.
Um erklären zu können, warum mich die offene Balkontüre so sehr verunsicherte, muss ich wiederum ein wenig ausholen. Es ist ja nun nicht so, dass ich eher ängstlicher Natur bin, aber ich hatte tatsächlich Grund mich zu fürchten. Auf der grusligen Bühne verscheuchte ich nämlich vor einiger Zeit – 2 Tage? – eine Taube, die sich auf unserem Balkongeländer ausruhte. Das gibt böses Karma, und taubenmäßig habe ich schon ziemlich viel schlechtes Karma.
Warum ich taubenmäßig schlechtes Karma habe? Dafür muss ich – richtig! – ein bisschen ausholen. Vor einiger Zeit hatten wir ein Taubennest auf unserem Balkon. Das ganze zog sich und zog sich, viele Maßnahmen wurden ergriffen, aber die Tauben entwickelten sich trotzdem zu einer Art Plage auf unserer Bühne. Verzeihung, ich meine Plage selbstverständlich nicht böse, aber wenn Sie unsere Bühne gesehen hätten, dann würden Sie wohl zu den gleichen Worten greifen. Jedenfalls habe ich das Gefühl, die Tauben wären immer noch sauer, dass wir sie von ihrem neugewonnen Zuhause aussperrten, nur weil wir es auch als Zuhause empfanden.
Es ist also sicherlich ohne weiteres Ausholen verständlich, dass ich sofort befürchtete, in einem Alfred-Hitchcook-Film gelandet zu sein – namentlich „Die Vögel“ -, was karmamäßig sicherlich drin gewesen wäre, aber mir dann doch nicht ganz so angenehm.
Falls ich unter mysteriösen Umständen demnächst sterben sollte – irgendwas mit Tauben -, dann wissen Sie ja bescheid.
Korrekturgelesen von flashlink

Lange nicht mehr gesehen, alter Freund.

Alle Ereignisse dieses Blogeintrags sind frei erfunden.
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Aus Beliebtseins Tagebuch:
Manchmal blicke ich in einen Spiegel. Man sieht es mir nicht an, aber es geschied doch, von Zeit zu Zeit. „Lange nicht gesehen, alter Freund.“ Manchmal blickt mein Spiegelbild mich fremdelnd an, als hätten wir uns nie gegrüßt. „Wer bist du eigentlich?“, dann lacht mein Gegenüber, „Mein Junge, ich kenne dich jetzt schon über 20 Jahre, und weiß trotzdem nicht, wer du eigentlich bist.“ Ich verweigere mir die Antwort dann, denn ich kenne sie ja selbst nicht. „Die Zeiten haben dich geändert.“ ruft das Spiegelbild. „Ich weiß, du bist schon hier und da ein wenig grau geworden. Bist du jetzt ein anderer? Ich kenne Viele von dir nicht. Nicht wirklich.“
Es ist doch erstaunlich, wie lange man neben sich selbst herleben kann, ohne sich jemals wirklich kennenzulernen. Wer bin ich eigentlich? Und warum?
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Ein paar Seiten weiter steht folgendes:
Lieber Beliebtsein,
ich glaube, wir sind das Ergebnis aus den Einflüssen auf uns und, wie wir diese verarbeitet haben. Du bist du, weil dir Rollenbilder aus Fernsehen, Unterhaltung und Realleben zeigten, wie du du wirst. Wenn du also wissen willst, wer du bist, hilft es, nachzusehen, mit was du dich beschäftigt und mit was du konfrontiert wurdest. Letztlich, egal, was bei deiner Suche rauskommt, du bist ein Mensch mit einer unteilbaren Würde. Vergiss das nicht.
Mit freundlichen Grüßen,
dein Spiegelbild

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Aaaaaaalt…

Mein Blog hat schon so nen Bart...
Ich wollte eigentlich was schreiben, bis mir klar wurde, dass ich genau dieses Thema schon vor zirka 2 Jahren bis zum Erbrechen durchexerziert habe. Dann wollte ich darüber schreiben, dass die Einfachheit etwas Nachzusehen – Google, the fuck – unser eigenes Denken einen Wettbewerbsnachteil verschafft, der dazu führt, das eigenes Denken langfristig nur noch ein Nieschenprodukt sein können wird. Das heißt, wir kopieren und verweisen lieber auf verhandene Ideen (vgl. Nerdcore, Strangeviews, Ehrensenf), als tatsächlich selbst etwas völlig eigenes zu erschaffen. Aber das hatten wir ja auch schon mal irgendwo. Meh.
Dieses Blog hat auch schon so ’nen Bart.