Es ist so, dass du fehlst

Eine Wohnung zu beziehen hatte ich mir deutlich weniger kompliziert vorgestellt.

Diese 10 qm warten auf meinen Einzug.

Nicht, dass es tatsächliche Probleme gäbe. Ich selbst bin ganz zufrieden. Ein paar Flecken an der Wand, noch keine Küche und auch dem Badezimmer fehlen noch relevante Teile. Tatsächlich stört mich nur, dass es im Moment weder Telefon- noch Internetanschluss gibt („Ich kann so nicht arbeiten!“) und ich – wenn ich denn Geschirr hätte – dieses im Badezimmer spülen müsste.
Aber, immerhin hängen jetzt Lampen in den meisten Zimmern und wirklich gestört von all den kleinen Mängeln und „Abers“ fühlen sich nur meine Freunde. Für sie sind „diese Zustände […] unzumutbar“. Ich könnte damit leben. Ich würde vermutlich mit wehenden Fahnen dort einziehen, wenn es denn, ja, wenn es denn einen Internetanschluss gäbe. Und ich einen Schlüssel für den Briefkasten hätte. Und ich all die kleinen Kleinigkeiten, die zu einer vernünftigen Erstausstattung einer Wohnung gehören („Ein Besen!“, „Ein Eimer!“, „Spülmittel!“, „Ein Duschvorhang!“, „Ein paar Pfannen, ein Wasserkocher, Gabeln, Messer, Teller und Gläser“, …) habe ich natürlich auch noch nicht. (Spotify-Link)
Andererseits muss ich natürlich bedenken, je später ich einziehe, desto später beginne ich Miete zu bezahlen und desto früher muss ich erkennen, wie aufgeschmissen alleine ich eigentlich für mich allein bin.

Die Frau im Heizkörper

Es gibt Dinge, die müssen einfach so gemacht werden. Kleine Traditionen, Gewohnheiten und Rituale. Das abgeknubbelte Eck an der Bierflasche, der tägliche Blick ins soziale Netzwerk, dass man das Radio anzündet, wenn es Carly Rae Jepsen spielt, oder eben das erste Video in einem Blog. Für mich ist das stets „In Heaven (Lady in the radiator song)“ aus dem Film Eraserhead.

Lady in the Radiator (Eraserhead Vinyl-Soundtrack) – Photo by Sam Howzit (CC-BY)

Gesungen und komponiert übrigens von Peter Ivers im Jahr 1976. Laurel Near, Schauspielerin und Sängerin – die Wikipedia zufolge aber nur in Eraserhead auftrat – riskierte für den Film zwar dicke Backen (höhö), aber nicht ihre Stimme. Die Gesangsszenen lip-syncte sie „lediglich“ zu Peter Ivers‘ Song.
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Jetzt sind wir hier.

Ich habe ein kleines Problem: Ich quatsche einfach zuviel, ich komme einfach nicht auf den Punkt. Ich interessier’ mich nunmal für Tennis genau wie für Computerspiele oder Kino. Man kann das nicht einfach voneinander trennen. Die Dinge sind eben in Bewegung – alles fließt – Yin und Yang, wenn Sie versteh’n. Ich stecke meine Nase einfach in alles hinein; und nach all den Fragen kommt der Punkt. Es gibt einfach von allem zwei Seiten! Apropos Seiten…naja aber das würde jetzt zu weit führen.
— Stimme aus dem Off (Sendung ohne Namen)*

Es ist Zeit für eine Veränderung. Es verändert sich so viel gerade und ich will mir nicht vorhalten können, ich hätte mich in meiner Vergangenheit vergraben, als ich mutig meiner Zukunft hätte entgegen treten müssen. So wird es vermutlich sein und ich verkrieche mich sehr gerne, aber vorhalten will ich es mir dennoch nicht. Es gibt ein paar Veränderungen, die in meinem Leben eingetreten sind und gerade eintreten, und ich möchte diese – auch mit Hilfe dieses Blogs – mit Dir und meinem zukünftigen Ich teilen.
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Du bist mir diese Lüge wert.

papaundbruder3

Ich glaube nicht, dass früher alles besser war. Ich erinnere mich noch, die Sendung ohne Namen mehrfach zitiert zu haben mit den Worten „Früher war nicht alles besser. Sie waren maximal dümmer und haben die Dinge, die sie heute stören einfach nicht bemerkt“ (sinngemäß). Heute (im Sinne von an diesem Tage) kommen mir so die Zweifel an dieser Aussage. Sie setzt nämlich voraus, dass wir dazu lernen – und das kann ich nach einer Woche an der Universität eher… verneinen. Ich fühle mich eher dümmer. Es muss also eine andere Erklärung da sein für das Gefühl, das früher etwas besser gewesen ist, als es heute der Fall zu sein scheint.

Ich glaube – jetzt, in diesem Moment -, dass wir als Gemeinschaft beschlossen haben, Kindern eine möglichst unbeschwerte Kindheit zu gewähren. Egal, ob nun Krieg, Hungersnöte oder Börsencrash ist. Von den Krisen der Großen sollen die Kleinen verschont bleiben. Selbstverständlich klappt das hinten und vorne nicht, aber die Intention, auch durch bewusste Falschaussage („Der liebe Gott“ / „Weihnachtsmann“ / „Wir lieben dich“ / etc. pp.) und unbewusstes Heile-Welt-Theater (wenn ich Kinder sehe fange ich wie bescheuert an zu lächeln. Egal, wie schlecht es mir geht. Ich denke immer, dass sie noch genug traurige Gesichter in ihren Leben haben werden), man könnte fast sagen das Lügengebäude, dass wir dem Wohle der nachfolgenden Generation errichten – und sie individuell abtragen lassen – ist gut. Stück für Stück tragen sie es dann ab, wachsen daran. Weihnachtsmann, dann Träume, Liebe, Hoffnung. Jedes Kuscheltier, jedes Stück heile Kinderwelt nimmt uns das Erwachsenwerden. Aber es nimmt es uns langsam genug, als dass wir uns daran gewöhnen können (meistens zumindest).

Es ist wichtig: Die Lügen, die Betrügereien, das Theater. Die Welt ist nicht gut und die Menschen sind schlecht. Aber man darf das erst später lernen. Kinder sollten nicht verbittern. Jeder sollte wenigstens ein wenig Unbeschwerte Zeit in seinem Leben haben. Und ich bin bereit – wenn auch nicht für die eigenen Kinder, doch zumindest für die Kinder meiner Umwelt Lasten mitzutragen, um Ihnen eine so heile Welt vorspielen zu können, wie ich sie hätte erleben wollen.