Lange nicht mehr gesehen, alter Freund.

Alle Ereignisse dieses Blogeintrags sind frei erfunden.
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Aus Beliebtseins Tagebuch:
Manchmal blicke ich in einen Spiegel. Man sieht es mir nicht an, aber es geschied doch, von Zeit zu Zeit. „Lange nicht gesehen, alter Freund.“ Manchmal blickt mein Spiegelbild mich fremdelnd an, als hätten wir uns nie gegrüßt. „Wer bist du eigentlich?“, dann lacht mein Gegenüber, „Mein Junge, ich kenne dich jetzt schon über 20 Jahre, und weiß trotzdem nicht, wer du eigentlich bist.“ Ich verweigere mir die Antwort dann, denn ich kenne sie ja selbst nicht. „Die Zeiten haben dich geändert.“ ruft das Spiegelbild. „Ich weiß, du bist schon hier und da ein wenig grau geworden. Bist du jetzt ein anderer? Ich kenne Viele von dir nicht. Nicht wirklich.“
Es ist doch erstaunlich, wie lange man neben sich selbst herleben kann, ohne sich jemals wirklich kennenzulernen. Wer bin ich eigentlich? Und warum?
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Ein paar Seiten weiter steht folgendes:
Lieber Beliebtsein,
ich glaube, wir sind das Ergebnis aus den Einflüssen auf uns und, wie wir diese verarbeitet haben. Du bist du, weil dir Rollenbilder aus Fernsehen, Unterhaltung und Realleben zeigten, wie du du wirst. Wenn du also wissen willst, wer du bist, hilft es, nachzusehen, mit was du dich beschäftigt und mit was du konfrontiert wurdest. Letztlich, egal, was bei deiner Suche rauskommt, du bist ein Mensch mit einer unteilbaren Würde. Vergiss das nicht.
Mit freundlichen Grüßen,
dein Spiegelbild

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Aaaaaaalt…

Mein Blog hat schon so nen Bart...
Ich wollte eigentlich was schreiben, bis mir klar wurde, dass ich genau dieses Thema schon vor zirka 2 Jahren bis zum Erbrechen durchexerziert habe. Dann wollte ich darüber schreiben, dass die Einfachheit etwas Nachzusehen – Google, the fuck – unser eigenes Denken einen Wettbewerbsnachteil verschafft, der dazu führt, das eigenes Denken langfristig nur noch ein Nieschenprodukt sein können wird. Das heißt, wir kopieren und verweisen lieber auf verhandene Ideen (vgl. Nerdcore, Strangeviews, Ehrensenf), als tatsächlich selbst etwas völlig eigenes zu erschaffen. Aber das hatten wir ja auch schon mal irgendwo. Meh.
Dieses Blog hat auch schon so ’nen Bart.

Hemmung

Metro
Eigentlich könnten wir ein ganz wunderbares Völkchen sein. Wenn wir mehr denken würden, und weniger. Wenn wir wieder mehr Kinder wären, und mehr erwachsen. Heute sah ich eine Frau mit einer offenbar schweren Einkaufstüte. Mehrmals stellte sie sie ab und jedesmal fragte ich mich: Soll ich ihr helfen? Aber natürlich! Soll ich sie ansprechen? Ich weiß nicht. Irgendwie traute ich mich nicht.
Man könnte jetzt sagen, das würde lediglich daran liegen, dass ich „ein wenig“ schüchtern bin. Klar, die Schüchternen, die Kleinen und Uncoolen, sind die große Mehrheit. Wären wir einig, könnten wir die Welt regieren, aber irgendwie sind wir dann doch zu schüchtern für sowas. Wieauchimmer.
Ich glaube, die Ängste vor den Fremden, die Abneigung gegen Unbekanntes, das „Niemanden ansprechen“ wir uns erst gelehrt. Von Natur aus sind wir hilfsbereite, offene, freundliche, ja, gar humane Wesen. Erst durch Kultur, erst durch falsche Lehren, falsche Ziele werden wir geldsüchtige, unfreundliche Artgenossen, oder eher noch, -Feinde.
Ein Junge meines Alters hier aus der Nachbarschaft sitzt im Rollstuhl. Ich weiß nicht, wie viel er von der Außenwelt – das heißt, der unseren Welt – mitbekommt. Ich glaube, er hat ein gutes Leben. Seine Mutter, die ihn pflegen muss, tut mir jedoch ein leid. Die Blicke von so gehemmten Leuten wie mir, die sich zu keinem Gespräch trauen, die müssen unangenehm sein. Heute sprachen ein paar Kinder ihn an. Sie stellten ihm Fragen, so, als wäre es völlig normal, mit körperlich und geistig Benachteiligten zu reden.
Ich hab da irgendwie Hemmungen. Eingepflanzte Hemmungen. Ich glaube, es gäbe bestimmte Normen und Sitten, und ich habe riesige Angst davor, mich im Gespräch mit anderen, fremden Menschen zu blamieren, ihnen Weh zu tun oder gar Unrecht. Ich weiß, wie irrational diese Ängste sind, aber ich habe sie mir angewöhnt, und komme davon nicht mehr los.
Wir alle sollten viel mehr Funny van Dannen hören und uns dabei viel weniger Sorgen machen, wie wir eigentlich sind und wie wir uns zu verhalten haben.
Wenn wir viel mehr wären, wie wir sein könnten, wenn wir mehr täten von dem, das wir wollen, dann hätten wir ein viel schöneres Land – für alle. Aber das Gute geht verloren, in der Reibung mit der Realitätsangst…

Dr. H. Autsch

Man kann ja wirklich Vieles über mich sagen, aber dass ich ein Weichei sei, dass sieht man schon von selbst. Ich bin dementsprechend Donnerstag – weil wir Mittwochs Sportunterricht haben – etwas demoliert. Meine völlige Unfähigkeit hält mich nämlich nicht davon ab, teilweise mit starkem Einsatz im Sportunterricht meine anderweitigen Unfähigkeiten (ich kann mir beispielsweise immer nur eine Anweisung merken) auszugleichen zu versuchen.
Diese Woche, wir spielten mit Übergroßen halben Q-Tips, die offenbar für kleinere Menschen konzipiert wurden, zeigte ich besonderen Einsatz und leide nun auch besonders. So sehr, dass ich heuer kaum aufstehen konnte und ganze 10 Minuten verspätet zum Unterricht erschien, weil ich tatsächlich nur sehr langsam vorran kam (unser Klassenraum liegt im 2. Obergeschoß). Wiedemauchsei.
Im Moment stütze ich mich auf einen Regenschirm, humpele, überlege mir jeden Aufstehen und Setzen ganz genau – und denke trotzdem ständig „Aua, Aua, Aua!“. Vielleicht gehe ich jetzt einfach schlafen. Der Tag, oder besser gesagt, die gesamte Woche hatte nicht wirklich etwas für mich. Abgesehen von dem kleinen House-M.D.-Gefühl beim Humpeln.
Stock
Was war sonst heute noch? • Meine Deutschlehrerin riss – versehendlich – eine Seite aus meiner Prüfungslektüre (Der Proceß). • Zu Dritt Datenverarbeitung. • Film sehen in Englisch und Mathe. • Die Schulleitung ist neuerdings sauer auf mich… • Im Grunde hätte ich heute daheim bleiben sollen.

Große, Kleine und Abstieg vom Olymp

Schuhe, Grün, Teppich
Wenn man klein ist, und die Großen einen nicht ernst nehmen, sagt man sich: „Wenn ich mal groß bin, werd‘ ich ganz anders sein.“, aber ebenso wie die schlechten Zähne werden auch das unfaire Verhalten gegenüber Jüngeren von Generation zu Generation weitergegeben.
Natürlich hat jeder wieder die historische Chance, diesen Teufelskreis zu durchbrechen, aber, Trägheit, Erziehung und auch ein bisschen ein Rachegelüst (das man an den eigentlich Schuldigen nicht ausleben kann) bringen einen dann doch wieder dazu.
Ich erinnere mich noch recht gut, wie weit entfernt alle waren, die in Klassen über einem lernten. Als frischer Fünfer erschlug einen die Hauptschule, an die Abschlussklasse von damals erinnere ich mich kein bisschen. Aber ich weiß noch, wie mich ein paar aus der Klasse darunter immer ärgerten. Sie waren nunmal groß, und ich war klein. Man blickte als kleiner „Bursche“ zu den baldigen Abgängern auf, wie zu Göttern, über ihnen standen nur die Lehrer und das Himmelreich. Sie ignorierten uns, oder waren gemein. Wenn sie dann doch mal nett waren, war man selbst so überrascht, wie als hätte man gerade einen brennenden Dornenbusch… ach, das würde zu weit führen.
Jedenfalls besuche ich gerade ein dreijähriges, noch ziemlich neues Wirtschaftsgymnasium. Vor uns gab es eine Stufe, die nun schon in die Freiheit entlassen wurde, nach uns gibt es zwei Stufen. Inzwischen gehöre ich dieser höchsten Kaste, den Göttern an. Über uns steht nur noch der Himmel. Die Lehrer sind inzwischen zu priviligierten Kollegen geworden, deren Hilfe man annimmt, die man aber nicht mehr als tatsächlich „höher“ betrachtet. (Ich zumindest nicht mehr. Was nichts an meinem Respekt für selbige ändert.) Einer*, ein dicklicher, aber scheinbar netter der Frischlinge, der Eingangsklasse, derer, die so weit untern stehen, wie ich damals, die noch so viel zu lernen haben, einer dieser sprach mich an.
„Sind die coolen Aufkleber von dir?“ fragte er – fast respektlos, aber so wird das, wenn man sich überwinden muss, die Großen anzusprechen – und ich fragte ihn, „Welche Aufkleber?“, weil ich erwartete, er würde sie beschreiben. Tat er nicht. Fast verschüchtert sagte er, „Ja, egal.“ und verschwand. Danach fühlte ich mich erhaben, fühlte mich groß, oder zumindest, größer als die Kleinen. Kurz davor Goethe zu zitieren:
„Du gleichst dem Geist, den du begreifst, – Nicht mir!“
Aber irgendwo tue ich dann doch unrecht, irgendwo ist es falsch. Sollte ich mich morgen bei ihm entschuldigen? Das gliche einem „Gang nach Canossa“, einem Herabklettern vom Olymp, und soviel Anstrengung machen meine alten Knochen einfach nicht mehr mit.
*Alle Personen in diesem Blogeintrag sind frei erfunden.