(tatooine)


Ein ganz bezauberndes kleines Lied von Jeremy Messersmith (gefunden bei Thomas Matterne) hat ein noch bezaubernderes Musikvideo bekommen. Ich bin ja allgemein recht zugänglich für Fan-Musik, wenn sie dann aber noch in einem so wunderbaren, beruhigenden Gewand daher kommt muss ich einfach – wie blöde – lächelnd vor den Lautsprechern sitzen und „Repeat“ drücken.

edit. Und wo wir gerade bei Star Wars sind, hier gibts (danke an René) ziemlich schöne Bilder aus dem neuen The-Empire-Strikes-Back-Bildband (den man mir auch gerne schenken darf. ;)).

Love, Faust, Proceß

Fangen wir mit einem Zitat an. Eines, dessen Quelle so bedeutend und wichtig klingt, dass man zu widersprechen sich kaum zu trauen vermag: In Goethes „Vorspiel auf dem Theater“ aus „Faust – Der Tragödie Erster Teil“ spricht die Lustige Person die weisen Worte:
„Wer fertig ist, dem ist nichts recht zu machen;
Ein Werdender wird immer dankbar sein.“

Recht hat er (oder sie). Weiter im Text.
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Seit nunmehr unendlichen Zeiten quäle und frohlocke ich mich durch Kafkas „Der Proceß“.
Etwa bei der Hälfte des Meisterwerks festsitzend, wage ich mich dennoch, das Werk gesamt zu beurteilen, zu zerpflücken und leichtzüngig – ich bin ja jung und naiv – das Wesen und die Bedeutung des Ganzen mit anderen – von mir ungelesenen – Sachen zu vergleichen.
Kafka schrieb in einer Art Testament, man möge alle seine unveröffentlichten Schriften ungelesen verbrennen. Sein Freund und Nachlassverwalter Max Brod befolgte diese Weisung aber – zu unserem Glück? – nicht. So fanden „Der Proceß“ und zwei weitere Romane in die Hände der Öffentlichkeit – und „Der Proceß“ letztlich auch zu den Pflichtlektüren fürs Abitur 2011.
Was macht ihn so bedeutend? Warum lesen wir ein Buch, das nie die Augen eines anderen Menschen erblicken sollten? Warum lesen wir ein Buch, in dem teilweise die gleiche Rolle zwei unterschiedliche Namen trägt? Warum lesen wir ein unvollendetes Werk?
Vielleicht gerade die Tatsache, dass es unvollendet ist, macht die Geschichte rund um Josef K., all die kafkaesken (anders weiß ich es nicht zu bezeichnen) Momente, Bilder und Begebenheiten so interessant. Wir blicken hier Franz Kafka über die Schulter, blicken auf die unsortierten, unfertigen Seiten.
Es hat ein wenig von Leichenfledderei, dachte ich im ersten Moment. Wir entreißen einem großen Autor die Hoheit über seine innersten Gefühle und Gedanken. Ja, gar, wir zerpflücken, verhandeln, missdeuten sie! Douglas Adams schrieb einmal über P. G. Wodehouse: „Wenn er ein Buch schrieb, pflegte er die Seiten in geschwungenen Wellenmustern an die Wände seines Arbeitszimmers zu heften. Die Seiten, die er für gelungen hielt, pinnte er ganz oben an die Wand, die Seiten, die noch umgearbeitet werden mussten, weiter unten. Sein Ziel war das ganze Manuskript auf das Niveau der Bilderleiste zu heben, eher er es abschickte.“ Vielleicht hätte sich – derartiges Verhalten ist über Kafka nicht bekannt – der größte Teil von „Der Proceß“ noch hinter Stuhllehnen und Schreibtischen versteckt.
Dies bedeutet aber auch, anderherum gedacht, dass Kafka nicht mehr die Möglichkeit hatte, das Werk zu vollenden. Wir lesen also ein entstehendes Meisterwerk, dass unfertig nur wirklich gelungen sein kann.
2010 veröffentlichte Courtney Love – als „Hole“ – endlich wieder ein Album. Viele der Stücke konnte man sich schon – teilweise Jahre zuvor – auf ihrer MySpace-Seite anhören. Ein freundlicher Raubkopierer bastelte aus diesen einzelnen Hörproben, aus dem gerade entstehenden Album, eine Vorab-Version. Vergleicht man die Lieder draus mit denen, die auf der tatsächlichen Albenveröffentlichung Platz fanden, so denkt man – oder eher, so denke ich-, dass viele Stücke zu vollendet, zu perfekt, zu endproduziert sind. Das rohe, echte, wahre wurde der Endfertigung geopfert. Fast überladen, fast falsch wirkt das fertige Album. (Aber es ist trotzdem ein gutes Album. Nur zu fertig.)
Wäre es dem „Proceß“ vielleicht gleich gegangen? Man weiß es nicht, aber, Wenn man so zynisch sein möchte, starb Kafka gerade noch rechtzeitig, um sich nicht „Der Proceß“ nochmal vorzunehmen.
Kafkas „Der Proceß“ eröffnet uns die Welt des gerade schreibenden Autors. Noch nicht zurechtgestutzt, noch nicht massentauglich gemacht, ja, noch nicht einmal sortiert, gibt es uns Einblicke, die wir sonst nur durch einen Einbruch in Günter Grasses Privatwohnung bekommen.

Selbstgespräche

Tesa
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„Was machst du heute, Beliebtsein?“ fragte Langeweile gewonnt fröhlich. „Das selbe wie immer.“ antworte sie selbst, denn Beliebtsein war heute nicht da, so dass sie Selbstgespräche führen musste.
„Prokratinininieren?“ fragte Langeweile, wie als hätte sie die Antwort nicht gewusst. Solche Unterhaltungen waren typisch für die Beiden, auch wenn sie heute alleine war.
Sie selbst antwortete – als wäre sie sie und ihr bester Freund zugleich – mit einem leichten Nicken und fragte dann weiter: „Und was müsstest du eigentlich machen?“ – „Leben“. antwortete sie in einem Ton, den nur Beliebtsein an manchen Tagen anzustimmen vermochte. Um ihr Nicht-Gegenüber nicht weiter zu deprimieren wechselte sie schnell und unbeholfen das Thema.
„Wie findest du die Neue Blumentopf?“ – „Das Lied über Nerds ist toll, und der erste Track geht auch ziemlich ins Ohr.“
„Ich glaube ja, Rapmusik ist das neue Gedichteschreiben. Nein, ersthaft.“ Langeweile lachte ein wenig, dann wurde ihr wieder klar, wie alber dieses Schein-Gespräch war. „Jedenfalls… Irgendwann nennen Sie Max Herre…“ – „… in einem Atemzug mit Goethe, Schiller…“ „… oder Charles M. Schulz.“ – „Ja, vielleicht.“ Langweile blickte schweigend zu Boden.
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Auf eine leere Wand starrend saß Beliebtsein alleine in seinem Zimmer. Mit sich selbst zu Reden deprimierte ihn immer.
„Ich hasse Funkstille.“ dachten beide zugleich. Sie wussten nicht, dass der andere gerade das selbe Gespräch mit sich geführt hatte.

Immer nur zurück.

Mülltonnen
Verdammt, schon wieder. Ich schaffe es schon seit einiger Zeit, nichts mehr zu schaffen. Statt Hausaufgaben, regelmäßigem Bloggen oder zumindest Aufstehen hänge ich rum, warte mich zu Tode, und verpasse jeden richtigen Moment. Das beste wäre, wenn ich „Wir“ (Blumentopf) jetzt abstelle und schlafen gehe. Aber, vermutlich schaffe ich das auch nicht.
Was ich eigentlich heute machen wollte? Ein paar Blogeinträge schreiben (z.B., die besondere Situation von „Der Proceß“ (blah), bei der man Kafka im Prozess des Schreibens zusehen kann, was das Buch einerseits katastophal macht, andererseits sehr sehr bedeutungsvoll. (Weil nur das Werdende schön angesehen wird)…, ansonsten wie Läden wie Cineplexx die Kinokultur zerstören, Was in der Abizeitung stehen könnte, scheiß Hippster-Scheiße, warum Religion ein gutes Unterrichtsfach ist, Ein Herz für Tobi Schlegel, etc. pp.), für die baldige Geschichtsklausur über die Ideologie im Nationalsozialismus (und noch so Krams) lernen, Hausaufgaben, Pseudo-Nerd-Krams, und so weiter und weiter und weiter…
Ich muss gestehen: Ich freue mich grade schon ein bisschen auf das Morgen (vielleicht studieren?), aber vielleicht bin ich dem Heute auch einfach müde geworden. Könnte die Prüfung doch schon vorbei sein.
Ach, egal, ich geh Pennen.

"Ich versteh nur noch Bahnhof."

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„Reden Sie den jetzt über das schwäbische Bürgertum? Das klingt, als würden Sie aus dem Krieg berichten.“,
sagt Marietta Slomka. Sie spricht mit einem grauhaarigen Anzugträger. Im Hintergrund ist der Stuttgarter Fernsehturm bei Nacht. (Gespräch mit Heribert Rech, zirka ab Minute Neun).
Was ist hier eigentlich los? Ein Bahnhof soll neu gebaut werden, und das Volk probt den Aufstand. Wirft – scheinbar – Steine, bringt die Kinder mit, schwänzt Unterricht – für ein paar alten Bäume. Die Fronten sind verhärtet – und ungewohnt. Linke wollen, dass alles so bleibt, wie es ist. Konservative (CDU) beharren auf ihr Baurecht, wollen den Bahnhof vergraben. Es gibt schon – nichts besonderes in Zeiten des Internets – Lieder darüber (Siehe Link zu Spreeblick oben). „Wenn ihr nicht zurücktretet, tun wirs“ heißt es sinngemäß darin. Geht es wirklich nur um den Bahnhof? Geht es um ein Bahnprojekt? Um Bäume?
Es beschleicht mich das Gefühl, die obrigkeitshörigen, feigen Schwaben mucken auf. Viele gibt es, denen es um den Bahnhof geht. Aber sicher auch einige, die hier nur Anlass sehen, Widerstand zu leisten. Wiedereinmal. Was überall sonst jedes Jahr geschieht, das packen die sparsamen Schwaben in einen großen Aufstand. Mein ganzes Leben lang war es ruhig. Entläd sich jetzt der aufgestaute Frust?
Wer hat am Ende Recht? Die Polizei, die Bauarbeiten sichert, die das Recht wie es geschrieben steht, verteidigen muss? Die Politik, die auf getroffene Absprachen verweist? Die Demonstranten, die Bürger, die jetzt endlich aufstehen für oder gegen das, was ihnen (nicht) passt? Wer hat Recht? Gibt es so jemand überhaupt?
Ich verstehe nur noch Bahnhof.
Zapp-Beitrag zum PR-Desaster Stuttgart 21