eine kotzschüssel

in meiner kindheit hatten alle leute eine kotzschüssel, welche die kinder bekamen, wenn sie krank waren. sie diente auch für anderes, salat putzen, biomüll sammeln, war schon alt und ihr plastikrand ganz rau, als hätte man daran versucht, ein messer stumpf zu bekommen. sie war bunt, aber auf eine gealterte weise, und zuverlässig, darin, erbrochenes aufzunehmen.

ich habe keine kotzschüssel. ich lebe seit 30 jahren hier und wenn ich kotzen muss, dann frage ich mich erstmal, wohin. so viel auswahl. klo? ein kochtopf? ein übertopf? eine rührschüssel? aus dem fenster? wenn es mir schlecht geht steht manchmal ein putzeimer neben mir. aber er riecht nach reiniger, und davon muss ich nur mehr würgen. was ist, wenn ich etwas aufwischen muss? der putzeimer ist tief und man ist versucht, das ganze gesicht hinein zu legen. die dämpfe der frischen kotzen würden einen umarmen. der eimer ist groß und unhandlich. was tut er dort? wo ist er hin?

die kotzschüssel meiner eltern war groß und hatte eine öffnung, die man kaum nicht treffen konnte. sie war alt und hatte alles schon gesehen. niemand hätte einen kopf darauf gestützt. niemand hätte etwas von ihr erwartet, und doch: egal, was passierte, sie trug es mit fassung.

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