"Ihr könnt mich alle am Arsch lecken. Ich lass mir das nicht mehr länger gefallen."

Die Nachrichten sind jeden Tag voller Unwichtigkeiten. Die Menschen, angenommen es gibt diese als eine Gemeinschaft und nicht als zufällige Ansammlung unvereinbarer Individuen, interessieren sich nicht für Hintergründe. Sie wollen wissen, mit wem Paris Hilton gerade rummacht, sie wollen wissen, wo Johnny Depp seine Anzüge kauft und von Guttenberg wie es ist, adelig zu sein. Wen interessiert Politik? Die Tagesschau könnte auch abgeschafft werden, sie wir eh nur noch des Wetter wegens eingeschalten. Und vielleicht, um sich nicht ganz der Unterschicht anzugleichen. Aber es gibt keine Unterschicht mehr. Wir sind zu einer homogenen, stupiden Masse verschmolzen, die das Denken scheut, wie früher Unwetter.

Ich bin vor dieser Kiste groß geworden. Alles was ich bin, habe ich aus ihr. Ein Selbst exisitiert nicht. Ein eigener Gedanke, möge er auch noch so klein sein, ist unmöglich. Ich bin was ich sehe und was ich sehe ist Müll.

Angepisste Friseure, die andere Friseure retten wollen. Köche, die Gaststätten modernisieren. Eine fette Frau, die Wohnungen umgestaltet. Eine enthirnt- und -korkte Moderatorin, die leer-grinsend und übertrieben freudig von einem Thema zum nächsten schlittert. Von Star-Brust-OPs, hin zu den neusten Trends in Hollywood, noch ein bisschen Umstyling für die Dorfmatratze von nebenan. Die unwichtigen Scheißleben von irgendwelchen Vorstadt-Giesellas und -Uwes breitgetreten im Nachmittagsprogramm. Eigentlich müssten die Zuschauer nur in einen Spiegel blicken, ihnen würde das gleiche geboten werden. Ohne Werbeunterbrechung für revolutionäre Haarpflegeprodukte und Süßigkeiten. Im Öffentlich-Rechtlichen verbreiten sie Pseudo-Bildung durch Wissensshows über „Ossis“ und „Wessis“ und Guido Knopp wird nicht müde uns von Hitlers Schäferhunden zu erzählen. Wenn interessiert bitte das? Brangelina, Benifer, Kevin Federline, Michael Jackson (tot oder lebendig), die Adeligen Europas. Wen interessieren da schon ein paar Millionen verreckende Kinder, wenn interessieren wahre Liebe, echter Hass und das reale Leben, wenn man alles in HD haben kann?

Man könnte glauben, die Menschen trügen nur noch einen Kopf mit sich herum, damit es nicht in den Hals reinregnet. Was wir da sehen, Tag täglich, das ist nicht die Realität. Wenn man immer nur Scheiße vorgesetzt bekommt, stört es einen irgendwann gar nicht mehr. Man gewöhnt sich regelrecht an die „sexy Cola“ und das „seriöse“ Seitensprungportal. Man gewöhnt sich sogar an den rechtsfreien Raum Internet. Man gewöhnt sich an die Politik gegen die eigene Person. Was will man schon machen? Und ohne es zu merken sitzt man da und würgt nicht mehr bei „One Girls Two Cup“ und sieht „What What (In The Butt)“ als Teil unserer Zeitkultur an, der Generation facebook oder myspace oder youtube. Ja, man sieht diesen Müll sogar als schützenswerten Teil unserer Zeitgeschichte an. Nach außen hin versucht man sich weiterhin – vorerst – intellektuell zu geben, aber es funktioniert nicht mehr. Man verliert die Worte. Irgendwann dann, irgendwo zwischen „Sam“ und dem „Sat.1 Magazin“ verliert man seine Muttersprache und beginnt zu glauben, was dort gesagt wird, sei die Wahrheit. Egal ob es „Auf was Männer wirklich beim Sex stehen“ oder „Die sexiesten Brusthaartoupes 2009“ ist. Man jagt dem Trend hinterher und schnürt sich als Fettsack in häßliche Ed-Hardy-T-Shirts. In dieser Zeit beginnt man zu glauben, dass man tatsächlich etwas für seine Bildung täte, wenn man sich „Galileo“ ansieht.

Diese Kiste hat uns aufgezogen. Sie sagt uns, was wir wählen sollen, woran wir glauben sollen, wie unser Leben sein soll, wie wir sein sollen. Aber so sind wir nicht, so ist das Leben nicht. Die Politik trifft nicht auf die Wirklichkeit bei Frank Plasberg. Nein, dort treffen Politiker auf die Fernsehjournalistenwelt des Frank Plasberg.

Die Zeitungen schreiben, was „die Wahrheit“ ist. Und wir verlieren von Generation zu Generation immer mehr den Willen zum Denken. Wir akzeptieren die Welt voller Lügen um uns herum. Fernsehjournalisten mutmaßen sogar: „Der Wähler möchte belogen werden“ – Wer auch immer dieser „Wähler“ ist. Wir gewöhnen uns an all die Scheiße, solange, bis wir genau diese Scheiße wollen. Deshalb trinken wir Coca-Cola und fahren BMW, deshalb wählen wir Grüne und glauben an die „sich selbst regulierenden Kräfte“ der Marktwirtschaft.

Verdammt nochmal, hat den jeder hier verlernt zu denken? Es gibt keine entgültige Wahrheit, und wer glaubt sie erlangt zu haben, der lügt oder ist einfach nur dumm. Was „Die Zeit“ – und alle anderen Zeitungen – ja, auch die TAZ – – schreibt, ist nicht die einzige, entgültige Wahrheit. Was ihr Finanzberater sagt, ist nicht die einzige Wahrheit.

Heute sah ich im K1-Magazin einen Beitrag über böse Supermärkte, die ihre angebotenen Produkte über die falschen Ettiketen stellen um so den Käufer zu täuschen. Schockierend. Zumal sich scheinbar niemand die Mühe macht, bei einem „Schnäppchen“ die Aufschrift des Preisschildes zu lesen. Müssen wir denn den Menschen vor allem bewahren? Klagt bald jemand, weil er seine Scheiße am Finger hatte, nur weil – angeblich – auf Toilettenpapierpackungen keine genauen Gebrauchshinweise aufgedruckt sind? In was für einer Welt wollen Sie eigentlich leben?

Ich weiß nicht, was wir tun sollen.
Vielleicht müssen wir erstmal wütend werden, damit wir dann selbst anfangen können zu denken. Vielleicht haben wir Menschen das aber auch schon verlernt. Ich meine, wer traut sich noch, wütend zu werden? Das gefährdet doch unsere Jobs! Nein, das geht nicht. Wir dürfen gar nicht erst zu denken anfangen, sagen uns die Meinungsanbieter von CDU, SPD, Grüne, FDP, Linke und Piraten. Aber selbst denken, selbst Ideen entwickeln, das ist uns fremd geworden. Lieber plappern wir nach, was uns gerade „richtig“ und „klug“ erscheint.

Ich will, dass ihr wütend werdet. Weil mir das Fernsehen gesagt hat, dass dies richtig ist. Wozu haben wir denn einen Kopf?! – Oh, ich vergaß, Taff sagt: Hüte sind wieder voll im kommen.

Aber vielleicht werde ich auch nur ein bisschen verrückt.

Es ist ertragen können, zu bemerken, wie wichtige Menschen aus seinem Leben verschwinden.

Sie hat Besuch da. Sie wird immer Besuch da haben. Wenn ich ihr schreibe wird sie nicht antworten. Sie hat mich losgelassen. Dabei war sie meine Schwester, vor unendlicher Zeit.

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Sie hat ein neues Leben. In dieses passe ich nicht mehr rein. Sie wird nie wieder ein Wort mit mir wechseln. Längst ist es nicht mehr „soetwas wie Liebe“.

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Sie arbeitet jetzt viel. Ist abends völlig fertig. Blog.de hat sie längst den Rücken zugekehrt. Was bleibt sind Erinnerungen.

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Sie ist sehr beschäftigt in letzter Zeit. Womit weiß ich nicht. Wir waren mal beste Freunde. Ich weiß nicht, wer sie jetzt ist. Aber schlimm ist eigenltich nur, dass ich auch langsam vergesse, wer sie war.

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Sie studiert. Früher sprachen wir täglich, inzwischen haben wir uns „auseinandergelebt“. Vielleicht bin ich zu mürrisch geworden, vielleicht war ich auch zu träge.
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Sie war einmal meine Adoptivmutter. Jetzt trägt sie ein Kind in ihrem Bauch. Die Tage und Wochen verstreichen, und was war, wird nicht mehr sein. Nie wieder.

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a heart is a bad shield

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Und ich zittere und heule und weiß: Nichts haelt mich.

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Langeweile, ich vermisse dich.

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Sascha Lobo, unser Gott.

lobogottEs kommt eigentlich gar nicht mehr darauf an, was Sascha Lobo sagt. Eher die Tatsache, dass er es sagt, gibt dem Wort Gewicht und Inhalt. Würde er sich für eine bestimmte Unterhosenmarke aussprechen, die Online-Stores wären leergeräumt innerhalb von Minuten. Plötzlich würde die halbe deutsche Blogosphäre und vermutlich das gesamte deutsche Twitter-Welt die Lobo-Unterwäsche tragen. Er könnte auch behaupten, 2 und 2 sei 5, und zumindest ich würde meine Mathebücher als Schund- und Lügenliteratur verbrennen.

Würde es aber bei diesem Fantum enden, wäre es noch vergleichsweise ertragbar. Jedoch entdecke ich bei mir selbst bereits Krankheiten, die Sascha Lobo an sich beschreibt. Die Verbindung aus blinder Verfolgerei und Hypochondrie ist in dem Fall äußert unangenehm.

Aber warum ist Sascha Lobo, dieser Berufsbezeichnungsloser Onlinemensch aus Berlin, eigentlich unser Gott, oder zumindest, der höchste Prophet? „Einer von uns!“, „Einer von uns!“ höre ich die Bloggerinnen und Blogger, die Twitterer und Twitterinnen flüstern, wie ein kleines Glaubensbekenntnis. „Einer von uns.“

Aber Sascha Lobo ist nicht einer von uns! Längst hat der Rest des Internets den Anschluss verloren an die Rakete Lobo. Längst ist Lobo nicht mehr irgendein Online-Mensch, sondern die Vertretung der Internetwelt in der Realität. Egal, zu was die Massenmedien Fragen haben: Lobo weiß die Antwort. Als sei er kein Mensch, sondern ein großer Server, ein Roboter, von Google zur Erlangung der Weltherrschaft programiert, der umherstreift und „ist“, anstatt zu streben.

Sascha Lobo ist für das Internet, was Kurt Cobain für die „Generation X“ war.

Und ich glaube auch, dass er gar keiner von „uns“ sein möchte. Oder jemals war. Der Glaube an Sascha Lobo als Gott des deutschen Internets ist wohl schlicht auf Uninformiertheit oder mangelnde Nutzung des eigenen Verstands zurückzuführen. Aber um das zu erkennen müsste man fünf Minuten denken, anstatt ununterbrochen zu bloggen.

Und auch, wenn ich eigentlich weiß, dass es Unsinn ist, an eine Person wie Lobo zu glauben, der Person willen, so weiß ich auch, dass ich ohne diesen Lobo-Gott-Glauben noch verlorener wäre in einer unübersichtlichen Welt. Oder, zumindest leide ich unter der Wahnvorstellung, ich könnte noch verlorener sein.

Welches Toilettenpapier Sascha Lobo wohl benutzt?

edit. 12. Juli 2009: Kann man Sascha Lobo bitte den Gott-Status wieder wegnehmen? Im Moment nervt er mich nur, und da er auf saschalobo.com (oder .de?) sogut wie gar nicht bloggt… naja… Ich frage mich nur, was das für ein Web 2.0 Gott sein soll, der auch nur noch wirkt wie die Vermarkungsmaschinerie eines Großkonzerns, nur, dass der Großkonzert in diesem Fall er selbst ist.

Weihnachtszeitschleife

Man wacht auf, um Zehn oder Elf Uhr in der Früh, und dreht sich um, denkt sich, heute ist doch eh nichts los. Wie Sonntags. Ja, genau. Zwei Sonntage, direkt hintereinander. Dann kommt – ein von mir sehr ersehnter – Samstag und danach – Oh Wunder – ein weiterer Sonntag.

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Ich persönlich fühle mich an Weihnachten immer ein wenig wie in einer Zeitschleife gefangen. Es gibt zwar dieses Jahr – ists jemand aufgefallen? – keine Weihnachtsaktion in diesem Blog, aber trotzdem ist alles wie das Jahr davor, und – selbstverständlich – das Jahr davor. Die selben Halbschönen Geschenke, die gleiche langweilige, langsam zerfallende Verwandschaft, die selben dummen Spiele, der gleiche alte Christbaum, bei uns ungeschmückt, bei anderen wie jedes Jahr. „Alle Jahre wieder“ singen die Kinder. Je älter ich werde, desto mehr entdecke ich die versteckte Drohung dahinter. „Alle Jahre wieder“, es gibt kein Entkommen, keine Rettung.

Vielleicht befinde ich mich auch insgesamt in einer Zeitschleife. Einer äußerst langen, aber dennoch einer Zeitschleife. Das würde meine ständigen (weihnachtlichen) Déjà-vu-Erlebnisse erklären und auch meine inzwischen unangenehme Müdigkeit. Dicke Augenringe. Egal.

Heute morgen stand ich – wie erwähnt – sonntagsgefühlsmäßig auf, saß unten ins Wohnzimmer und bereicherte mein Leben mit ein wenig Lachen, in dem ich die Wiederholung von „GIGA THE SHOW“ ansah. Weihnachtsausgabe. Und so. Einer erzählte von seinem Drehbuch. „Here comes the Bus“. Ein Film, der eigentlich nur daraus besteht, dass ständig irgendwo, wo es eigentlich unwahrscheinlich ist, einen Bus anzutreffen, einer auftaucht. Ich würde mir einen solchen Film ansehen – sofern nicht die üblichen Verdächtigen (Adam Sandler, etc. pp.) mitspielen und man das Konzept nicht auf Komödie trimmt. Wieauchimmer. Duschen, im Spiegel ansehen und feststellen, wie unlebendig ich schon aussehe, anziehen, und hier entdecken, das sogut wie niemand heute schon gebloggt hat.

Aber, eigentlich hätte ich es wissen müssen, schließlich habe ich das ja – wie oben erwähnt – das alles schon erlebt. Nacher: Essen, Kaffee bei Großmutter, Abendessen, Schlafen.

Irgendwo am anderen Ende der Gedanken sitzen Langeweile und Beliebtsein in Schwarzweiß an einem Tisch und senden mir böse Vorahnungen. „The same procedure as last year, Miss … Boredom?“ fragt er. „The same procedure as every year, Beliebtsein“ antwortet sie. Prost!

Sie nannten es "Schnee".

Gefrohrenes Wasser regnet vom Himmel herab. Es schneit. Auf meiner „Jacke“ (in Anführungszeichen) bildet sich eine Schutzschicht aus Weiß. Ich höre Fantino aus dem Lost-in-Translation-Soundtrack und gehe schnurrstracks, ohne einen Gedanken zu verschwenden an den verschwendeten Vormittag und mein erneutes Fehlen im Sportunterricht. (Mir gings wirklich schlecht. Ich kann nicht lügen. Aber, alle glauben, ich lüge.) Beim örtlichen Asia-Wok gabs das übliche. Nummer Zehn, und weil mir danach war auch Nummer Vier. Mit einer Plastiktüte und einem geschenkten Kalender ging ich durchs Judengäßle – das ich nur mit chinesischem Essen durchquere – heimwärts. Der Nachmittag duftete nach Schnee, das Wohnzimmer nach Wärme. Ich setzte mich, nahm einen tiefen Zug des Geruchs meines Essens. Chinesisches Essen und Winter. Als würde es zusammengehören. Wie als wäre Chinesisches Essen nur für den Winter gemacht. Geschmeckt hat es dann – soviel sei erwähnt – doch nicht.

Ich vermisse das Gefühl irgendwo richtig zu sein. Das Gefühl wach und interessiert zu sein kommt mir immer fremder vor. Ich hasse und schwärme von einem Moment zum anderen. Ein ständiger Wechsel.

Heute Abend Pushing Daisies. Pushing Daisies und Ben & Jerry’s Ice Cream. Als wäre es für einander gemacht. Irgendwo war ich froh, nicht verliebt zu sein, und irgendwo.. auch nicht. Ich vermisse manchmal meine Freunde. Und das Früher. Aber das geht vorbei, hab ich mir sagen lassen. Ich werde nun besser schlafen gehen. Zwar bin ich sicher, dass ich nicht fürs Schlafen gemacht bin, und umgekehrt ebensowenig, aber die Schulstunden müssen morgen auch irgendwie vorüber gebracht werden.

unbenannt 4
„Ich wollte immer wie Elvis sein, wollte sein Leben leben, aber dummerweise brachte ich etwas durcheinader. Fett und desinteressiert hätte ich erst werden dürfen, nach dem ich berühmt wurde. Nicht umgekehrt.“ Beliebtsein strich sich über seinen dicken Bauch. „Aber Elvis Presly, warum hast du denn so große Ohren?“ sprach Langeweile. „Damit ich dich besser hören kann.“ „Aber Elvis, warum hast du denn so große Augen?“ fragte Langeweile. „Damit ich dir besser in den Ausschnitt glotzen kann.“ krächtste Beliebtsein und kniff seine gute Freundin in den Bauch. „Aber“ kicherte sie, „Elvis? Warum hast du so ein großes Maul?“ Das Licht einer Latterne erhellte das bisschen Glück, dass die beiden Freunde gerade erleben durften.