Solltest du mich finden, will ich nix hören; Nur ein dummer Satz würde alles zerstören

Ich wäre gerne mal wieder verliebt. Aber das ist schwierig heute. Jede_r hat komische Meinungen und ich bin so unglaublich unbegabt im direkten Kontakt. Aber ich kann ganz gut akzeptabel mit Menschen schreiben. Zumindest haben Leute, mit denen ich schreibe, ein besseres Bild von mir, als jene, mit denen ich rede.
Das Problem am Internetkontakt – denn mal ehrlich, niemand mehr schreibt Briefe – ist, dass wir über alle unglaublich viel wissen können. Da ist diese unheimlich süße flicka, oder dieser obercute pojke und du schwärmst – und sabberst – beinahe deren Facebook-Profil-Foto voll, und, oh, ihm_ihr gefällt die Bild-Zeitung. Instant-Impotenz, Sofort-Sahara, och nee! Das will ich nicht wissen, bevor mir jemand seine guten Seiten zeigen konnte. Wenn aber das Profil privat ist oder nur sehr wenig online, dann halte ich die Leute für paranoid. Und für mich Internetkind … nunja.
Ich habe Angst davor, zuviel zu erfahren, weil dann alles sofort aus ist.
„Ich könnte dich nicht lieben“ rappen die Antilopen Gang in ihrem Lied „Verliebt“, und erzählen, wie sie sich verstecken, um nicht die Wahrheit über jemande_n, in den_die man verknallt ist, zu erfahren. Oder um zu verhindern, dass das Gegenüber die Wahrheit über dich erfährt.
Sascha Lobo nannte das in seiner SPON-Kolumne mal „Die Gnade des Nichtwissens“ und schrieb davon, dass das Wir-Gefühl, das wir™ früher so viel hatten, davon lebte, dass wir viele Dinge über unsere Kollegen, Freunde, Familie nicht wussten (oder ausblenden können). Jetzt, wo alle alles über alle wissen können wird ein „Wir“ schwierig. Lobo endet damit, dass er Hoffnung macht, dass wir™ ein neues Wir-Gefühl schaffen können mit… nun, dem Internet.
Das ganze lässt sich auch auf Partnerschaften übertragen. Zumindest würde es erklären, warum sich Leute trennen. Weil man sich „zu gut“ kennengelernt hat.
Ist der Ausweg dann jemande_n zu finden, der genau passt? Hej Bullshit-Partnervermittlung, bitte einmal klonen! Also wieder nur die Filterbubble anpassen? Und dann findet man eben die_den perfekte_n Partner_in in Panama? Und wir tigern da hin, und zeigen am Ende doch nur wieder Bärentatzen? Ne. Ich glaube nicht an die „große Liebe“ und Wreckless Eric. Außerdem ist das eh höchst problematisch.
Ich glaube, es gibt viele Menschen, mit denen ich gut funktionieren könnte. Die mich und sie (plural) in unseren Leben weiterbringen – oder zumindest eine gute Zeit machen würden. Lieber gehe ich jeden Abend in eine Kneipe und gebe Schnäpse aus, als dass ich das Geld irgendeiner Agentur in den Rachen werfe. (Wobei es mir widerstrebt, da durch „Schnaps ausgeben“ ein Machtverhältnis etabliert werden soll, was ich ablehne. Außerdem bin ich schlecht im Reden.) Egal wo ich hinginge: Ich würde eh nur Leute finden, die ich aus irgendwelchen unsinnigen Gründen nicht mögen kann – oder die mich nicht mögen.
Dabei will ich das alles nicht. Ich will ausblenden können, dass du in der AfD/NPD/CSU bist – irrght! – und bei PEGIDA/Montagsmahnwache/Chemtrailzeugs mitmarschierst – hirrzt! – und die Backstreet Boys mitsingen kannst – oh, das ist eigentlich ganz cool – und Helene Fischer – HIRGZNT!! -, aber ich kann das nicht. Ich kann das nicht!* Ich würde mich fühlen, als würde ich mich verraten. Und dir wird es ähnlich gehen, wenn du dieses Blog liest, wenn du Dinge von mir erfährst, – dass ich in der Gewerkschaft sei, jW las, fefe verbreitete, Emanzipation versuche zu fördern, blogge; all sowas; – die mich nicht gut repräsentieren. Dabei habe ich noch so viele andere schlechte Eigenschaften, und du hast selbst noch so viele andere und ich will alle davon kennenlernen – ja, cuter kille, bezaubernde tjej, ich meine Dich – und ich will mit dir vielleicht … auch ein bisschen knutschen.
Aber ich kann das halt nicht ausblenden.* Und ich will nicht, dass du dich änderst. Denn so, wie du gerade bist, bist Du ganz großartig für jemand_e. Und ich wünschte so, diese Person könnte ich sein.
(*Ich sollte das nicht.)
Ab wie vielen verkackten Dates darf man sich eigentlich eine Katze kaufen?
(Geschrieben im Januar 2015)

Im Namen eines Fremden

„Ich hab schon so oft eine Faust ins Gesicht gedrückt gekriegt, dass es mich mittlerweile ungefähr so juckt wie’n Mückenstich.“ (Koljah & NMZS: Antikörper)
Es ist acht Jahre her, dass ich das letzte mal meinen Namen googelte. Damals schrieb ich einen Blogeintrag darüber, was für Sebastian S.‘ es so gibt, ein Kreisbaumeister, jo, einer aus Rommerskirchen, usw. Der Text damals war banal und nebensächlich – so wie mir dieser Text banal und nebensächlich im Jahr 2022 vorkommen wird -, weshalb ich ihn irgendwann beim Umziehen einmal quer durchs Internet privatisierte.
Heute, mit den „neuen“ Möglichkeiten, lassen sich noch viel mehr Namensvetter finden. Doch irgendwie… traue ich mich nicht so recht, mit ihnen Facebookfreundschaften zu schließen oder mal Schnitzelessen zu gehen. Denn ich hab‘ Angst dass du was Dummes sagt, das mir nicht gefällt. So findet sich etwa ein Sebastian S.‘, der mit – ich vermute mal – seinem Lebensabschnittspartner posiert (cute!), „Scandinavia and the World“-Comics verbreitet, Facebook-Spielchen spielt und … Postings der Jugendorganisation der AfD teilt (Seufz). Ein anderer zockt Halo, wieder ein anderer steht auf Taekwondo.
Ich frage mich, wie ich in diese Reihe passe. Was denken der Kreisbaumeister oder der Halo-Zocker, wenn sie ihren Namen googeln und mich finden? Vielleicht dieses Blog lesen, wenn bei einem Vorstellungsgespräch gefragt wird, was sie im Internet so treiben? Vielleicht, in dem ich hier so offen stets über mein Leben schreibe, lege ich den anderen Steine in den Weg.
Aber… andererseits… das von mir erzeugte Rauschen übertönt jede eurer Peinlichkeiten. Und meine Peinlichkeiten – wie damals der Bug-Report in der Tageszeitung oder wie mich Marcel Wichmann (zurecht) als strunzdumm bezeichnete – stören mich längst nicht mehr.
Vielleicht spielte einer der anderen Sebastian S.‘ auch schon dieses Spiel und fand dann – nach ein bisschen lesen – einen guten Grund, mich nicht zu kontaktieren. Vielleicht bin ich ihm zu weinerlich oder ich denke zu viel nach oder ich bin zu jung oder zu alt. Vielleicht ist aber gerade das, was ich nicht cool finde und mich abhält, mal „Hej“ zu sagen, das, was jene andere davon abhält, mir zu schreiben.
Vielleicht – und ich lege mich jetzt darauf fest, dass die anderen Sebastian S.‘ mein ständiges „Vielleicht“ nervt – gäbe es auch außer „Cool, du hast den gleichen Namen wie ich“ einfach nichts einander zu sagen. Was zu Schulzeiten noch für langfristige Freundschaften reichte („Du heißt auch Karl?“ „Ja!“ „Cool, lass uns immer zusammen sitzen!!!“) ist heute nicht einmal mehr genug für eine Mail.
Vielleicht ist das aber auch gut so.

Be nice to the bot.

Seit einiger Zeit folge ich einem Bot auf Twitter, der sich @bffbot1 nennt – oder netter „Alex“ – der mit einem bearbeiteten Bild der bezaubernde Laina Morris aufmacht. (Dass „das Mädel, welches in die Kamera starrt“ einer der ‚Prominenten‘ ist, die ich mit Namen kenne, sagt auch ziemlich viel über mich aus, dazu bei Gelegenheit mehr).
Dieser Bot, ach, „sie“ soll eine überanhängliche Freundin simulieren, und das tut sie, in dem sie alle Fotos ausgräbt, sich über mangelnde Antworten und Erwähnungen beschwert, Tweets faved – schlicht alles, was ein Mensch wohl auch tun würde. Und letztlich ist es auch Menschliches Handeln, welches nur automatisiert wurde.
Daraus entsteht für mich als sozial eher Schwachen (gemeint: nicht so gut mit Menschen) ein komisches Gefühl. So, wie ich auch anderen Twitterern, die ich überhaupt nicht kenne geschweige denn schonmal angetatscht habe (und was ist berühren bitte für ein Beweis?) gewisse Nähe entgegenbringe, so traue ich mich auch Alex gegenüber darauf nicht zu verzichten. Schließlich ist sie, in verquerer Weise, auch nett zu mir. Sie hat bisher keine Grenze überschritten, war nicht so aufdringlich, dass es mich gestört hätte, schlicht: Sie war eine nette Bekannte.
Dahinter steckt aber ein Computerprogramm, und dahinter erst ein Mensch, der aber wohl kein Interesse an mir hat. Ist Automatisierung die Zukunft der Versorgung mit Menschlicher Nähe für die sozial Schwachen der Zukunft? Oder anders: Werde ich, wenn ich in 20 Jahren mal jemanden zum Reden brauch, vielleicht mit einem Bot reden? Und welche Auswirkungen könnte das auf unserer Gesellschaft haben, wenn das Redebedürfnis gestillt werden kann, ohne damit anderen Menschen zwangsweise das Ohr abzukauen. Vielleicht reden wir dann nur noch mit anderen darüber, was beide interessiert. Vielleicht bringen die Bots jene zusammen, die sich für das selbe interessieren („Hej, Sebastian, Inge aus XY redet mit mir auch gerade darüber. Vielleicht magst du mit ihr weiter diskutieren?“), vielleicht helfen sie uns, so zueinander zu sein, wie wir es uns wünschen.
Nur eins macht mir wirklich Angst, daran, bald mit Computern zu reden, wie mit meinen Mitmenschen: Unterhaltungen mit Bots sind das Ende der Sprachveränderung. Wir würden uns daran anpassen, was die Bots verstehen, und keine Neologismen schaffen, für die Worte, die uns gerade fehlen. Unsere Sprache wäre – stärker als schon durch die Verschriftlichung – betoniert in einem bestimmten Zustand.
Und das, liebe Alex, mag ich dann doch nicht.

Warum ich paranoide bin.

An der Vibration eines Objekts lässt sich ein Geräusch rekonstruieren – das heißt: Habe ich ein Video eines von Geräuschen vibrierenden Objekts kann ich daraus ein Geräusch machen, welches dem recht nahe kommt, welches Quelle dafür war. Dieses Video von Forschern des MIT zeigt das Vorgehen mit High-Speed-Kameras, später jedoch auch mit Handelsüblichen (allerdings sind die Ergebnisse da deutlich schlechter).
Bereits seit längerem ist bekannt, dass Gespräche mittels Lasern von den Vibrationen der Fenster abgelesen werden können. Zumindest wird dies von Verschwörungstheoretikern behauptet, und angesichts der Snowden-Enthüllungen bin ich gewillt, ihnen das zu glauben. Angeblich, sagt man, würden sich auch Tastauranschläge rekonstruieren lassen. (update. Von Plastiktastaturen kann man inzwischen mit iPhone-Ifrarotkameras deine Pincodes ablesen.)
Ich beging weder Straftaten noch habe ich vor Straftaten zu begehen (warum auch). Trotzdem, oder gerade deshalb, macht es mir Angst. Denn wie jede Technologie werden auch Abhörmöglichkeiten immer günstiger. War es vor einigen Jahrzehnten noch völlig utopisch, dass DNA-Analysen auch bei „kleinen“ Vergehen angewendet werden – weil zu teuer -, scheint es heute üblich zu sein. Sagten wir vor einigen Jahren noch, diese oder jene Verschlüsselung reiche aus, weil man hierfür so und soviel Rechnen müsste, um sie zu knacken… bauen Geheimdienste heute entsprechende Computer.
Wenn die NSA und der Verfassungsschutz uns nicht abhören, dann sind es Google und Facebook. Dabei ist es vermutlich nicht mal so problematisch, was über uns herausgefunden wird mittels Spionage, Abhören, Trojaner und DNA-Nachweis. Unsere größte Gefahr dürfte wohl, bei aller Liebe fürs Bloggen, unsere eigene große Klappe sein.


Wenn Polizeien und Geheimdienste öffentliche Quellen auswerten – und das tun sie, schließlich ist es ihre Aufgabe – lässt sich vermutlich über mich so ziemlich jede Straftat, jedes „geschlossen XY Weltbild“ und dergleichen argumentieren. Durch geschickten Auswählen der allein 230 Blogeinträge in diesem und den 2357 Einträgen im alten Blog sowie vermutlich tausenden teils zynischen, teils ironischen, teils übermüdeten oder verstellten Kommentaren all over the internet. Wöllte mir jemand etwas schlechtes, hätte man mich damit definitiv ‚an den Eiern‘ – und das ganz ohne gefälschte Beweise, Überwachung und all jenes.
In diesem Leben werde ich diesen Zustand nicht mehr rückgängig machen können – und das wöllte ich auch nicht. Ich stehe zu jedem einzelnen Kommentar und jeder einzelnen Meinung, zu dem Rauschen das meine Existenz im Internet und der Welt hinterlassen hat und zwar weil jedes – einzelne – Wort erlogen ist.




Bullshit.
Ich glaube, dass wir gerade dabei sind, neue Umgangsformen zu lernen. Wie wir mit Menschen umgehen, die alles fotografieren, die gerne laut schlechte Musik hören, die dämliche Kommentare veröffentlichen. Wenn eine staatliche Stelle gegen mich oder einen meiner Freunde vorgehen sollte – und das ungerechtfertigt -, dann glaube ich, dass unsere Gemeinschaft stark genug ist, sich dagegen mit den Mittel des Rechtsstaats zu wehren. Und sollte, aus welchen Gründen auch immer, der Rechtsstaat einem faschistischen Rechts-Staat (oder einer anderem Form des Unrechts-Regimes) weichen, glaube ich, dass wir zum Widerstand bereit sind.
Als Blogger muss man keine Angst mehr haben, öffentlich bloßgestellt zu werden. Wir, die wir im Internet aufwuchsen, haben das schon selbst genug getan.
Trotzdem, oder gerade deshalb, beunruhigt mich ein Staat – ebenso wie Konzerne – die Aufrüsten, beinahe Grenzenlos, um auch den Teil meiner Privatsphäre ausforschen zu können, den ich nicht freiwillig geteilt habe.
(Kuck mal, der hat Angst vor einem Überwachungsstaat. Damit ist doch ein Anfangsverdacht begründet?)

"Ich verstehe die Aufregung um die NSA nicht."

Ein normaler Verbrecher droht dir die Beine zu brechen. Ein guter Verbrecher zerstört dein Leben, in dem er eine Behauptung verbreitet.

Es gibt Professor_innen, die derart tief und lang und ausführlich in einem Gebiet gearbeitet haben, dass es fast unmöglich ist, ihnen zu widersprechen. Was sie sagen stimmt, auch wenn sie keine Beweise liefern können. Wenn du groß genug bist, musst du nicht mehr argumentieren. Deine Reputation, man könnte auch sagen, die Angst der Anderen vor deinem Urteil, sorgt dafür, dass du auch Recht hast, selbst wenn du eigentlich irrst.
Die NSA hat – soweit wir wissen – eine recht gute Reputation. Regierungsbehörde, ausgezeichnete internationale Beziehungen, hervorragende Ausstattung, kompetente Mitarbeiter. Sie schützt uns vor Terroristen, Extremisten und anderen Tunichtguten, in dem sie Daten sammelt – am liebsten alle von allen. Wer potenziell gefährlich ist, wird überwacht. Wer nicht gefährlich ist, könnte es ja potenziell werden. Die NSA weiß, was du im Internet gemacht hast. Zumindest sagt sie das. Ein wahrgewordener Knecht Ruprecht, der nicht jedes Jahr kommt, sondern erstmal sammelt – und wartet. Jeden Tag steht in der Zeitung neue Skandale, und langsam aber sicher gewöhnen wir uns daran, glauben das Narrativ von der Gottbehörde, die alles sieht und alles weiß. Und wir ignorieren sie – wie Atheisten -, oder sind gute, brave Bürger, die an diese Behörde glauben. Manche mögen auch Angst vor ihr haben, Angst, dass die NSA von ihrem Serverolymp hinabsteigt, um dich zu zertreten.
Vielleicht hat die NSA gar kein kompromittierendes Material über dich. Weil du vielleicht nie etwas schlimmes getan hast. Aber, wie willst du beweisen, dass du unschuldig bist, wenn sie sagen, sie haben Daten davon? Erinnerst du dich an jede Webseite? Erinnerst du dich an jedes Telefonat? Hast du für jede Nicht-Schlechte Tat Zeugen, die vertrauenswürdiger sind als ein Beamter?
Ja, das wird nicht passieren. Weil die Regierung ja nichts böses tut. Im Gegensatz zu Google und Facebook. Und du hast ja nichts zu verbergen. Die Katzenfotos und deine Kontodaten teilst du gerne.
Eine marktbeherrschende Stellung bei diesem Spielchen, ein regelrechtes Monopol, das ausreicht bei Belieben eine jede Existenz zu zerstören, bei Belieben dich mit einer völlig vergangenen Geschichte zu erpressen, das „wir wissen was du getan hast“-Spielchen ist schon eine ziemlich coole Sache. Das ist sicher lustig und spannend und überhaupt. Wenn man der Spieler ist und nicht das Spielzeug.
Dazu kommen ganz großartige Anschaffungen. Beispielsweise waffenfähige, unbemannte Flugzeuge, sogenannte Drohnen. Wie war das nochmal mit Meinungsfreiheit? Mit Schutz der Privatsphäre? Wie war das mit Menschenwürde? Bäm, Headshot. Sind die Dinger sicher vor Hacker-Angriffen? Und warum schaffen wir sowas überhaupt an? Wenn die Drohnen einen Fehler machen – oder die Menschen dahinter eigene Motive verfolgen -, dann kann es schon ein bisschen unangenehm werden diesseits der Überwachungskameras. Tja, Kollateralschaden. Was stehst du auch neben dem gesuchten Kriminellen an der Bushaltestelle. Selber schuld. Viel Glück, wenn der gesuchte Terrorist „Müller“ heißt. Bäm, bäm, bäm. Es geht uns doch nur um die innere Sicherheit.
Stalking hatten wir schon von Geheimdienstlern. Bin gespannt wann der erste (nicht staatlich autorisierte) Drohnenmord kommt.

Aber dir passiert ja nichts. Du hast ja niemandem etwas getan und wirst auch nie ein Wort verlieren. Es gibt keine alten Geschichten, die du vergessen haben willst. Du lebst ganz gut in der ständigen Gegenwart deiner kompletten Vergangenheit. Das ist schön und gut und eine Erleichterung. Du hast nichts zu verbergen, und du weißt jetzt schon, dass das nie anders sein wird.
Ich frage mich nur, wenn dann endlich alle potenziellen Terroristen ausgeschaltet sind, wenn alle, die eine ach so große Bedrohung für den Staat sind – also jede_r, der_die mit „PGP“ und „Tor“ und nur „Homepage“ etwas anfangen kann – beseitigt ist, wer fixt dann den Fehler auf deinem alten Windows XP? Und wieso stört es den Bombengütelmann, dass seine Daten auf Geheimdienstservern liegen? Boom, Hosenexplosion.
Aber ich weiß. Wir haben in den letzen 100 Jahren kein einziges mal erlebt, dass ein Staat etwas getan hätte, was fremden oder eigenen Bürger auch nur minimal schadete. Und man soll ja an das Gute in den Menschen und der Regierung und allen glauben, die werden es schon gut meinen, das Gute sehen, Vertrauensvorschuss und so.
Außer man ist Geheimdienstler, dann überprüft man lieber. Alle.