Selbstgespräche

Tesa
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„Was machst du heute, Beliebtsein?“ fragte Langeweile gewonnt fröhlich. „Das selbe wie immer.“ antworte sie selbst, denn Beliebtsein war heute nicht da, so dass sie Selbstgespräche führen musste.
„Prokratinininieren?“ fragte Langeweile, wie als hätte sie die Antwort nicht gewusst. Solche Unterhaltungen waren typisch für die Beiden, auch wenn sie heute alleine war.
Sie selbst antwortete – als wäre sie sie und ihr bester Freund zugleich – mit einem leichten Nicken und fragte dann weiter: „Und was müsstest du eigentlich machen?“ – „Leben“. antwortete sie in einem Ton, den nur Beliebtsein an manchen Tagen anzustimmen vermochte. Um ihr Nicht-Gegenüber nicht weiter zu deprimieren wechselte sie schnell und unbeholfen das Thema.
„Wie findest du die Neue Blumentopf?“ – „Das Lied über Nerds ist toll, und der erste Track geht auch ziemlich ins Ohr.“
„Ich glaube ja, Rapmusik ist das neue Gedichteschreiben. Nein, ersthaft.“ Langeweile lachte ein wenig, dann wurde ihr wieder klar, wie alber dieses Schein-Gespräch war. „Jedenfalls… Irgendwann nennen Sie Max Herre…“ – „… in einem Atemzug mit Goethe, Schiller…“ „… oder Charles M. Schulz.“ – „Ja, vielleicht.“ Langweile blickte schweigend zu Boden.
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Auf eine leere Wand starrend saß Beliebtsein alleine in seinem Zimmer. Mit sich selbst zu Reden deprimierte ihn immer.
„Ich hasse Funkstille.“ dachten beide zugleich. Sie wussten nicht, dass der andere gerade das selbe Gespräch mit sich geführt hatte.

Immer nur zurück.

Mülltonnen
Verdammt, schon wieder. Ich schaffe es schon seit einiger Zeit, nichts mehr zu schaffen. Statt Hausaufgaben, regelmäßigem Bloggen oder zumindest Aufstehen hänge ich rum, warte mich zu Tode, und verpasse jeden richtigen Moment. Das beste wäre, wenn ich „Wir“ (Blumentopf) jetzt abstelle und schlafen gehe. Aber, vermutlich schaffe ich das auch nicht.
Was ich eigentlich heute machen wollte? Ein paar Blogeinträge schreiben (z.B., die besondere Situation von „Der Proceß“ (blah), bei der man Kafka im Prozess des Schreibens zusehen kann, was das Buch einerseits katastophal macht, andererseits sehr sehr bedeutungsvoll. (Weil nur das Werdende schön angesehen wird)…, ansonsten wie Läden wie Cineplexx die Kinokultur zerstören, Was in der Abizeitung stehen könnte, scheiß Hippster-Scheiße, warum Religion ein gutes Unterrichtsfach ist, Ein Herz für Tobi Schlegel, etc. pp.), für die baldige Geschichtsklausur über die Ideologie im Nationalsozialismus (und noch so Krams) lernen, Hausaufgaben, Pseudo-Nerd-Krams, und so weiter und weiter und weiter…
Ich muss gestehen: Ich freue mich grade schon ein bisschen auf das Morgen (vielleicht studieren?), aber vielleicht bin ich dem Heute auch einfach müde geworden. Könnte die Prüfung doch schon vorbei sein.
Ach, egal, ich geh Pennen.

"Ich versteh nur noch Bahnhof."

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„Reden Sie den jetzt über das schwäbische Bürgertum? Das klingt, als würden Sie aus dem Krieg berichten.“,
sagt Marietta Slomka. Sie spricht mit einem grauhaarigen Anzugträger. Im Hintergrund ist der Stuttgarter Fernsehturm bei Nacht. (Gespräch mit Heribert Rech, zirka ab Minute Neun).
Was ist hier eigentlich los? Ein Bahnhof soll neu gebaut werden, und das Volk probt den Aufstand. Wirft – scheinbar – Steine, bringt die Kinder mit, schwänzt Unterricht – für ein paar alten Bäume. Die Fronten sind verhärtet – und ungewohnt. Linke wollen, dass alles so bleibt, wie es ist. Konservative (CDU) beharren auf ihr Baurecht, wollen den Bahnhof vergraben. Es gibt schon – nichts besonderes in Zeiten des Internets – Lieder darüber (Siehe Link zu Spreeblick oben). „Wenn ihr nicht zurücktretet, tun wirs“ heißt es sinngemäß darin. Geht es wirklich nur um den Bahnhof? Geht es um ein Bahnprojekt? Um Bäume?
Es beschleicht mich das Gefühl, die obrigkeitshörigen, feigen Schwaben mucken auf. Viele gibt es, denen es um den Bahnhof geht. Aber sicher auch einige, die hier nur Anlass sehen, Widerstand zu leisten. Wiedereinmal. Was überall sonst jedes Jahr geschieht, das packen die sparsamen Schwaben in einen großen Aufstand. Mein ganzes Leben lang war es ruhig. Entläd sich jetzt der aufgestaute Frust?
Wer hat am Ende Recht? Die Polizei, die Bauarbeiten sichert, die das Recht wie es geschrieben steht, verteidigen muss? Die Politik, die auf getroffene Absprachen verweist? Die Demonstranten, die Bürger, die jetzt endlich aufstehen für oder gegen das, was ihnen (nicht) passt? Wer hat Recht? Gibt es so jemand überhaupt?
Ich verstehe nur noch Bahnhof.
Zapp-Beitrag zum PR-Desaster Stuttgart 21

❝Schick mich weiter, ich bin Egomasturbation.❞ – ☞ ♥ ♥ ♥ ☜

nichtgucken
Kennen Sie das? Immer mal wieder bekommt man Kettenbriefe von Freunden zugeschickt – meist per E-Mail -, in denen der Leser dazu aufgefordert wird, selbigen – auch an den Absender – zu verschicken und je nachdem, wie viele man zurück erhält, sei man so und so beliebt. Ich persönlich finde derartige Ego-Aufbesserungen ja eine feine Sache, jedoch halte ich mich lange nicht für so bedeutend, als dass ich die E-Mail-Postfächer meiner Freunde und Bekannten durch derlei tausendfach gelesene Nachrichten zu überfüllen. Reicht es denn nicht mehr, frage ich mich dann, dass wir mit einander reden, ohne uns zu beschimpfen, und uns helfen, wenn es nötig ist? Müssen wir unser „Wir können uns leiden“ auch noch durch das hin und her schicken von E-Mails untersteichen?
Wie gesagt, ich habe nichts dagegen (und es freut auch irgendwo, sowas zu bekommen), aber irgendwo sage ich dann doch lieber mit eigenen Worten, dass ich jemanden leiden kann.
Und von wem erhalten Sie regelmäßig Kettenmails?

(i don't believe you)


(Alternativlink)
Das ich einmal mehr zufällig ein Video der Oregoner Gruppe The Thermals sah, darf durchaus als Glücksfall gesehen werden. Nicht nur, dass – ich entspreche hier wieder diesem Klischee – The Termals nach erstem hören sich ziemlich… vielverstechend geben, Nein, das obrige Video führt sogar noch weiter. Die von der Musik verfolgte Frau heißt Carrie Brownstein und ist angeblich eine ziemlich unterschätzte hervorragende Gitarristin, „bekannt“ durch die Gruppe Sleater-Kinney. Es wiederfährt mir also wieder, was mir immer wiederfahren sollte, wenn ich eine neue Band entdecke: Dass sich mein Musikhorizont erweitert. Aber, soweit sind wir noch nicht. Vielleicht bleibt meine Vorliebe bei dem einen obrigen Lied, und gestorben ist jede Weiterentwicklung… Egal, das Video ist auf jedenfall ziemlich gut, auch, wenn das Vorschaubild rein gar nichts verspricht.