Ich hab gesehn, dass du weiszt was ich mein' und du weiszt ganz allein, warum du mir das Wort verdrehst.

Wir sind keine Gesellschaft. Unsere Politik, unserer Medien, selbst unsere Bildungseinrichtungen verfolgen nicht das Ziel, eine Gesellschaft zu bilden. Es ist ein permanenter Kriegszustand, in dem die oben gegen die unten kämpfen. In dem jeder versucht, das größte Stück des Kuchens zu bekommen. Bevor Sie sich fragen, wohin sich dieser Artikel entwickeln wird: Ich schreibe kurz darüber, wie doof alles ist, um dann die Frage nach unserer Stromversorgung zu stellen.
Die Titelseite der Tageszeitung ist die tägliche Todesanzeige unserer Demokratie.
Aus unerfindlichen Gründen landete ich heute wieder vor der Titelseite unserer Tageszeitung. Headliner ist eine Geschichte über die steigende Zahl der Niedriglöhner. Rechts daneben steht etwas über die Ungleichheit bei Studienanfängern. Noch immer würden deutlich weniger junge Menschen aus Arbeiterfamilien ein Studium beginnen als Kinder aus Elite-Häusern. Der längste Text auf der Titelseite behandelt den großen Mangel an Sozialwohnungen. Über 4 Millionen Wohnungen würden fehlen. Hmpf. Vermutlich, damit man denkt, es könne ja noch schlimmer sein, behandelt der Text am unteren Ende der Titelseite das marode Stromnetz in Kuba, dem letzten „kommunistischen“ Staat der Welt, dessen Energiesparbestrebungen auch nicht vor teilweise Tagelangen Stromausfällen schützt.
Im Grunde sagt uns diese Titelseite in ihrer Komposition aus Negativmeldungen, dass es zwar schlimm sei bei uns – insbesondere, wenn man arm ist -, aber unser Weg doch alternativlos ist.
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Keep your 'lectric eye on me babe

inhaltewiebitte

Meine Hoffnungsvision ist keine Utopie oder ein dummes Parteiprogramm, sondern das Internet. Und diese Hoffnung lasse ich mir nicht kaputtmachen.

Gerade ist das Internet weg. Ich tippe diese Zeilen also in dem Wissen, sie nicht direkt abschicken zu können. Ich tippe diese Zeilen auch immer wieder unterbrochen von meinem geradezu natürlichen Nachschlagedrang. Als ob ich die Netzlosigkeit nicht wahrhaben wöllte tippe ich Begriffe ins Suchfeld ein, nur um das viel zu vertraute „Diese Webseite ist nicht verfügbar.“-Trauerspiel sehen zu müssen. Spotify spielt derweil nur Titel, die sich auf meiner Festplatte befinden. (Siehe Titel.)
Das Internet erscheint mir derart selbstverständlich – ebenso wie ein Buch, die Schwerkraft oder das Mario Barth sexistische „Witze“ erzählt erbricht -, dass ich mir gar nicht mehr vorstellen könnte, dass es einmal anders sei. Mein Wissensrückrat sitzt im Netz. Meine Erinnerung, meine Kommunikation, meine Verantwortlichkeiten… selbst ein Müllkalender, wie ihn meine Eltern einmal jährlich erhalten und dann übertragen, ersetzt für mich der E-Mail-Alert der Stadtreinigung.
Die Vorgängergeneration – wie ich heute in einem sehr anstrengenden Gespräch wiedereinmal verstellten musste – sieht es als Gefahr an. Nur lokale Freundschaften sind etwas wert, nur wer sich trifft ist echt und schlechte Manieren sind keine mangelnde Erziehung, sondern daran ist das böse böse Internet schuld. Es fühlt sich an, als würde man die Farbe Blau ersthaft in Frage stellen.

Es ist eher ein Internetglaube oder eine -ideologie, als ein mit Fakten unterfütterte Ansicht. Ich bin mir bewusst, dass ich nicht unbedingt Recht habe.

Menschen, die im Internet aufgewachsen sind, mögen kurzsichtig handeln, mögen ohne Wikipedia hoffnungslos überfordert sein und ohne Navi keinen Weg mehr finden. Das Internet mag unsere Gehirne verändern, so, dass bisherige Maßstäbe nicht mehr funktionieren. Vielleicht ist uns die Vorgängergeneration bei der Welt, die vor allem Sie gestaltet haben, tatsächlich überlegen. Ich will auch gar nicht behaupten, das Internet hätte keine negativen Folgen. Ich will nicht behaupten, Technologie sei nur gut. Möglicherweise sind es z. B. die durch Mobilfunk und W-Lan gebratenen Redaktionen-Köpfe, die Leuten wie Manfred Spitzer ihre Thesen im Fernsehen erbrechen erzählen lassen.
Aber, mal ehrlich, wenn ich einen Test erstelle oder ein Thema untersuche, dann ist es doch eher unwahrscheinlich, dass ich meine eigenen Meinungen Verwachsene Kopfhaare Thesen dabei widerlege. Außer, ich heiße Stephen Hawking.
Auch, wenn ich eine Welt aufbaue, ein Gesellschaftssystem installiere, wieso sollte ich dann eines wählen, dass meinen Ansichten widerspricht? Worauf ich also „warte“ ist, selbst an den Hebel der Entscheidung zu kommen, um die Welt für meine Kinder ruinieren zu dürfen.
Zwei Sätze Punkte noch, weshalb es mich zugleich so stört und mir so unendlich egal ist, was die Frau aus meiner Elterngeneration mit heute an Gegenwartskritik ins Gesicht spuckte: 1. Das Internet hat mich vor allem gelehrt, jede Information egal wie Glaubwürdig oder Autoritär zu Hinterfragen. Es ist mir deshalb fast nicht mehr möglich, unreflektierte, unsachliche „Argumente“ für blödsinnige Ansichten anzuhören ernst zu nehmen. 2. Warum sollte ich mich darum kümmern, was ein Troll für Ansichten hat. Auch, wenn halb Deutschland aus diesen Offline-Trolls zu bestehen scheint.

Schüttel dich, wechsel nich'?

Es ist die alte Frage. Should I stay or should I go? Bleibe ich bei Blog.de, oder traue ich mich endlich in die freie Welt hinaus? Mache mich unabhängig, wie Thomas, Simon, Uwe, Christian und alle die anderen?
Srly?
Warum kein eigenes WordPress? Ich müsste nur z. B. bei Uberspace 10 GB Webspace für einen frei gewählten Betrag mieten und ehrlich gesagt hätte die Domain leblogcestmoi.de dann wenigstens ein bisschen Sinn.
Warum aber wechseln, wenn man sich hier schon über sieben Jahre lang mehr als gut eingerichtet hat? Mit den FreeHTML-Design gehe ich inzwischen halbwegs sicher um – wenn auch immer noch sehr stümperhaft, aber die Zurückhaltung des Anfangs ist verflogen. Die Community, die hier so viele Leute zu halten scheint, ist für mich nur noch ein untergeordneter Punkt. Die meisten Freunde, die ich auf dieser Plattform fand, sind bereits weitergezogen oder würden ebenfalls weiterziehen. (Zumindest so mein momentaner Eindruck). Und längst ist der Feedreader Ersatz für die Freundesliste.
Die Untergangsstimmung wäre ja da. (Wie ich schon vor zirka einen Monat hier beschrieb). Blog.de hat nicht mehr den Charm, den es noch versprühte, als ich vor gut 2 Jahren entschied, nicht zu wechseln. Auch die vielen, kleinen Probleme verzeiht man nicht mehr, jetzt, wo diese Plattform kein junges Start-up mehr ist, sondern Teil eines großen, internationalen Internetkonzerns (nein, nicht Google oder Facebook).
Bei Blog.de finde ich nur noch Veralteten Mist oder Zeug, das mich nicht interessiert. Aber deshalb gehen? Würde es bei mir aber nicht laufen wie bei Christian oder Simon (Links oben), die nun noch weniger bloggen als ich? Einen Neuanfang wagen, um dann ganz unauffällig ganz zu gehen? Nach dem letzten Relaunch kommt das Ende?
Klar ist: Ich bin kein Marcel und erst Recht kein René. Und in diesem Leben werde ich auch keiner mehr. Aber das will ich auch nicht. Aber ich will auch kein Maikinet werden (nicht, weil der doof wäre, sondern weil er eine ganze Weile alles mögliche probiert hat, WordPress, Tumblr, Podcasts, Nachrichten, alles, ohne bei irgendwas zu bleiben und man als Leser schlicht den Überblick verlor).
Ich will zumindest sowas wie „ich“ sein können. Muss ich dazu einer der WordPress-Lemminge werden? Muss ich dieses Blog loslassen? Oder ist das Blog doch ich?
Soll ich bleiben oder gehn?
Darüber werde ich die nächsten Wochen nachdenken. Wie-der-ein-mal.

Anti-Kommerz-Steppdecken. Für nur € 12,99 bei IKEA.

Spiegel
Wann ist es eigentlich eine ernstzunehmende Freizeitbeschäftigung geworden, Einrichtungshäuser zu besuchen? Das muss zur gleichen Zeit passiert sein, als es eine angemessene Einleitung für Texte wurde, rhetorische Fragen zu stellen.
Gestern war der neue IKEA-Katalog („2013“) im imaginären Briefkasten. Aus Gründen sah ich ihn kurz durch, beschwerte mich über die für mein Einkommen (aktuell habe ich ungefähr minus 10 Euro pro Monat zur freien Verfügung) völlig unerschwinglichen Produkte und setzte dann auf meine Liste der gewünschten Möbelstücke noch einen Klapp-Hocker.
Wie jedes Jahr war ich über meine eigene Begeisterung schockiert. Warum schaue ich mir diesen Katalog an? Und warum fahren wir hin? Warum fahren wir sogar manchmal hin, obwohl wir gar keine Möbel brauchen?


Aus Gründen werde ich dennoch zu IKEA fahren. Aber ein mulmiges Gefühl bleibt. Macht meine Generation nicht so ziemlich alles falsch, wenn sie ihre Freizeit damit füllt, einzukaufen? Wenn Möbel ein Erlebnis werden oder wie auch immer? Wenn mir bei Schweden nicht als erstes zufriedene Bürger oder der wunderbare I’M @sweden-Twitteraccount einfällt, sondern der Weltkonzern mit Sitz in den Niederlanden, der in DDR-Gefängnissen produzieren ließ und auch heute noch versucht mit teilweise zweifelhaften Methoden, möglichst viel Gelder zu sparen (oder zu verdienen (Achtung, Verlagslink!)). Die Vereinnahmung des Blau und Gelb durch den Vier-Buchstaben-Möbelhändler hat sich im Unterbewusstsein festgesetzt.
Heute blätterte mein Bruder durch den Katalog. Gierig blätterte er Seite um Seite um, betrachtete die Möbelstücke und moserte über die Preise. Und dann sagte er, dass es doch traurig sei, dass man heute nicht einmal mehr einen Pornofilm sehen könne, ohne irgendwo ein Billy-Regal oder eine Klippan-Zweier-Sofa zu erblicken. Auch er wird wieder zu IKEA fahren.
Alle hassen es. Alle verteufeln es. Und trotzdem hat mein Kumpel die beste Note dieses Semester in einer mündlichen Prüfung über „die Kassensituation bei IKEA in Hinblick auf Kinder“ geholt. Und trotzdem fahren wir wieder dorthin. Spontan, damit man nicht das Gefühl bekommt, man würde Möbel einkaufen, sondern sich einreden kann, man würde seine Freizeit gestalten.
Eigentlich hatte ich Lust, eine Fight Club-Referenz hier einzubauen, aber selbst die Kritik an der Welt ist doch ein Teil von ihr. Vielleicht raffe ich mich die Tage dazu auf, zu schreiben, warum unsere Misere nicht ein Frau-Mann-Problem ist. Vielleicht suhle ich mich aber auch in der Gewissheit, dass selbst Guy Fawkes-Masken bei Saturn verkauft werden und morgen gibts vermutlich „Rettet den borealen Nadelwald“-Aufkleber bei IKEA…
Die Revolution wird nicht im Fernsehen übertragen?
Es wäre ihr zu wünschen, aber hoffen kann ich darauf nicht mehr.

"Ich bin ja voll für Gleichberechtigung, außer es geht um Schwuchteln."

Ich gebe zu, dass ich massive Vorurteile habe. Dazu gehört, dass ich es für besser halte, wenn zwei Menschen, die sich verstehen und zusammenarbeiten ein Kind großziehen. Ich mag nicht dieses – oftmals falsche – Bild des alleingelassenen, vereinsamten, alles-nur-fürs-Kind-machenden Alleinerziehenden. Ich glaube, wenn man ein Kind gut erziehen will und es nicht nur irgendwie groß bekommen, dann braucht man Rückendeckung von allen möglichen Seiten. Von einem Partner, von Freunden, der Familie und letztlich auch der Gesellschaft.
Ja, es ist altmodisch und total verbohrt, aber für mich ist die Familie die Keimzelle der Gesellschaft. Gibt es keine Familien mehr, gibt es auch keine Gesellschaft (so, wie wir sie kennen).
Letztlich ist mir egal, wie diese Familien aussehen. Mutter-Vater-Kinder sind mir ebenso lieb wie Mutter-Mutter-Kinder beziehungsweise Vater-Vater-Kinder (oder völlig genderfreie Definitionen). Von mir aus könnte auch ein sprechender, intelligenter Affe ein Kind großziehen. Ich glaube nicht, das eines der Kombinationsmodelle einem anderen überlegen ist. Und damit fühlte ich mich bisher auf Seiten des Grundgesetzes. Schließlich steht dort nicht:
Artikel 3: Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich. Außer, sie sind Schwuchteln oder Ausländer oder halt anders als unsere Wunschvorstellungen.
Wenn wir uns die peinliche Diskussion um die eingetragene Lebenspartnerschaft ansehen zweifele ich wirklich an der Verinnerlichung dieser Grundwerte. (Ich verlinke aus Leistungsschutzrecht-Gründen nicht zu irgendeiner Pressequelle, daher Kurzfassung: Justizministerin Leutheuser-Schnarrenberger will in alle möglichen Gesetzestexten – außer Adoptions- und Steuerrecht – neben Ehegatten auch „und Lebenspartner“ stehen haben. Opposition sieht das als Minimallösung. CDU blockiert möglicherweise das Vorhaben.) Andererseits führte ich gerade eine kurze, für mich sehr schockierende Diskussion mit meiner Mutter, die der Meinung ist, es dürfe Ehe nur zwischen Mann und Frau geben, weil nur da ein Kind gezeugt werden könne.
Meine Mutter argumentierte dann auch damit, dass zwei Frauen kein Kind bekommen könnten. Zumindest für Frauen müsste es aber – langfristig – möglich sein, durch künstliche Befruchtung ein Kind zu zeugen. Ob dies auch für Männer mit ihrem „verkrüppelten“ Y-Chromosom gilt, kann ich leider nicht sagen (Biologie ist nicht ganz mein Fach). Aber auch hier müsste gelten: Wir dürfen nicht aus einem Grund etwas verbieten, was wir an anderer Stelle mit gleicher Begründung nicht verbieten (sonst dürften auch Frau-Mann-Paare keine künstliche Befruchtung nutzen).
Dieser Logik des „nur verheiraten wenn Kinder möglich“ folgend dürfen Ehen nur zwischen Zeugungsfähigen geschlossen werden und das Ziel – das in die Welt setzen von kleinen Menschen – müsste als einziges, zentrales Ziel dieser Gemeinschaft festgesetzt werden. Wenn sich eine Zeugungsunfähigkeit erst später herausstellt, dann müsste das die Zwangsscheidung nach sich ziehen.
Dabei ist Ehe etwas (wenn auch nicht völlig) anderes.
Das Wort Ehe kommt vom althochdeutschen ēwa („Sitte, Recht, Gesetz“, aber auch eng verwand mit Ewigkeit). Würden wir die Ehe also als einen ewigen Bund, eine Sitte zusammen zu sein sehen würden – wie es uns die Sprachgeschichte nahelegt -, dann wäre die eingetragene Lebenspartnerschaft im Moment die bessere „Ehe“ (vgl. Scheidungsquote Ehe mit Auflösungsquote eingetragene Lebenspartnerschaft in Berlin (Bundesweite Zahlen existieren nicht). Einer Quote von 30 bis 45 Prozent stehen 5,4 % gegenüber.)
Das alles ist natürlich eine Milchmädchenrechnung und jeder Versuch, eine bestehende Rechtsauffassung – egal auf wie unlogischen und teilweise menschenverachtenden Prinzipien sie beruhen mag – ist nur sehr schwer zu ändern. Immer noch gibt es in unserem Land eine (hoffentlich nur gefühlte) Mehrheit, die sich gegen Gleichberechtigung und -stellung aller hier lebenden Menschen wehrt.
Andererseits, wer soll sich noch wundern, dass im Deutschland der Kristina Schröders, der Entscheidungen gegen das eigenen Grundsatzprogramme und der sexistischen Kinder-Schoko-Eiern denen keine Ehe erlaubt ist, die dafür seit Jahrzehnten kämpfen, und zu einem Teil bessere Eltern sein können, als es zu einem Teil heterosexuelle Paare sind.
Bei der Gelegenheit: Liebe Presse, „Homo-Ehe“ ist der wahrscheinlich beleidigendste Begriff überhaupt, denn er unterstellt, es gäbe eine „Homo-Ehe“ und eine „richtige Ehe“. Richtiger wäre es, würdet ihr zukünftig auch von „Hetero-Ehe“ schreiben. Da dies nicht praktiziert wird, sehe ich eure Verwendung des Schmähbegriffs „Homo-Ehe“ als Angriff auf unsere auf Menschenrechten und Gleichberechtigung fußenden Grundordnung. Andererseits erwarte ich gar nicht mehr von euch, dass ihr euch an eure eigenen Grundsätze haltet. Zu sehr bin ich enttäuscht.
Ich weiß wirklich nicht, was ich schlimmer finde. Diese Diskussion an sich, oder dass wir diese im Jahr 2012 immer noch in unserer Demokratie führen müssen. Ich kann mir gar nicht so viel Essen leisten, wie ich gerade erbrechen möchte.