Ich ziehe mir meinen Pullover über die Arme und mache mich groß gegen das Gefühl der Leere.

Ich bin nicht bereit es niederzuschreiben. Meine Gedanken dürfen nicht beendet sein, denn sie drehen sich noch. Um dies, um das. Über jenen Menschen und jenen Gedanken. Aber Worte sind final. Sätze haben Punkte. Haben Subjekte, Objekte, Prädikative. Sätze setzen einen Gedanken voraus, setzen Enden, Ergebnisse voraus. Doch die gibt es nicht. Nicht hier, nicht jetzt.
Ich will soviel schreiben, so viele Gedanken schlicht loswerden, soviel erzählen, soviel berichten – doch es geht nicht. Das Textfeld verhöhnt mich nur. Meine Finger wandern ungelenk über die Tastatur, als wäre dies der erste Text, den ich schreibe. Doch es ist der letzte.
Tief einatmen. Und ausatmen. Again.

Was passiert,...
Bis zum nächsten. Und dann geht das Kämpfen wieder los. Das Kämpfen mit der Leere. Mit dem Gefühl, nichts zu sagen zu haben, nichts verständlich zu machen, nicht lesen- oder gar lebenswert zu sein. Manchmal trete ich diesem Gefühl mutig entgegen, manchmal bearbeite ich nur monatealte Texte – und manchmal sind alle dieser Entwürfe schon durchgeschleust. Und dann ist sie wieder: Die Leere.
Die Vergangenheit ist immer noch da. Sie existiert, nur bin ich nicht mehr ihr Bewohner. Die Menschen, die mich längst verlassen haben, trage ich noch mit mir – und scheiße, wird das gerade schmalzig -, und ich habe manchmal das Gefühl, dass diese Schreibblockade ewig bleibt.
Und dann schreibe ich nichts. Und fühle nicht. Erinnere nichts. Die Welt ist leer und ich bin leer und der Wasserhahn tropft. Meine Fingerspitzen fühlen die Tasten. Plastik, Erdöl, Dinosaurier. Die ersten Worte – Hello World – wurden auf der Asche von Helden getippt. Es war ein unendlicher Weg hierher – und er dauert an -, weil nichts da ist, sondern alles unterwegs, in Bewegung, im Wandel. Längst ist das erste Wort dieses Textes vergangen, und was zurückbleibt, um ihn zu lesen, bist Du.
Und dann schreiben sich die Worte doch weiter. Immer weiter. Ohne Punkte. (Das war gelogen.) Ohne Gedanken. Meine Finger spucken Worte, als wäre es ihr Job. Sie werden Seite um Seite füllen, Byte um Byte. Nicht, weil ich etwas zu sagen habe, nicht, weil du mir zuhören sollst. Sondern weil ich erst im Erheben der Stimme erkennen kann, dass ich sie doch habe. Es geht darum, in die Luft zu treten und zu merken, dass sie trägt.
Es geht darum von einer besseren Welt zu erzählen, bis sie besser ist. Es geht um Vanillekuchen und um Lächeln. Es geht um miese, kleine Blogs. Es geht um Katzenbilder und darum, mehr zu sein, sich größer zu machen, als wir sind. Größer, als die Leere es ist, die uns auszufüllen, zu übermannen scheint.
Ich tippe auf toten Dinosauriern und weiß nicht wohin. Ich verstecke mich hinter großen Worten. Hinter Vorhängen aus Sätzen. Und fühle mich klein. Doch ich mache mich groß. Größer, mache den Rücken krumm, damit die Angst geht, die Leere verschwindet.
ROAR! ROOAR!

Am Ende deiner Finger klebt der Weltuntergang.

Wie reumütige Kinder senken sie Ihre Häupter, schauen Richtung Boden und würdigen die Außenwelt allenfalls mit flüchtigen Blicken. Oft stehen sie mitten im Weg wie Hindernisse, unfähig aus ihrer Ignoranzblase aufzusehen, sie stehen wie versteinert an einer Stelle und starren auf ihre Mobiltelefonmedusa. Meine Generation, sagt man, werde noch abgelenkt vom Hosentaschenbildschirm die Liebe ihres Lebens verpassen.
Wir verpassen viel mehr als nur das. Wir entfremden uns. Mit dem großartigsten Kommunikationsvereinfachern vereinsamen wir.
[…]
Ich würde den Gedanken ja weiterführen, aber mein Handy will gerade was… Oh, Twitter! Tumblr! Facebook! Oh, eine verpasste Nachricht!

Du musst das wirklich selbst entscheiden.

Ich bin zwiegespalten. Einerseits bin ich davon überzeugt, dass die Realität nur in meinem Kopf existiert und völlig subjektiv ist. Das ich nicht beweisen kann, dass etwas existiert und das du das hier liest und verstehst, was ich meine. Nein, im Gegenteil, du liest das und das regt dich an etwas zu konstruieren, was du denken könntest. Aber das hat doch dann nichts mehr mit mir zu tun. Das ist dann nicht mehr das, was ich dachte, als ich das schrieb, sondern das, was du dachtest, als du last, was ich geschrieben hatte. Mit meiner oder gar „der“ Realität zu tun. Das ist ja nur in deinem Kopf! Genauso, wie die Wirklichkeit nur in meinem Kopf sitzt. Meine Wirklichkeit.
Aber dann denke ich auch: Wer bin ich denn, ohne die Anderen? Die PSG und AfD und wie sie alle heißen, die rufen laut nach Eigenverantwortung und, dass dir dein Eigentum gehöre und das die Griechen, ja die Griechen! Die kriegen den Hals nicht voll. Und der Bundesdeutsche Dummwähler kriegt ’nen dicken Hals. Aber so ist es doch nicht. Was du hier liest, dass du hier liest, verdankst du nicht nur deiner eigenen Anstrengung. Nein, Denken wird weitergegeben. Und was dir deine Eltern lehrten, war nie ihrs alleine. Und was du schufst, scheinbar aus dem Nichts, das steht doch immer auf den Schultern von Riesen – ebenso wie auf den Schultern von allen.
Ein Freund von mir fragte, provokant, wie er es so gut kann, warum eine Fabrik, in der er etwas herstelle, weil er eine tolle Idee gehabt habe, überhaupt Steuern zahlen müsse. Warum es diese – angebliche 70%ige – Steuerlast gibt. Und die Antwort ist doch so offensichtlich, dass sie einem gar nicht erst einfallen möchte: Was dir gehört, hast du nur dem Ganzen geliehen. Oder anders: Deine Fabrik funktioniert, weil die Laster über unsere Straßen fahren, weil unsere Gesetze dir ermöglichen, Handel zu treiben, Geld zu besitzen, Arbeiter zu beschäftigen. Währest du kein Teil der Gemeinschaft, könntest du nichts tun, und weil du ein Teil von uns bist, und wir einen Teil von dir sind, deshalb gehört allen ein Teil dessen, was du schaffst und dir gehört ein Teil an allem.
Natürlich können wir hier über Anteile diskutieren, und wie wir diese Verwenden wollen. Wir können darüber diskutieren, was die Griechen mit dem Geld gemacht haben, welches sie sich zuvor liehen – und von wem das kam und woher die das hatten. Teile davon landeten auch in der deutschen Wirtschaft. Rüstung zum Beispiel. Wir können auch darüber diskutieren, wie sich unsere Welt ändert und wie wir weiterleben wollen. Dabei müssen wir aber für komplexe Probleme einfache Lösungen nutzen, die erst nach längstem Nachdenken, Abwegen und Diskutieren sich als richtig offenbaren. Das braucht Argumente und kein Koalitionsgedings.
Beide Gedankenstränge funktionieren getrennt recht gut. Aber, wie kann ich auf den Schultern aller stehen und einen Teil aller in mir tragen, wenn alles, was ich wahrnehme, alles was für mich ist, nur aus mir stammt? Irgendwo übersehe ich eine Brücke.
Jedenfalls funktioniert eine Idee wie der „Freie Wille“ und allein schon die Aufforderung „Du musst das wirklich selbst entscheiden“ (bezogen auf die Wahl einer Partei am 22. September) unter diesen Vorraussetzungen nicht. Entweder, meine „Entscheidung“ ist durch meinen Kontext bestimmt, weil ich dieses oder jenes gelesen habe, dieses oder jenes verstehe oder, weil ich Dinge in einer gewissen Weise deute. (Der Ausweg, dass sich auch widersprechende Theorien gleichzeitig gültig sein können, ignorieren wir mal im Sinne eines gelingenden Schlusssatzes.) In beiden Fällen ist eine sachliche, freie Entscheidung nicht denkbar, ebenso, wie abzusehen war, dass ich diesen Text mit folgendem Wort beende: Eintopf.

Push it back!

Mein Seriengeschmack ist ebenso schlecht wie unerbittlich. Was mir gefällt kann ich rational nicht erklären, ich fühle es einfach tief drin, dass gerade etwas gutes passiert. Zum richtigen Zeitpunkt verbringe ich auch mal eine ganze (Studien-!) Woche damit, Breaking Bad zu schauen (jaja, schnarch).
Dabei gehöre ich zur nervigsten Sorte der Serienschauer, die felsenfest behaupten, Früher™ sei alles besser gewesen und dann uralte Serien ausgraben und die Leute beim ersten Sichten so tief anstarren, dass sie dabei eine Bleischürze tragen sollten, um strahlungsbedingte Folgeerscheinungen zu vermeiden. Ich drifte ab.

Eine dieser Serie, die ich nun schon seit der deutschen Erstausstrahlung einem heiligen Gral gleich vor mir her trage, ist Pushing Daisies. Eine Serie, so zuckersüß und lecker, wie ein perfekt gebackener Kuchen. Die perfekte Mischung aus Herz-Schmerz, Krimi und Irrsinn. Eine an den Haaren soweit hergezogene Geschichte, so perfekt vorgetragen und inszeniert, dass ich immer noch Tränchen weg drücken muss bei der ein oder anderen Szene.
Als ABC die Serie damals einstellte hieß es, es würde einen Comic geben. Das Ende war zwar gut, aber jeder Serienfan kennt das schreckliche Gefühl, aus der Serienwelt in die eigene Zurückkehren zu müssen, weil man noch auf die nächste Folge warten muss. Dieses kleine Sterben, ohne die Aussicht auf Wiedergeburt in der nächsten Woche, ist vermutlich die schlimmste Folter, die verwöhnte Westeuropäer – die wie ich kaum auf Demos gehen – ertragen müssen.

Die Geschichte kann darf nicht aufhören.

„Watching television shows doesn’t create psycho killers
– canceling TV shows does!“
(Scary Movie)

Deshalb twittern Leute noch heute Kurzplots für Seinfeld-Folgen. Deshalb gibt es Millionen von Fan-Foren, von Star-Trek-Conventions und tonnenweise (ein Kritiker würde „mülltonnenweise“ sagen) Fanfiction. Und wo Leute – endlos – auf etwas warten, da brodelt die Gerüchteküche.
Pushing Daisies sollte in Comic-Form vollendet werden. So hieß es damals™. Daraus wurde… nichts*. Bryan Fuller, der Macher der Serie, deutete dann irgendwann auch ein Musical an, und sinnierte über die Möglichkeit der Verfilmung oder einer Mini-Serie. (Mehr bei Wikipedia)


Nun, da Veronica Mars mit Kickstarter (hoffentlich) zu einer Verfilmung durchstartete, ist auch Pushing Daisies wieder im Raum. Als hätte das Internet die magischen Finger des Kuchenbäckers. Wen wir für das Revival sterben lassen? Darauf haben wir keinen Einfluss. Zufall. Aber wenn: Wie wäre 2 Broke Girls oder nach der gefühlt zweimillardensten Staffel Grey’s Anatomy? Two and a half men würde von der Absetzung sogar profitieren. Sowie alle Fernsehbesitzer und alle, die Menschen kennen, die einen Fernseher besitzen. Daneben finden sich sicher noch andere Serien. Wenn es sein müsste, gäbe ich auch den Tatort her.
Jedenfalls. Der kleine Schimmer am Horizont, der Hoffnungen macht, die vermutlich eh nur wieder enttäuscht werden, der ist gerade™ da.
*Es gab sehr wohl ein paar Seiten aus den geplanten Comics zu sehen. Dieses bezaubernde Tumblr sammelte diese Comic-Seiten nicht nur – HIER -, es drückt auch ziemlich genau aus, wie ich mich nun fühle. Bei Buzzfeed gibts außerdem ne nette Sammlung mit Bildern/Gifs aus der Serie anlässlich des – Achtung, Schenkelklopfer! – Pi-Days neulich.